Auf dieser Seite finden Sie eine Übersicht über die Titel, die groben inhaltlichen Züge sowie formale Aspekte der aktuell von den Mitgliedern der Professur angebotenen Lehrveranstaltungen. Bitte haben Sie Verständnis, dass dies nur eine vorläufige Orientierung bieten soll und sich diese Informationen bis zum Beginn der Veranstaltungen ändern können. Allgemeine Informationen zu den digitalen Semestern währen der Corona-Pandemie haben wir darüber hinaus hier für Sie zusammengestellt. Bei Fragen können Sie sich natürlich gerne per Email an uns wenden.

Dr. Anja Peltzer - Veranstaltungen im WiSe 2020/21

"Black Cinema. Rassismus im Kino." (MA-Seminar im Modul "Medien- und Kulturanalyse")

Zum Inhalt:
Im Fokus dieses Masterseminars steht das (New) Black Cinema. Gegenstand der Analyse sind die ästhetischen Reflektionsleistungen des afroamerikanischen Kinos über alltäglichen, strukturellen und etablierten Rassismus. Das Kino – insbesondere das erfolgreiche Hollywood-Kino – ist nach wie vor ein Ort, der bis heute Afroamerikaner*innen vor allen Dingen in Nebenrollen sieht und auch nur dann, wenn für diese Rollen die Blackness in irgendeiner Form konstitutiv ist. Doch über die Jahre hat sich ein selbstbewusstes schwarzes Kino entwickelt, das eine signifikante Gegenöffentlichkeit darstellt und den weißen Narrativen Hollywoods einen Spiegel vorhält. Dabei aber natürlich ebenfalls i.d.R. ein ‚Screening Race‘ betreibt. Dieses hochgradig politische, emotionale, ambivalente und zeitkritische Kino bildet den Untersuchungskorpus des Seminars. Im Mittelpunkt stehen u.a. Filme wie: Beale Street (2018), Queen & Slim (2019), Get Out (2017), Sorry To Bother You (2018), Da 5 Bloods (2020), Fruitvale Station (2014), The Hate U Give (2019), Monsters and Men (2019), Blindspotting (2018), Moonlight (2017), Precious (2010). Aber wir werden uns auch mit den sogenannten Klassikern beschäftigen: Mississippi Burning (1988), Guess Who is Coming to Dinner (1967) und Imitation of Life (1934). 

Das Seminar verfolgt dabei eine dezidiert filmsoziologische Perspektive, d.h. der fiktive Spielfilm wird als soziale Tatsache ernst genommen. Filme erstellen mit ihren fiktiven Versuchsanordnungen Zeitdiagnosen, die eine Gesellschaft mit sich selbst konfrontieren: entweder, indem sie den Status quo reproduzieren und zur Anschauung bringen oder aber, indem sie andere Wege gehen. Bereits die Thematisierung – sowie auch die Ausblendung – bestimmter Aspekte in den Filmen hat Einfluss darauf, was im Alltag als ‚normal‘ oder eben auch als ‚abnormal‘ empfunden wird. In diesem Zusammenhang wird insbesondere der Film gerne als Seismograf charakterisiert, der dazu in der Lage sei, auch die feinsten gesellschaftliche ‚Beben‘ wahrnehmbar zu machen, was ihn zu einem wichtigen Reflexionsmedium gesellschaftlicher Prozesse macht. Der Film, so schreiben bereits Friedmann und Morin in ihrem Pionieraufsatz zur Soziologie des Kinos, ist „eine Art Mikrokosmos, durch den hindurch sich das Bild einer Zivilisation – wenn auch in deformierter, stilisierter und geordneter Form – erkennen lässt, eben jener Zivilisation, aus der e[r] hervorgegangen ist“ (Friedmann und Morin, [1952] 2010, S. 22). In diesen Funktionen – als Archivare, Distributoren und Transformatoren des Zeitgeists – sind Filme ein paradigmatischer Untersuchungsgegenstand einer verstehenden Soziologie und stehen als solche im Fokus des Seminars. Dabei sind die folgenden Forschungsfragen leitend: Wie wird Rassismus dargestellt? Welche Gegennarrative bietet das Black Cinema an? Welche Lesarten bieten diese Filme aus der Perspektive einer Critical Whiteness? Kann es fiktive Handlungswirklichkeiten eines nicht-ethnischen Kinos geben?

Aufbau:
Die Teilnehmer*innen werden zu Beginn des Semesters mit theoretischen Positionen zum Rassismus sowie zum Verhältnis von Kino & Gesellschaft vertraut gemacht. Der theoretische Diskurs wird dabei nicht nur von weißen Autor*innen bestimmt sein, sondern einen besonderen Schwerpunkt stellen dabei die auch die Analysen afroamerikanischer Denker*innen dar. Anschließend wird den Teilnehmer*innen die Methode (die soz. Film- und Fernsehanalyse) vermittelt. Dabei handelt es sich um ein qualitatives Verfahren, das die empirische Untersuchung, dessen was filmische Produkte über die Verfassung unserer sozialen Wirklichkeit zeigen, zum Ziel hat.

Formalia:
Das Seminar findet wöchentlich, in digitalen synchronen Sitzungen statt. Sollte die Verbindung zu instabil sein, werden wir verschiedenen Selbstlerneinheiten integrieren und bilaterale Feedback-Gespräche führen (asynchrone Lehreinheiten).

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"Mediensoziologie: Perspektiven, Methoden, Theorien" (MA-Seminar im Modul "Medien und Öffentlichkeit")

Zum Inhalt:
Im Fokus dieser Mastereinführung in die ‚Mediensoziologie‘ steht die systematische Erschließung der vielseitigen Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft, Medien und Individuum. Ausgehend von der These, dass sozialer Wandel immer auch mit medialem Wandel einhergeht, verfolgt dieses Seminar die Grundfrage der Mediensoziologie, nämlich: In welchem Sinne tragen die modernen Kommunikationsmedien zu kulturellen und sozialen Transformationsprozessen in einer globalisierten Welt bei? Und daran anknüpfend: Welche Konsequenzen hat der digitale Wandel für die Mediensoziologie? Um diese Fragen angemessen beantworten zu können, führt das Seminar in die spezifischen Mediensoziologien (Filmsoziologie, Soziologie des Fernsehens, Soziologie der Online-Kommunikation, visuelle Soziologie und Soziologie des Digitalen) ein, führt gesellschafts- und medientheoretische Positionen zusammen und diskutiert diese anhand des aktuellen Stands der empirischen Medienforschung. Dabei gilt es zu klären, (a) was die zentralen Theorien, Konzepte, Fragestellungen und Methoden einer gegenwärtigen Mediensoziologie sind, (b) welche Stellung ‚den Medien‘ in den gegenwärtigen Gesellschaften im Hinblick auf ihren realitätsbildenden Charakter zukommt und schließlich (c) welche Fragestellungen das Digitale für die Soziologie aufwirft?

Aufbau:
Das Seminar richtet sich an die Erstsemester das Masterstudiengangs Medien- und Kultursoziologie. Es ist vom Charakter her eine Überblicksveranstaltung, die dazu dienen soll, dass Sie in Ihrem Masterstudium gut ankommen und Sie sich über Ziele, Themen und Ansätze des Studiengangs orientieren können. Bitte bringen Sie in die erste Sitzung eine kurze Projektskizze Ihrer Abschlussarbeit mit. 

Formalia:
Das Seminar findet wöchentlich, digital in synchronen Sitzungen statt. Sollte die Verbindung zu instabil sein, werden wir verschiedenen Selbstlerneinheiten integrieren und bilaterale Feedback-Gespräche führen (asynchrone Lehreinheiten).

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"Digitale Kommunikation" (BA-Vorlesung im Modul "Spezialisierung IV - Medien und Prozesse")

Zum Inhalt:
Hashtags, Memes, Fake News, Social Bots, Online-Dating-Apps, Binge Watching, Inluencer*innen, Videokonferenzen, Digital Detox-Kuren und nicht zu vergessen die Corona App – sie alle, und freilich noch vieles andere mehr, sind kommunikative Hervorbringungen des digitalen Wandels. Die fortschreitende Digitalisierung hat mittlerweile sämtliche Lebensbereiche erfasst: politisch, ökologisch, sozial, kulturell und natürlich auch ökonomisch. Dies fordert die Soziologie auf verschiedene Weisen heraus. Denn will man Vergemeinschaftungsprozesse der Gegenwart verstehen, muss man die Rolle, die die digitale Kommunikation dabei übernimmt, verstehen. Darum geht es in dieser Vorlesung.

Im Mittelpunkt der Vorlesung ‚Digitale Kommunikation‘ steht die Frage nach den Konsequenzen des digitalen Wandels für sämtliche Formen des kommunikativen Handelns und damit auch für die soziale Konstruktion von Wirklichkeit. Ausgehend von der Überlegung, dass der Auftrag der Mediensoziologie lautet, die Bedeutung des Medialen für das Soziale zu verstehen und zu erklären, bedeutet das heute vor allen Dingen auch das Digitale zu verstehen und zu erklären. Fragestellungen, welchen wir uns in diesem Wintersemester stellen werden lauten u.a.: Kann es eine digitale Konstruktion von Wirklichkeit geben? Was unterscheidet digitales Handeln von kommunikativem Handeln? Können Algorithmen sozialen Sinn stiften? Warum hat Spotify kein Stilempfinden? Und warum ist nicht der Social Bot der Tod des politischen Diskurses sondern uninformierte Bürger*innen? Welche Rolle spielt die digitale Kommunikation für die Radikalisierung von Menschen? Für welche Authentizität stehen Influencer*innen? Wie verändern Hashtags die Modi politischer Kommunikation? Wie verändert sich der Beruf der Journalist*innen im Zuge der Digitalisierung? Was bedeutet personelle Identität unter digitalen Bedingungen? Wie verändern sich klassische Medien wie der Kinofilm, Serien oder auch das lineare Fernsehen durch die digitalen Möglichkeiten? Und schließlich: Was sind die Perspektiven einer digitalen Soziologie?

Aufbau:
Der Aufbau der Vorlesung verläuft sequentiell: (1.) Gilt es in die unterschiedlichen, theoretischen Konzeptionen des Verhältnisses von digitaler Kommunikation und sozialer Wirklichkeit einzuführen (vom radikalen Konstruktivismus bis hin zu einem ‚realistischen Konstruktivismus‘). (2.) Gilt es grundlegende mediensoziologische Konzepte im Hinblick auf den digitalen Wandel zu befragen und zu modifizieren (u.a. Medienbegriff, Kulturindustriethesen, Öffentlichkeit, Dokumentation/Fiktion, Rezeptionsprozesse, Convergence Culture, Datenjournalismus & Medienwissen), bevor daran anschließend (3.) die empirischen Forschungsfelder digitaler Kommunikation auf der Ebene der Medienproduktion, der des Medienprodukts und der Medienrezeption, einschließlich ihrer zentralen Methoden, vorgestellt werden.

Formalia
Die Vorlesung findet asynchron statt. Den ersten Upload der VL gibt es am Montag, den 02. November um 14:00 auf StudIP. Sie steht dort immer sieben Tage lang zur Verfügung. Die weiteren VL-Videos werden ebenfalls wöchentlich auf StudIP hochgeladen. Die Vorlesung ist Teil des BA-Moduls "Medien und Prozesse" und wird mit einer Klausur abgeschlossen. Zur erfolgreichen Teilnahme an der Klausur benötigen Sie auch die nachgewiesene Teilnahme an einem Seminar aus dem gleichen Modul und Sie müssen sich zur Klausur anmelden.

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"Einführung in die Mediensoziologie" (Propädeutikum im Bachelor)

Zum Inhalt:
Es gibt viele gute Gründe, unsere heutigen gesellschaftlichen Verhältnisse als mediale Lebensverhältnisse zu bezeichnen. Wir daten uns mittels Online-Plattformen, zeigen uns unseren Alltag via Instagram, bestellen unser Essen online und geben unseren schriftlichen Leistungsnachweis im digitalen Seminar an der Universität als PDF im Anhang einer E-Mail ab. Wenn wir also von medialen Lebensverhältnissen sprechen, so ist damit gemeint, dass es keine Bereiche des sozialen Lebens gibt, die in ihrer Wirklichkeit nicht durch Prozesse der medialen Kommunikation modifiziert wären. Die Mediensoziologie fragt nun genau danach:  Wie und auf welche Weise prägen Medien Gesellschaft? 

Um diese Frage angemessen beantworten zu können, führt dieses Propädeutikum zunächst in die Grundbegriffe der Mediensoziologie ein (Medien, Kommunikation, Algorithmen), in grundlegende theoretische Konzepte (Öffentlichkeit, Medienwirklichkeit, Medienästhetik) sowie in die aktuellen Forschungsfelder der Mediensoziologie.

Anliegen dieses Kurses ist dabei aber auch, Ihnen bestimmte Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens zu vermitteln. Denn dieses Seminarangebot richtet sich an die Erstsemesterstudierenden. Wir werden (medien-)soziologische Klassiker lesen, aktuelle Studien aber auch ‚klassische‘ Lehrbuchliteratur, so dass Sie im Laufe des Semesters die unterschiedlichen Textsorten ihres Studiums besser kennenlernen. Es wird darum gehen, wie man überhaupt auf diese Texte kommt (Recherchieren), wie man sie sinnvoll liest (Exzerpieren) und wie man sie in einen Literaturbericht überführt (Argumentieren). Es wird darum gehen, wie man ein Referat aufbaut – und wie eine Hausarbeit. Im Zuge dessen werden wir auch klären, wie man eine These formuliert, wozu man eine Forschungsfrage braucht und wie man korrekt zitiert.

Formalia
Das Seminar wird digital ablaufen, d. h. wir treffen uns einmal wöchentlich via Zoom (synchrone Lehreinheit). Sollte die Verbindung zu instabil sein, werden wir verschiedenen Selbstlerneinheiten integrieren und bilaterale Feedback-Gespräche führen (asynchrone Lehreinheiten). Auf Stud.IP werden Literatur, Folien & andere Lehrmaterialien zur Verfügung gestellt. 

Der Leistungsnachweis des Seminars setzt sich aus einzelnen semesterbegleitenden Aufgaben zusammen (wie z. B. aus Kurzvorträgen, Literaturrecherchen, Science Slams, Exposees und Thesenpapieren) sowie einer kurzen Hausarbeit, die der Anwendung der erlernten Techniken dienen soll. 

Sollten Sie noch Fragen haben, zögern Sie bitte nicht, sich bei mir zu melden.

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Dr. Gerrit Fröhlich - Veranstaltungen im WiSe 2020/21

"Medien und Identität" (BA-Seminar im Modul "Spezialisierung IV - Medien und Prozesse")

Zum Inhalt des Seminars

(Massen-)Medien und individuelle Identität sind auf vielfältige Weise miteinander verschränkt: Medien liefern Wissen über die Welt und spiegeln das Selbst. Sie leisten damit einen Beitrag zur Konstruktion von Sozialfiguren, Idealbildern und Subjektentwürfen. Sie motivieren zur Selbstarbeit, inszenieren ihre Wirksamkeit, popularisieren die entsprechenden Anleitungen, Skripte und Heldengeschichten und liefern den Individuen damit Selbstschematisierungen, an denen sie sich orientieren können – beispielsweise das psychoanalytische Narrativ in Hollywoodfilmen oder der attraktive Körper der Werbung. Medien des Rates - von frühen so genannten Fürstenspiegeln über das Dr.-Sommer-Team und psychologische Beratungsliteratur bis hin zu Onlineforen und Selbstvermessungsapps - begleiten Phasen der Sozialisation, führen Individuen auf ihren Wegen zur Normalisierung und prägen ihre Wunsch- und Selbstbilder. Medien fungieren vor allem aber als Spiegel und stellen somit Biografiegeneratoren dar, d.h. sie leiten Selbstthematisierung vor sich selbst und vor anderen an: in Tagebüchern, Autobiografien, Briefen, Fotoalben, Talkshows, sozialen Netzwerken; in Gestalt von Tinderbiografien, Youtube-Videos oder Instagramcontent. Medienprodukte werden darüber hinaus selber Teil der eigenen Identität: Medienrezeption ist nicht zuletzt ein naheliegendes Werkzeug zu Inklusion und Exklusion, Bücherregale und Plattensammlungen werden offline und online inszeniert, und das eigene Leben lässt sich als von Brüchen und Kontinuitäten gezeichnete Rezeptionsbiografie des Musik-, Film- oder Spielegeschmacks erzählen. 

Im Rahmen des Seminars findet vor diesem Hintergrund erstens eine Einführung in grundlegende soziologische Identitäts- und Subjektivierungstheorien statt (beispielsweise Mead, Cooley, Foucault, Butler oder Hahn). Zweitens werden diese theoretischen Grundkonzepte auf das Feld der Medien ausgeweitet. Diese Verschränkungen von Identitäts-, Kommunikations- und Medienstheorien werden drittens entlang einer Reihe von Medienkonstellationen von Schrift bis Digitalisierung durchdekliniert und anschaulich verdeutlicht. Dabei wird vor allem eine medienhistorische Perspektive eingenommen, die nicht nur auf die Gegenwart und die aktuell dominanten Medienformate zielt, sondern den Weg vergangener Medienumbrüche und ihrer jeweiligen Auswirkungen auf Identitätsentwürfe und Subjektivierungsformen nachzeichnet.
 

Formalia

Das Seminar findet ab dem 03. November dienstags, 10-12h, in Form einer Videokonferenz statt. Das Seminar ist Teil des BA-Moduls "Medien und Prozesse". Die erfolgreiche Teilnahme berechtigt zur Teilnahme an der Klausur im gleichen Modul.

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"Die Corona-Pandemie: Alltag in der Krise, Krise in den Medien" (MA-Forschungsprojekt, gemeinsam mit Dr. Bischur)

Zum Inhalt des Projekts

Rund um die Corona-Pandemie ergibt sich eine Vielzahl soziologischer Fragestellungen. Durch die Kontaktsperre finden plötzlich Formen der Isolation statt, die neue Routinen erzwingen. Im Supermarkt lässt sich das Individuum im öffentlichen (Viren-)Austausch (Goffman) beobachten, das zu neuen Selbsttechnologien (Foucault) verpflichtet wird. Wissenschaftliche Expertise genießt scheinbar einen neuen Stellenwert, so dass eine große Zahl von Hörern regelmäßig den Podcast eines Virologen rezipiert; gleichzeitig findet jedoch ebenso ein öffentlicher Diskurs über Grenzen der Expertisen speziell im Umgang mit (noch) unsicherem Wissen, sowie der Plausibilitäten der das Alltagshandeln massiv einschränkenden politischen Entscheidungen statt. Durch das Homeoffice ergeben sich zwischen Bücherwand und Kinderbetreuung neue Formen öffentlicher Privatheit und damit neue Formen der Authentizitätsinszenierung. Dabei nehmen neben dem wiederentdeckten Lagerfeuer der Tagesschau offenbar vor allem digitale Medien einen ganz neuen Stellenwert ein, sind Informationsquellen, ermöglichen neue Formen des Arbeitens (und, wie wir feststellen, der wissenschaftlichen Lehre), lindern die Probleme der Isolation und der physischen Kontaktsperre. Apps dienen dem Robert-Koch-Institut als „Datenspende“ und Entscheidungshilfe, werden als Ausweg aus dem Lockdown oder Bedrohung der individuellen Hoheit über die eigenen Daten verhandelt. In öffentlichen Diskursen und halböffentlichen Telegram-Gruppen werden Aspekte wie das Wesen der Freiheit oder die Rolle der Wissenschaft diskutiert und so auch zum Inhalt alternativer Wissensvorräte oder auch Verschwörungstheorien - je nachdem, wen man fragt. Bilder und Metaphern des Virus lassen sich in journalistischen, aber auch privaten öffentlichen Äußerungen finden – das Framing der Pandemie reicht von der Gesundheits- und Wirtschaftsgefahr bis hin zu angeblichen Chancen, die Pandemie könne zu einer Art Paradigmenwechsel unserer grundsätzlichen Gesellschaftsordnung, zu einer Art Korrektur der globalisierten, kapitalistischen Wohlstandsgesellschaft führen. 

Alle diese Fragestellungen lassen sich unter dem Begriff der „Krise“ als jenen liminalen Zustand (Victor Turner) des Auf-der-Kippe-Stehens subsumieren, innerhalb deren die gewohnten Selbstverständlichkeiten, die Edmund Husserl grundlegend für die „natürliche Einstellung in der Lebenswelt“ betrachtete, die Konstanz der objektiven Welt (des „Und-so-weiter“) und des subjektiven Handlungsvermögens (des „Ich-kann-immer-wieder“) zumindest zum Teil bis auf Weiteres suspendiert erscheinen und die Pandemie und deren Auswirkungen auf das soziale Leben von den konkreten Interaktionen der Mikroebene, über die institutionalisierten Handlungstypisierungen bis hin zur gesamtgesellschaftlichen Organisation und Ordnung unserer Gesellschaften auf der Makroebene als derzeit dominierende (auferlegte) thematische Relevanz (Alfred Schütz) omnipräsent ist. Diese und/oder andere Phänomene werden im Verlauf des zwei-semestrigen kultur- und mediensoziologischen Forschungsprojekts im Rahmen dreier Gruppen mit je spezifischen Fokussierungen auf Teilthemen aufgearbeitet.
 

Formalia

Der zweite Teil des Forschungsprojekts findet ab dem 04. November mittwochs von 08.30h bis 12.00h in Teilpräsenz statt. Es handelt sich um eine Pflichtveranstaltung im Master "Medien- und Kultursoziologie".

[Link zu Porta]

 

 


Vergangene Semester

Lehrangebot im Sommersemester 2020

Informationen bezüglich der digitalen Lehre finden Sie hier.

Vertr.-Prof. Dr. Anja Peltzer

World Cinema. Film und Globalisierung
Seminar im MA, Modul "Medien und Öffentlichkeit"
Dienstags, 14-16h, C401 [DIGITAL]

Einführung in die Mediensoziologie
Proseminar
Mittwochs, 12-14h, HS 1 [DIGITAL]

Bad Banks: Finanzökonomie im Film
Seminar im BA, Modul "Spezialisierung IV - Medien und Prozesse"
Mittwochs, 10-12h, C401 [DIGITAL]

#reclaimthetruth. Digitale Kommunikation zwischen Fakten und Fiktionen 
Seminar im BA, Modul "Spezialisierung IV - Medien und Prozesse"
Dienstags, 16-18h, C429 [DIGITAL]

 

Dr. Gerrit Fröhlich

Die Corona-Pandemie: Alltag in der Krise, Krise in den Medien
Forschungsprojekt im MA, gemeinsam mit Dr. Daniel Bischur
Mittwochs, 08-12h, C01 [DIGITAL]

Materialität des Digitalen
Seminar im MA, Modul "Medien und Öffentlichkeit"
Donnerstags, 16-18h, B19 [DIGITAL]