Laufende Promotionsprojekte
Unter der Leitung von Prof. Dr. Ulrike Gehring, Universität Trier
Dorothee Fischer-Kuklau M.A.
Fische fern des Meeres. Zur materiellen und visuellen (Re-)Präsentation von Wasserlebewesen und Wissensproduktion in naturkundlichen Sammlungen des 18. Jahrhunderts
Im Mittelpunkt dieses bildwissenschaftlichen Promotionsprojektes stehen verschiedene Medialisierungen von Wasserlebewesen im Kontext zweier Sammlungen im deutschen Binnenland; die der Apothekerfamilie Linck aus Leipzig und die des Berliner Arztes Marcus Élieser Bloch. Die Aufmerksamkeit gilt weniger den Sammlern selbst als ihren ‚Wissensobjekten‘; den naturkundlichen Publikationen, Zeichnungen, Grafiken und Tierpräparaten. Diese verschiedenen Formen der (Re-)Präsentation und ihre unterschiedlichen visuellen Strategien werden erstmalig in objektnahen Analysen vor und einander gegenübergestellt. Deutlich wird ein komplexes, reziprokes Zusammenspiel der Medialisierungen und die unverzichtbare Rolle, die Bilder und Präparate in der Verbindung von Kunst und Wissenschaft sowie im Entstehen der Ichthyologie als eigenständiger Disziplin am Umbruch zum 19. Jahrhundert spielen. Die Erkenntnisse zu den Fischen fern des Meeres leisten nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Kunstgeschichte, sondern können darüber hinaus an aktuelle Diskurse der Bildwissenschaft, Human-Animal Studies und Wissen(schaft)sgeschichte anschließen.
Fish far from sea. On the Material and Visual (Re-)Presentation of Aquatic Life and the Production of Knowledge in 18th-Century Natural History Collections
This PhD project focuses on the various medialisations of aquatic life in the context of two collections. To shed light on the emergence of ichthyology as an independent discipline at the turn of the 19th century, the collection of the Linck family, apothecaries from Leipzig, and the physician Marcus Élieser Bloch from Berlin will be analysed.
Rather than with the collectors themselves, this study is concerned with their 'objects of knowledge': natural history publications, drawings, prints, and animal specimens. For the first time, these various forms of (re-)presentation and their differing visual strategies will be presented and contrasted through object-based analyses. This will reveal a complex, reciprocal interplay of medialisation and the indispensable role of images and specimens connecting art and science. In addition to contributing significantly to the field of art history, the findings on fish far from the sea can also be linked to current discourses in visual studies, human-animal studies and the history of science.
Kontakt: Dorothee Fischer-Kuklau, M.A., Forschungskoordinatorin im TRANSMARE-Institut (www.transmare.uni-trier.de), Mail: fischerduni-trierde
The Sea, Humans, and the Divine in Sixteenth-Century Art
In ihrem Dissertationsprojekt erforscht Anita Markmiller die Beziehung zwischen Mensch, Meer und dem Göttlichen im 16. Jahrhundert aus kunsthistorischer Perspektive. Im Zentrum steht die Frage, wie künstlerische Darstellungen des Meeres verschiedene Wissensregister, etwa religiöse, naturphilosophische, politische und navigationsbezogene, visuell miteinander verknüpften und dadurch das Verständnis maritimer Räume prägten. Die Arbeit analysiert, wie Bilder Begegnungen mit dem Ozean nicht nur darstellten, sondern auch Deutungen strukturierten, indem sie Wissen, Unsicherheit und religiöse Vorstellungen in narrative und ikonographische Formen übersetzten. Dabei erscheint der Ozean nicht nur als Raum imperialer Expansion, sondern auch als Grenzbereich, in dem menschliche Handlungsmacht, göttliche Ordnung und natürliche Kräfte neu ausgehandelt wurden. Das Projekt leistet damit einen Beitrag zur Wissensgeschichte der frühneuzeitlichen maritimen Welt und zeigt, wie visuelle Kultur an der Aushandlung von Religion, Macht und Naturvorstellungen beteiligt war.
The Sea, Humans, and the Divine in Sixteenth-Century Art
In her doctoral project, Anita Markmiller examines the relationship between humans, the sea, and the Divine in the sixteenth century from an art historical perspective. At its core is the question of how artistic representations of the sea visually interlinked different registers of knowledge—such as religious, natural-philosophical, political, and navigational ones—and thereby shaped early modern understandings of maritime space. The study analyses how images not only depicted encounters with the ocean but also structured their interpretation by translating knowledge, uncertainty, and religious conceptions into narrative and iconographic forms. In this context, the ocean appears both as a space of imperial expansion and as a boundary zone in which human agency, divine order, and natural forces were renegotiated. The project thus contributes to the history of knowledge of the early modern maritime world and demonstrates how visual culture participated in negotiating relationships between religion, power, and conceptions of nature.
Ex Voto Marinari, Ende 15. Jh., Öl auf Holz, 35 x 22 cm
Abtei Santa Maria del Monte, Cesena, Italien
Kontakt: Anita Markmiller M.A, Universität Heidelberg, Mail: anita.markmillerhcts.uni-heidelbergde
Patrick Rivière M.A.
Hendrick Cornelisz. Vroom. Leben und Werk
Mit Hendrick Cornelisz. Vroom (1566-1640) hat sich erstmals ein Maler ausschließlich auf die Wiedergabe des Meeres und von Schiffen fokussiert. Unter dem Einfluss der flämischen Landschaftsmalerei des späten 16. Jahrhunderts entwickelte er einen zunehmend unabhängigen Bildtypus, wofür ihn die Kunstgeschichte als "Begründer" der Marinemalerei betitelt. Auf die Veröffentlichung von Margarita Russells „Vision of the Sea: Hendrick C. Vroom and the Origins of Dutch Marine Painting“ im Jahre 1983 ist keine Monographie über Vroom gefolgt.
Die Dissertation über das Leben und Werk des Künstlers will die zwischenzeitlich dem Oeuvre neu zugeschriebenen Werke in Zusammenhang mit dem bis dato anerkannten Corpus setzen und die Arbeiten erstmals einer umfassenden stilkritischen Analyse unterziehen. So sollen etwa Fragen hinsichtlich der Genese der von ihm entwickelten Bildtypen geklärt werden und sein Einfluss auf die weitere Entwicklung der Seestücke der tonalen Phase hinterfragt werden.
Hendrick Cornelisz. Vroom. Life and Work
Hendrick Cornelisz. Vroom (1566-1640) was the first painter to focus exclusively on the depiction of the sea and ships. Under the influence of Flemish landscape painting of the late 16th century, he developed an increasingly independent type of painting, for which art history calls him the ‘founder’ of marine painting. The publication of Margarita Russell's ‘Vision of the Sea: Hendrick C. Vroom and the Origins of Dutch Marine Painting’ in 1983 has not been followed by a monograph on Vroom.
This dissertation on the artist's life and work aims to place the works that have since been newly attributed to his oeuvre in the context of the previously recognised corpus and to subject the works to a comprehensive stylistic-critical analysis for the first time. For example, questions regarding the genesis of the pictorial types he developed will be clarified and his influence on the further development of the seascapes of the tonal phase will be scrutinised.
Hendrick Cornelisz. Vroom, Der Seehafen von Amsterdam, 1630
© Bayerische Staatsgemäldesammlungen - Alte Pinakothek München
Kontakt: Patrick Rivière M.A., Mail: riviere.poutlookde
Heike Wernz-Kaiser M.A.
Wege der Abstraktion im gewebten Bildformat. Tapisserien der ,Bauhäuslerin’ Grete Willers (1883-1977)
Der überraschende Fund des textilen Nachlasses der Malerin und Weberin Grete Willers hat eine Forschungsarbeit motiviert, die in enger Verbindung mit der Webwerkstatt des Bauhauses steht. Den Künstler:innenbiografien dieser Werkstatt kann nunmehr eine weitere hinzugefügt werden, die die Aufmerksamkeit auf die Bandbreite der künstlerischen Lösungen in Tapisserie und gewebtem Bildformat lenkt. In diesem Kontext wird deutlich, welche Bedeutung der Beschäftigung mit Gewebe am Bauhaus als einer der modernsten Kunstschulen des 20. Jahrhunderts zukommt, indem sich Gewebe als ein Strukturprinzip darstellt, dessen besondere Eigenschaften in vielfacher Hinsicht Schnittstellen zu den Vorstellungen der Gestaltung einer zukünftigen Lebenswelt des modernen Menschen besitzen, wie sie von Walter Gropius unter dem Leitbild der Architektur formuliert worden sind.
Paths of abstraction in the woven picture format. Tapestries by the 'Bauhaus artist' Grete Willers (1883-1977)
The surprising discovery of the textile estate of the painter and weaver Grete Willers has motivated a research study related to the Bauhaus weaving workshop. The study completes the existing biographies of artists and opens the view to the varied artistic solutions in tapestry and woven pictures. In this context, the importance of working with tissue at the Bauhaus as one of the most modern art schools of the 20th century becomes clear. Tissue as a structural principle proves to be a manifold interface to the contribution of art to creating the living environment of the modern person, as phrased by the guiding principle of architecture from Walter Gropius.
Grete Willers, Tapisserie (Bewegung), 1929 (Ausschnitt)
© Foto: Werner Mertens, Privatbesitz
Kontakt: Heike Wernz-Kaiser M.A., Mail: wernzkaiser@mailbox.org
Larissa Wesp M.A.
Dunkelheit in der Lichtkunst. Ästhetik und Inszenierung von Nacht und Dunkelheit als Motiv und Material
Das Forschungsprojekt widmet sich dem Motiv der Nacht in der Lichtkunst. Die Nacht und ihre Dunkelheit werden nicht als Bühne für Lichtkunstwerke betrachtet, sondern es werden Werke untersucht, in denen die Nacht als Motiv in Erscheinung tritt. Wie erzeugen Künstler und Künstlerinnen fernab darstellender Medien eine Nachtästhetik, wie wird das Nachtlicht simuliert oder inszeniert und welche Tendenzen lassen sich hierbei beobachten? Die Arbeit knüpft an Ansätze der Land Art und der Light-and-Space-Bewegung an, in denen sich eine Hinwendung zu natürlichen Lichtphänomenen, dem Tag-Nacht-Wechsel und den Gestirnen bereits abzeichnet. Von dort kommend, werden sowohl Positionen des vergangenen Jahrhunderts als auch aus jüngster Zeit untersucht. Dunkelheit wird hierbei nicht als Abwesenheit jeglichen Lichts verstanden, sondern als besondere Lichtsituation, die an eine Nachtästhetik anknüpft und sich insbesondere durch eine veränderte Raum- und Farbwahrnehmung auszeichnet.
Darkness in light art. Aesthetics and staging of night and darkness as motif and material
The research project is dedicated to the motif of night in light art. The night and its darkness will not be considered as a stage for light art works, but rather works will be examined in which the night appears as a thematic motif. How do artists create a night aesthetic far removed from representational media, how is night light simulated or staged and what tendencies can be observed here? The work ties in with the approaches of Land Art and the Light and Space movement, in which a turn towards natural light phenomena, the change of day and night and the stars can already be seen. Coming from there, positions from the past century as well as from more recent times are examined. Darkness is not understood here as the absence of all light, but as a special light situation that ties in with a night-time aesthetic and is characterized in particular by an altered perception of space and colour.
Olafur Eliasson, Life, 2021
Foto: Mark Niedermann Courtesy of the artist; neugerriemschneider, Berlin; Tanya Bonakdar Gallery, New York / Los Angeles © 2021 Olafur Eliasson
Kontakt: Larissa Wesp M.A. Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Universität Trier, Mail: wespuni-trierde




