Prof. Dr. Rita Voltmer – Laufende Projekte
Witchcraft politics (Hexenpolitik) across the sea. A new entangled history of early modern England and the Holy Roman Empire.
Gefördert von: Deutsche Forschungsgemeinschaft/Arts and Humanities Research Council
Laufzeit: 1. Februar 2026 – 31. März 2029
In Zusammenarbeit mit: Prof. Dr. Alison Rowlands, Essex University www.essex.ac.uk/people/ROWLA29503/Alison-Rowlands
Projektmitarbeiterin: Katharina Welker, M.A./ MEd
Das Projekt untersucht erstmalig den multilateralen Transfer von Wissen über Hexerei, Magie und den Teufel, ausgetauscht zwischen Regionen Englands und des Alten Reiches in der Frühen Neuzeit. Angewandt wird das neue Modell der „Hexenpolitik“, um u.a. Verfolgungsintensitäten zu vergleichen.
Das Forschungsprojekt adressiert ein Desiderat der Magie- und Hexenforschung mit einem innovativen transkulturellen und komparativen Ansatz. Bis in das späte 20. Jahrhundert war die Historiographie der englischen Hexenverfolgung durch den Mythos eines englischen Sonderwegs geprägt. Dieses Konzept stützte sich auf die insulare Geographie und Identitätskonstruktion, zu der die post-reformatorische Entwicklung Englands hin zu einem vermeintlich homogenen protestantischen Nationalstaat gehörte. Die künstliche Trennung zwischen England und Kontinentaleuropa verstellte den Blick auf ein tieferes Verständnis der Phänomene Magie, Zauberei, Hexerei und dämonische Besessenheit.
Das Projekt basiert auf zwei zentralen Thesen: 1. Die Insularität Großbritanniens und Irlands bedeutete keine Abschottung vom europäischen Festland. Vielmehr fungierten die Häfen und Küstenstreifen als Transferzonen von Personen, Gütern und Ideen. Hier fand ein kontinuierlicher Ideenaustausch über Dämonologie, Magie, Zauberei und Hexerei statt.; 2. haben Vergleiche, die auf modernen nationalstaatlichen Grenzziehungen basieren, für die Frühe Neuzeit nur begrenzte Aussagekraft. Stattdessen werden England und das Heilige Römische Reich als Räume politischer, jurisdiktioneller und konfessioneller Diversität begriffen, in denen soziale und politische Akteure auf verschiedenen regionalen und überregionalen Ebenen agierten.
Ziel des Projekts ist es, jene Wege zu identifizieren, über die Vorstellungen von Hexerei, Prozessführung und Dämonologie zwischen England und dem Reich vermittelt wurden. Dadurch soll aufgezeigt werden, wie entscheidend dieser kulturelle Austausch für die generelle Entwicklung der europäischen Dämonologie war und in welcher Weise frühneuzeitliche Akteure zur Initiierung oder zur Eindämmung von Hexenprozessen bewegt wurden. Auf Basis des neuen Analysemodells der ‚Hexenpolitik‘ wird somit die erste systematische komparative Untersuchung der Prozesspraxis sowie der zugrunde liegenden Imaginationen in beiden Herrschaftsgebieten durchgeführt, um deren strukturelle Analogien und Divergenzen herauszuarbeiten.“
