Individuum & Gesellschaft

Individuelle Freiheit und soziale Norm – Nachhaltigkeits- und Verantwortungsdiskurse zu Umwelt und Bildung seit 1990

Die Agenda 2030 formuliert 17 Ziele einer globalen Nachhaltigkeitspolitik („Sustainability Development Goals“/SDGs), die deshalb eine politische Trendwende bedeuten, weil sie erstmals Entwicklungs- und Umwelt- undBildungsziele zusammenführen. Sie definieren von politischer Seite soziale Normen, die sich auf die individuelle Freiheit des Einzelnen auswirken und verantwortungsvolles Handeln von allen fordern. Die Ausgangshypothese des Teilprojekts, in dessen Mittelpunkt Umwelt- und Bildungsdiskurs stehen, ist daher, dass diese beiden Diskurse als Diskurse um Zukunftsverantwortung in besonderer Weise durch die diskurssemantische Grundfigur eines Spannungsverhältnisses zwischen ‚individueller Freiheit‘ und ‚gesellschaftlicher Norm‘ geprägt sind – bzw. nicht ohne sie denkbar sind: Umwelt und Bildung betreffen jeden einzelnen Menschen täglich und sollen zugleich nachhaltig – u.a. durch verantwortungsvolles Konsumhandeln – für eine nicht unmittelbar beobachtbare Zukunft gestaltet werden. Aus Sicht des Individuums sind dabei Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit (zumindest „gefühlt“) eingeschränkt, während von Seiten der Gesellschaft gerade diese Einschränkung als individueller Beitrag zum sozialen Gefüge verstanden wird. 

Zum inhaltlichen Ziel der Forschungsgruppe, eine narrative Diskursgeschichte Deutschlands seit 1990 zu schreiben, trägt das vorliegende Teilprojekt dadurch bei, dass Umwelt- und Bildungsdiskurs gleichermaßen als – zum Teil sogar wechselseitig aufeinander bezogene – Stränge des Nachhaltigkeitsdiskurses zwischen der Agenda 21 und der Agenda 2030 verstanden und im Rahmen zweier Förderphasen analysiert und rekonstruiert werden (1. Phase: Fokus Umweltdiskurs, 2. Phase: Fokus Bildungsdiskurs). Relevante Diskursereignisse sind im Fall des deutschen Umweltdiskurses z.B. politische Ereignisse, Beschlüsse und Gesetze, Umweltskandale, zivilgesellschaftliche Proteste und/ oder (potenziell anthropogene) Umweltkatastrophen. 

Projektleitung Phase 1: Prof. Dr. Nina Janich, Technische Universität Darmstadt
Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Patrick Johnson (johnsonzsb.tu-darmstadtde, ab 01.07.2022 patrick.johnsontu-darmstadtde)

Projektleitung Phase 2: Prof. Dr. Jörg Kilian, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel