Mensch & Technologie

Diskurse um Biotechnologie, Biomedizin und Bioethik sowie um Digitalisierung

Die Technisierung der Lebenswelt ist seit 1990 in verschiedenen Schüben und Phasen in einer großen Bandbreite an zumeist kontrovers geführten Debatten thematisiert worden. Durchgängig bildet das Verhältnis des Menschen zur Technologie eines der zentralen Themen des öffentlichen Diskurses. Insbesondere deutlich wird dies im Bereich bio- und medizinethischer Diskurse (Förderphase 1), aber auch in Diskursen um Digitalisierung (Förderphase 2). In beiden Bereichen wird im Rahmen gesellschaftlicher und politischer Debatten der Einfluss technologischer Entwicklungen auf den Menschen verhandelt. Diese Verhandlungen haben letztlich Auswirkungen auf das zugrundeliegende Menschenbild, was sich in den Diskursen sprachlich manifestiert.

Das Teilprojekt verfolgt drei große Ziele: Zum einen soll eine linguistische Diskursgeschichte des Verhältnisses von Mensch und Technologie im Hinblick auf die genannten Diskurse seit 1990 vorgelegt werden; es werden die sprachlichen Konstruktionen der Technisierung der Lebenswelt im Hinblick auf biomedizinische Technologien und deren ethische Implikationen in den Fokus gestellt. Das zweite Ziel des Projekts besteht darin, einen Beitrag zur Entwicklung kollaborativer korpuslinguistischer Methoden im Gesamtprojekt zu leisten, wobei die Analyse der lexikalischen, argumentativen sowie der Ebene der Sprechhandlungen in die Analyse der diskursiven Ebene mündet.

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Bildquelle: Михайлов Тимофей, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Die Grundlage bildet ein Textkorpus aus verschiedenen Textsorten zentraler, meinungsbildender Medien einerseits und aus Stellungnahmen relevanter Verbände (Ethikrat, Ethikkommissionen etc.) und politischer Parteien, Berichten über Kommissionsarbeiten politischer Parteien, Transkriptionen von Talkshows, Texten des Deutsches Ärzteblatts, Stellungnahmen relevanter Referenzzentren (DRZE), Dossiers der Bundeszentrale für politische Bildung und spezifischen Ausgaben der Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschichte zu biomedizinischen und bioethischen Diskursen andererseits. Insbesondere werden Diskurse um Reproduktionstechnologien und den Umgang mit Embryonen, um Präimplantationsdiagnostik, vorgeburtliche genetische Bluttests, Keimbahneingriffe/ Keimbahntherapien, Schwangerschaftsabbruch, Stammzellenforschung, Sterbehilfe und Palliativmedizin sowie Transplantationsmedizin und Organspende in den Blick genommen. Im Hinblick auf die interpretativen Analysekategorien wird kollaborativ im Austausch mit den anderen Teilprojekten ein Tagset erarbeitet, das dann auf das gesamte Textkorpus angewendet wird.

Zum dritten umfasst das Projekt auch ein drittes, aufklärerischen Ziel. Dieses besteht darin, durch korpuslinguistische Analyse sprachliche Strukturen und Mechanismen der Diskursivierung und des Bedeutungswandels in biomedizinischen und -ethischen Diskursen (Förderphase 1) und in Diskursen über Digitalisierung (Förderphase 2) im Hinblick auf das Verhältnis von Mensch und Technologie offenzulegen und so nachvollziehbar zu machen.

Projektleitung Phase 1: Prof. Dr. Constanze Spieß, Philipps-Universität Marburg
Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Lesley-Ann Kern (kern.lesleyanngmailcom)

Projektleitung Phase 2: Prof. Dr. Marcus Müller, TU Darmstadt