Laufende (aktuelle) Projekte

Porträt Hermann Bunjes

Zwischen Kunstschutz und Kunstraub: Der Trierer Kunsthistoriker und NS-Funktionär Hermann Bunjes (1911–1945) vor Gericht
(Stephan Laux / Carsten Fischer)

Im Kontext des nationalsozialistischen Kunstraubs und der alliierten Restitutionspolitik nach 1945 versuchten sich kunsthistorische Experten als zentrale Akteure an der Schnittstelle von Wissenschaft, Verwaltung und Politik zu profilieren. Einer von ihnen war der im Trierer Umfeld wirkende Kunsthistoriker und NS-Funktionär Hermann Bunjes (1911–1945), der während der deutschen Besatzung Frankreichs maßgeblich in die systematische Erfassung, Verlagerung und Aneignung europäischer Kulturgüter eingebunden war. Bunjes’ Tätigkeit steht exemplarisch für die Ambivalenz der Besatzungspolitik, die unter dem Vorwand eines staatlich organisierten „Kunstschutzes“ bei demonstrativer Wahrung wissenschaftlicher Standards agierte, dabei jedoch unzweifelhaft eine systematische Enteignung und organisierten Kunstraub betrieb. Zugleich verweist der ‚Fall Bunjes‘ auf die tiefgreifenden juristischen und administrativen Umbrüche der unmittelbaren Nachkriegszeit, in der sich Fragen von Schuld, Verantwortung und Restitution unter wechselnden Besatzungsregimen neu stellten. [mehr]

Logo der Forschungsgruppe (© AMIGJ, Trier)

Forschungsgruppe „Aschkenas in neuen Lebenswelten“ (Stephan Laux – Sprecher)

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert auf Beschluss vom 12. Dezember 2024 die in Trier angesiedelte Forschungsgruppe (FOR) 5663 „Aschkenas in neuen Lebenswelten. Akteure, Praktiken und Räume in der jüdischen Geschichte Mitteleuropas während des 15. und 16. Jahrhunderts“ (Sprecher: Professor Dr. Stephan Laux, Universität Trier) mit rund 2,5 Millionen Euro. Das Projekt setzt mit der Tatsache an, dass die Jüdinnen und Juden Mitteleuropas, die sogenannten Aschkenasim, ab etwa 1390 über rund 200 Jahre hinweg massiven Vertreibungen ausgesetzt waren. Diese Epoche beleuchten nun insgesamt sechs Teilprojekte aus den Geschichtswissenschaften, der Judaistik und den Digital Humanities für zunächst vier Jahre. Beteiligt sind die Universitäten Trier und Münster sowie das Ludwig Steinheim-Institut Essen. Eine weitere Förderphase ist geplant. [mehr]

Porte des Juifs“ („Judentor“) in Straßburg um 1870 (© wiki commons)

„Extra muros, intra muros“ (Stephan Laux)

Im Rahmen der Forschungsgruppe „Aschkenas in neuen Lebenswelten“ (siehe dort) ist ein Teilprojekt (Nr. 3) der Frage gewidmet, unter welchen normativen und realen Bedingungen Jüdinnen und Juden nach den spätmittelalterlichen Vertreibungen Zugang zu den Reichs- und Autonomiestädten im Alten Reich gewährt wurde. Der Arbeitstitel lautet „Extra muros, intra muros: Zugangsregulierungen gegenüber Juden in den Reichs- und Autonomiestädten der Frühen Neuzeit zwischen Norm und Praxis“. Das Projekt wird zwar notwendigerweise eine Auswahl von Städten treffen und unterschiedliche Grade der empirischen Vertiefung ansetzen müssen. Gleichwohl nimmt es sich erstmals eine systematische Analyse der Thematik vor. [mehr]

Kölner Eigelsteintor

Mauerfall und Moderne: Die Niederlegung von Stadtbefestigungen im 19. Jahrhundert (Stephan Laux)

Im 19. Jahrhundert, insbesondere in dessen zweiter Hälfte, wurden in einer Vielzahl deutscher Städte die Befestigungen abgetragen, in erster Linie die Stadtmauern und -tore. Hierin ist eine signifikante, vielleicht die signifikanteste „Formveränderung“ (W. Conze) in der Geschichte Stadtentwicklung zu sehen: Sie prägte sich in konkret in städtebaulicher, infrastruktureller, rechtlicher und nicht zuletzt auch sozialer Hinsicht aus. Die offenkundig kontroverse Wahrnehmung dieser massiven Veränderungen charakterisiert ein Stückweit das Zukunfts- wie Vergangenheitsverständnis der Akteure wie auch der kommunalen Öffentlichkeiten. [mehr]