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Abb. 1. Die Studierenden und Lehrkräfte im Archäologiepark Belginum (Foto: N. Haßlinger, APB)
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Abb. 2. Studierende beim Einmessen der Funde mittels Tachymeter (Foto: W.-R. Teegen, LMU)
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Abb. 3. Studierende beim Waschen der Funde in der Universität (Foto: R. Cordie)
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Abb. 4. Mythologische Darstellung auf einer Terra Sigillata-Reliefschüssel (Foto: W.-R. Teegen, LMU)
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Abb. 5. Die Studierenden bei der Präsentation ihrer Ergebnisse in der Universität Trier (Foto: W.-R. Teegen, LMU)

Feldbegehungs- und Vermessungspraktikum
vom 27. September - 1. Oktober 2021

Römischer Vicus Belginum größer als bislang angenommen - Ergebnis des Feldbegehungs- und Vermessungspraktikums in den Geowissenschaften

Der antike Vicus von Belginum, Gemeinde Morbach, Kreis Bernkastel-Wittlich ist wieder verstärkt in den Focus archäologischer Forschungen und Prospektionen gerückt. In diesem Jahr konnten die Prospektionsarbeiten weitergeführt werden:

Dr. Johannes Stoffels, Dr. Rebecca Retzlaff, Umweltfernerkundung und Geoinformatik, Dr. Rosemarie Cordie, Klassische Archäologie/Geoarchäologie, alle Universität Trier und Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Teegen, Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie und Provinzialrömische Archäologie der Ludwig Maximilians-Universität München (LMU) betreuten in einer gemeinsamen Lehrveranstaltung Studierende aus Trier und Frankfurt (Abb. 1). Die Feldbegehung konzentrierte sich auf eine Fläche von 100 x 30 m südlich der heutigen Hunsrückhöhenstraße, ca. 100 m westlich vom Stumpfen Turm.

Bei der diesjährigen Begehung wurden mehr als 1.500 Fundpunkte von den Studierenden eingemessen (Abb. 2). Diese umfassten insgesamt 3.428 Funde. Diese wurden gewaschen (Abb. 3), grob klassifiziert und anschließend in einer Exceltabelle erfasst; relevante Stücke wurden fotografiert.

Nach einer ersten Auswertung handelt es sich zu 45% um Schieferfragmente und zu 15% um sonstige Steine, im Wesentlichen Quarzite. 21% sind Ziegel, 17% Keramik und 2% Glas. Außerdem sind drei Eisenobjekte vorhanden. Bemerkenswert ist der relativ hohe Anteil von Keramik. Erwartungsgemäß ist es vorwiegend römische Keramik. Aber auch ein spätmittelalterlich-frühneuzeitlicher Fundniederschlag ist zu sehen. Unter den römischen Funden trat erstmals bei unseren Begehungen frührömische (1. Jh. n. Chr.) “belgische Ware” auf. Auffällig ist auch ein bemerkenswert hoher Anteil von Terra Sigillata, dem antiken Glanztongeschirr. Als Beispiel sei eine mythologische Darstellung auf einer Reliefschüssel abgebildet (Abb. 4).

In einem weiteren Arbeitsschritt wurden die Koordinaten und Funddaten in das Geographische Informationssystem ArcGIS Pro übertragen. Dort waren schon vorher Karten, archäologische Pläne und digitale Höhenmodelle miteinander vernetzt worden. Die Studierenden lernten mit Hilfe der Expertensoftware das Zusammenführen und Anpassen von Positions- und Attributdaten aus unterschiedlichen Quellen, das Berechnen von Verteilungskarten über die einzelnen Objektklassen sowie das Visualisieren der finalen Ergebnisse.
Zum Abschluss der Übung stellten die Studierenden gemeinsam mit dem Tool Esri Storymaps ihre ersten Ergebnisse vor (Abb. 5).

Die Kartierung der Funde ergab, dass sich der Vicus etwa 100 m ostwärts über die bisher bekannte Bebauung erstreckt. Inwieweit es sich hier um Reste der Wohnbebauung handelt oder aber um den vierten Tempelbezirk müssen weitere Forschungen klären.

Wie meist bei solchen Projekten ist eine Vielzahl an Institutionen und Personen beteiligt. Wir danken für Genehmigungen und organisatorische Hilfe: der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises Bernkastel-Wittlich, der Fachbehörde Direktion Landesarchäologie - Außenstelle Trier der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, dem Archäologiepark Belginum und der Gemeinde Morbach und den Geschwistern Schell aus Hinzerath, die dankenswerterweise ihren Acker für die Begehung zur Verfügung stellten.
Die erzielten Ergebnisse sollen 2022 u.a. in einer Ausstellung im Archäologiepark Belginum präsentiert werden.