Arye Maimon-Institut - Aktuelle Mitteilungen und Veranstaltungen

Alfred Haverkamp (1937–2021)

Das Arye Maimon-Institut für Geschichte der Juden trauert um

Prof. Dr. phil. Dr. h.c. (HUJI)

Alfred Haverkamp ז"ל

* 16. 5. 1937, Holdorf – † 16. 5. 2021, Trier

Alfred Haverkamp war seit der Gründung der Universität Trier Professor für mittelalterliche Geschichte. In dieser Funktion hat er in Lehre und Forschung sowie in der akademischen Selbstverwaltung tatkräftig zum Aufbau der jungen Universität und des Faches beigetragen. Mehr als 50 Doktorandinnen und Doktoranden wurden von ihm betreut. Das von ihm 1996 begründete Arye Maimon-Institut genießt internationalen Ruf.

Seit den 1970er Jahren hat Professor Haverkamp zielstrebig einen Forschungsschwerpunkt zur jüdi­schen Geschichte in Deutschland und Europa entwickelt. Dabei sah er sich stets als Wissenschaftler in gesellschaftlicher Verantwortung. Klar erkannte er, dass das Unwissen über die jüdische Geschichte und ihre systematische Vernachlässigung in der deutsch-nationalen Geschichtsschreibung zur Katastrophe der Shoah beigetragen haben. Angesichts der Zerschlagung der deutschsprachigen Wissenschaft des Judentums durch die Nationalsozialisten bemühte er sich deshalb um den Dialog mit jüdischen Gelehrten deutscher Herkunft in Israel, unter denen der ehemals Breslauer Historiker Dr. Arye Maimon (Herbert Fischer, 1903–1988) eine Schlüsselrolle einnahm. Auf der Basis dieses partnerschaftlichen und erfolgreichen Dialogs konnte 1996 an der Universität Trier das Arye Maimon-Institut ins Leben gerufen werden.

Der Präsident der Universität Trier, Prof. Dr. Michael Jäckel, erinnert an die Anfänge seines Wirkens in Trier: „Dr. Harnisch, der damalige Oberbürgermeister der Stadt Trier, begrüßte im Jahr 1970 die neuen Lehrenden und Studierenden. Seine Willkommensgrüße galten auch Prof. Dr. Alfred Haverkamp, der von Beginn an das Bild der mittelalterlichen Geschichte an der wiedergegründeten Universität prägte. Sein Gesicht gehörte zu unserem Campus, noch einen Tag vor seinem plötzlichen Tod hat er am Arye Maimon-Institut gearbeitet, ein Institut, das in besonderer Weise seine Handschrift trägt. Die Universität wird ihn stets in guter Erinnerung behalten.“

Zum plötzlichen Tod von Alfred Haverkamp schreibt uns sein Freund Prof. Dr. Israel J. Yuval aus Jeru­salem: „Der Talmud sagt (Sotah 13b): Gott vollendet die Jahre der Gerechten von Tag zu Tag und vom Monat zu Monat. Moses wurde am 7. Adar geboren und starb am 7. Adar. David wurde an Shavuot geboren und starb an Shavuot. Professor Alfred Haverkamp ist am 16. Mai 1937 geboren und starb am Abend des 16. Mai 2021, am Beginn von Shavuot. Er war in der Tat einer der Gerechten unserer Generation. Vom Tag seiner Geburt am Pfingstsonntag bis zum Tag seines Todes an Shavuot hat er Christen und Juden verbunden. Das war die Berufung seines Lebens, die er bis zu seinem letzten Tag erfüllt hat.“

Die Angehörigen des Instituts sind über den plötzlichen Tod von Alfred Haver­kamp tief erschüttert und fühlen sich in diesen Tagen mit seiner Familie verbunden, besonders mit Frau Ida Haverkamp und Prof. Dr. Eva Haverkamp-Rott.

 

UNESCO-Welterbeantrag "SchUM" online

Am 13. Januar 2020 hat die Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz den Antrag auf Eintragung der "SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz" in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes feierlich unterzeichnet. An dem Antragsverfahren ist das Arye Maimon-Institut mit dem Projekt "Erinnerungsort SchUM" seit 2015 beteiligt.

Seit 17. Juli 2020 kann das Nominierungsdossier unter

https://gdke.rlp.de/de/ueber-uns/projekte/unesco-welterbestaetten/schum/unesco-welterbeantrag-schum-staetten-speyer-worms-und-mainz/ eingesehen werden.

 

Video vom Arye Maimon-Vortrag mit Prof. Dr. Hans-Martin Kirn (Groningen) online

Der Arye Maimon-Vortrag 2017 von Prof. Dr. Hans-Martin Kirn (Protestantse Theologische Universiteit Amsterdam-Groningen) über

Bilder von Juden und Judentum in der Reformationszeit

ist nun als Video für jeden über den YouTube-Kanal der Uni Trier abrufbar.

Wenn Sie also die Ausführungen, die sich bestens ins Reformationsgedenkjahr einfügten, verpasst haben sollten, können Sie nun den gesamten Vortrag online verfolgen. Seien Sie gespannt auf Wurzeln und Folgen der theologischen und politischen Beschäftigung von Christen mit dem Judentum im konfessionellen Zeitalter.

 

 

Neu: Haverkamp auf Japanisch

ISBN 978-4760149407

Soeben erschien im Verlag Kashiwa Shobo in Tokyo ein Sammelband mit sieben ausgewählten Aufsätzen von Alfred Haverkamp:

Alfred Haverkamp, Chūsei kyōdōtai-ron yōroppa shakai no toshi kyōdōtai yudayahito [Städte – Gemeinschaften – Juden: Beiträge zur Sozialgeschichte im europäischen Mittelalter. Ausgewählte Aufsätze], ins Japanische übers. und hg. v. Yuko Egawa, Yutaka Kitajima und Toshio Ohnuki, Tokyo 2018.

Inhalt:

  1. Die »frühbürgerliche« Welt im hohen und späteren Mittelalter. Landesgeschichte und Geschichte der städtischen Gesellschaft (1975)
  2. ‘Heilige Städte’ im hohen Mittelalter (1987)
  3. Leben in Gemeinschaften: alte und neue Formen im 12. Jahrhundert (1995)
  4. »... an die große Glocke hängen«. Über Öffentlichkeit im Mittelalter (1996)
  5. Bruderschaften und Gemeinden im 12. und 13. Jahrhundert (2006)
  6. »Concivililtas« zwischen Christen und Juden im Mittelalter (1996)
  7. Beziehungen zwischen Bischöfen und Juden im ottonisch-salischen Königreich bis 1090 (2013)

Die Publikation ist dem großen Einsatz der drei ehemaligen Doktoranden von Professor Haverkamp zu verdanken.

 

Arye Maimon-Vortrag 2018

Am Montag, 11. Juni, findet der diesjährige öffentliche Arye Maimon-Vortrag statt. Es spricht Frau Prof. Dr. Judith Olszowy-Schlanger (EPHE Paris) über das Thema

»Hebrew Charters of the Middle Ages: New Discoveries from England«

Über die geschäftlichen und gemeindlichen Angelegenheiten von Juden im mittelalterlichen Europa sind zahlreiche Urkunden be­wahrt geblieben. Nur sehr wenige davon sind auf Hebräisch er­halten, denn jüdische Archive haben die Zeiten meist nicht über­dauert. Jedes Stück ist daher von besonderem Wert.

In ihrem Vortrag widmet sich Judith Olszowy-Schlanger den Urkunden aus England, wo die Geschichte der Juden vor der Vertreibung von 1290 besonders gut dokumentiert ist. Über 250 hebräische Urkunden sind hier erhalten. Neben dem Material, das sie selbst 2015 in einer monumentalen Edition vorgelegt hat, stellt sie auch spannende Neuentdeckungen vor. Sie geht dabei der Frage nach, was uns die jeweiligen Inhalte, aber auch die Handschrift und Gestaltung der Urkunden über die Beziehungen zwischen Juden und Christen im Mittelalter verraten.

Judith Olszowy-Schlanger ist Professorin für hebräische und judäo-arabische Handschriftenkunde an der École Pratique des Hautes Études (EPHE) in Paris. Im März 2018 wurde sie zur Leiterin des Oxford Centre for Hebrew and Jewish Studies gewählt, ein Amt, das sie ab September 2018 übernehmen wird.

Frau Professorin Olszowy-Schlanger war von 2010 bis 2014 Vorsit­zende der Europäischen Vereinigung für Jüdische Studien (EAJS). Im Juli 2015 wurde sie zum Fellow of the British Academy ernannt. Sie ist u. a. Mitherausgeberin des Projekts »Books within books«, das sich der systematischen Erfassung hebräischer Einbandfragmente in europäischen Archiven und Bibliotheken widmet. In ihren zahl­reichen Publikationen seit 1998 erschließt sie hebräische und judäo-arabische Handschriften und Urkunden des Mittelalters vom medi­terranen Raum bis nach England.

Ort und Zeit: P-Gebäude, Raum P 3, 18 Uhr

 

Neu: Die Juden in Frankfurt am Main und in der Wetterau im Mittelalter

Jetzt erschienen:

David Schnur, Die Juden in Frankfurt am Main und in der Wetterau im Mittelalter. Christlich-jüdische Beziehungen, Gemeinden, Recht und Wirtschaft von den Anfängen bis um 1400, Wiesbaden 2017 (Schriften der Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen 30)

816 S., 1 CD-ROM - ISBN 978-3-921434-35-2

 

»Forschungen zur Geschichte der Juden« online

Die ersten Bände der Reihe »Forschungen zur Geschichte der Juden«, die die GEGJ gemeinsam mit dem Arye Maimon-Institut für Geschichte der Juden der Universität Trier herausgibt, sind nun online verfügbar. Nach und nach werden alle Bände, die im Verlag Hahnsche Buchhandlung erschienen sind, auf dem OPUS-Server der Universitätsbibliothek Trier bereitgestellt. Die Bände, die seit 2016 im Verlag Harrassowitz erscheinen, können nach einer Karenzzeit von zwei Jahren ebenfalls open access gestellt werden.