Salome Richter, B.A.
Profil
Salome Richter schloss 2017 ihr Bachelorstudium der Politik- und Medienwissenschaft an der Universität Trier ab. Seitdem studiert sie Politikwissenschaft und Philosophie im Master. Von 2017 bis 2019 war sie wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Politische Theorie und Ideengeschichte der Universität Trier. Gegenwärtig ist sie wissenschaftliche Hilfskraft im DFG-Projekt „Gestapo: NS-Terror vor Ort. Die Staatspolizeistelle in der südlichen Rheinprovinz“. Von Januar 2024 bis Juli 2025 war sie wissenschaftliche Mitarbeiter in der IIA, gegenwärtig ist sie wissenschaftliche Hilfskraft der IIA. Von 2022 bis 07/2025 übernahm sie zusammen mit Lennard Schmidt die kollegiale Leitung der IIA.
Forschungsprojekte
„Ruhiges Hinterland“? Extrem rechte Akteure und Mobilisierungsstrategien in Rheinland-Pfalz
| in Kooperation mit | Rosa-Luxemburg-Stiftung Rheinland-Pfalz |
| Laufzeit | 01-06/2026 |
Seit Jahren wird in Deutschland über einen Rechtsruck gesprochen, doch dieser erscheint vielen in Rheinland-Pfalz immer noch als etwas, das vor allem in Ostdeutschland stattfindet. Diese externalisierende Erzählung ignoriert, dass die aktuellen Zahlen ein anderes Bild zeichnen: In RLP sind die rechtsmotivierten Straftaten 2024 im Vergleich zum Vorjahr merklich angestiegen – um fast 20 Prozent. Neben diesen amtlichen Daten gibt es weitere Hinweise auf Verschiebungen im rechten Spektrum, ohne dass daraus bislang ein konsistentes Gesamtbild entsteht. Eine systematische, vergleichende Analyse der rechten Akteurslandschaft, ihrer Strukturen, ideologischen Bezugspunkte sowie ihrer Rekrutierungs- und Mobilisierungsprozesse fehlt für Rheinland-Pfalz weiterhin, obwohl sie dringend notwendig wäre. Gerade eine gesellschaftskritische Analyse muss gezielt Ansatzpunkte für politische und gesellschaftliche Interventionen identifizieren, statt Entwicklungen lediglich zu dokumentieren. Hier setzt das beantragte Projekt an: In einem Dreischritt sollen Akteure, Ideologien und Mobilisierungsformen in den Blick genommen werden. Ausgangspunkt ist dabei die Analyse der Akteurslandschaft: Wer sind die relevanten Akteur:innen? Wie organisieren sie sich und wie sind sie intern strukturiert? Wie vernetzen sie sich miteinander? Wie verhalten sich Alte und Neue Rechte in taktischer Hinsicht zueinander? In welchen Beziehungen stehen innerparlamentarische und außerparlamentarische Parteien wie die AfD und Der III. Weg zum Vorfeld und wie verhalten sich die Parteien zueinander? Wie sind die Übergänge zwischen subkulturellen, parteipolitischen und aktivistischen Milieus zu begreifen – also jene Schnittstellen, an denen sich rechte Politik von der organisierten Szene in Alltagsmilieus und digitale Öffentlichkeiten hinein verlängert? Ein zweiter Schwerpunkt gilt der ideologischen Ausrichtung. Welche Feindbilder und Narrative dominieren? Wie artikulieren sich rassistische und antisemitische Narrative, insbesondere nach dem 7. Oktober 2023? Welche Rolle spielen Verschwörungsdenken, Gewaltverherrlichung und Männlichkeits- bzw. Körperpolitiken? Welche Bedeutung haben antiwestliche oder antiimperialistische Deutungsmuster, die rechte, islamistische und antiamerikanische Diskurse überlappen lassen? Darüber hinaus werden Mobilisierungsstrategien und Formen der Verankerung untersucht. Wie hat sich die Nutzung der sozialen Medien verändert? Welche Zielgruppen werden besonders angesprochen? Wo entstehen physische Vernetzungsorte (z. B. Immobilien, Treffpunkte, Vereinsräume) und welche symbolischen Räume werden online oder durch regionale Narrative geschaffen? Warum konzentrieren sich Aktivitäten in bestimmten Regionen wie der Pfalz oder dem Westerwald? Abschließend – sofern es der Projektverlauf erlaubt – wird ein Blick auf Reaktionen von Politik und Zivilgesellschaft geworfen, um Handlungsspielräume zwischen Prävention, Strafverfolgung und gesellschaftlicher Aufklärung zu skizzieren. Ziel ist eine differenzierte Analyse der rechten Akteurslandschaft in Rheinland-Pfalz, die empirisch fundierte Erkenntnisse für Forschung und Praxis bereitstellt. | |
Von Wounded Knee nach Gaza? Antizionismus und Palästinasolidarität in nordamerikanischen indigenen Gemeinschaften
| Förderung | Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit Rheinland-Pfalz und Landtag Rheinland-Pfalz (01/2024 - 03/2025) |
Das Forschungsprojekt untersucht die Rolle des Antizionismus in postkolonialen Diskursen am Beispiel der Palästinasolidarität der Indigenen Nordamerikas. Insbesondere wird analysiert, wie diese indigenen Gemeinschaften sowohl in der Fremdzuschreibung als auch in der Eigenwahrnehmung mit der palästinensischen Nationalbewegung parallelisiert werden. Dieses Narrativ – nach dem 7. Oktober 2023 verstärkt – stellt Israel als kolonialen Aggressor dar und sieht den Staat in die Tradition des europäischen Siedlerkolonialismus ein. Zentrale Untersuchungspunkte sind vier Kernannahmen im Diskurs um die Vergleichbarkeit der Indigenen Nordamerikas mit den Palästinensern: Erstens, dass beide Opfer einer europäischen Siedlerkolonialmacht seien, die sie entrechtet und sie ihres Landes beraubt habe; zweitens, dass ihre Vertreibung ein anhaltendes Kolonialprojekt sei; drittens, dass ihr Widerstand jederzeit und notwendig legitim sei; viertens, dass die Solidarität untereinander unabdingbar sei. Das Projekt analysiert zudem, wie diese postkolonialen Konzepte nicht primär analytisch, sondern politisch genutzt werden, indem sie Zionismus mit kolonialer Unterdrückung gleichsetzen und jüdische Selbstbestimmung delegitimieren. Diese Rahmung verwischt historische und geopolitische Unterschiede und setzt koloniale Kategorien selektiv ein – jede Handlung wird als Widerstand gedeutet, doch die Gewalt der Hamas bleibt meist ausgeblendet.
| Publikationen und Vorträge im Rahmen des Projekts |
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Publikationen und Fachvorträge
Herausgeberschaften
- Seul, Marc / Schmidt, Lennard / Thurau, Franziska / Zarbock, Luca / Borsch, Andreas / Richter, Salome (Hrsg.) (2026 i.V.): Politische Parteien und Antisemitismus. Positionierungen, Analysen, Kritik (= Trierer Beiträge zur interdisziplinären Antisemitismusforschung, Bd. 3). Opladen, Berlin, Toronto: Verlag Barbara Budrich.
- Zarbock, Luca / Richter, Salome / Seul, Marc / Thurau, Franziska / Borsch, Andreas / Gärtner, Luisa / Schmidt, Lennard / Seiler, Dorothea (Hrsg.) (2024): Antisemitismus zwischen Latenz und Leidenschaft. Kommunikations- und Äußerungsformen des Judenhasses im Wandel (= Trierer Beiträge zur interdisziplinären Antisemitismusforschung, Bd. 2). Opladen, Berlin, Toronto: Barbara Budrich. DOI: doi.org/10.3224/84743080. [PDF]
- Richter, Salome / Seiler, Dorothea / Seul, Marc / Zarbock, Luca / Borsch, Andreas / Gärtner, Luisa / Schmidt, Lennard (Hrsg.) (2023): Antisemitismus in der postnazistischen Migrationsgesellschaft. Eine interdisziplinäre Bestandsaufnahme (= Trierer Beiträge zur interdisziplinären Antisemitismusforschung, Bd. 1). Opladen, Berlin, Toronto: Barbara Budrich. DOI: doi.org/10.3224/84743021. [PDF]
- Schmidt, Lennard / Borsch, Andreas / Richter, Salome / Seul, Marc / Zarbock, Luca / Heudtlaß, Niels (Hrsg.): Antisemitismus zwischen Kontinuität und Adaptivität. Interdisziplinäre Perspektiven auf Geschichte, Aktualität und Prävention. Göttingen: V&R unipress. DOI: doi.org/10.14220/9783737014984.11.
Aufsätze
- Seul, Marc/Zarbock, Luca/Richter, Salome/Thurau, Franziska/Krewer, Gina (2024): Probleme, Perspektiven und Aufgaben antisemitismuskritischer Forschung im Angesicht des 7. Oktober. In: Zarbock, Luca/Richter, Salome/Seul, Marc/Thurau, Franziska/Borsch, Andreas/Gärtner, Luisa/Schmidt, Lennard/Seiler, Dorothea (Hrsg.): Antisemitismus zwischen Latenz und Leidenschaft. Kommunikations- und Äußerungsformen des Judenhasses im Wandel (= Trierer Beiträge zur interdisziplinären Antisemitismusforschung, Bd. 2). Opladen, Berlin, Toronto: Barbara Budrich, S. 9–32.
- Zarbock, Luca/Richter, Salome/Seul, Marc/Seiler, Dorothea (2023): Einleitung: Die Migrationsgesellschaft als ‚jüdische Dystopie‘ – Die Neue Rechte zwischen Migrationsfeindschaft, Islam-Bewunderung und Antisemitismus. In: Richter, Salome/Seiler, Dorothea/Seul, Marc/Zarbock, Luca/Borsch, Andreas/Gärtner, Luisa/Schmidt, Lennard (Hrsg.): Antisemitismus in der postnazistischen Migrationsgesellschaft. Eine interdisziplinäre Bestandsaufnahme (= Trierer Beiträge zur interdisziplinären Antisemitismusforschung, Bd. 1). Opladen, Berlin, Toronto: Barbara Budrich, 9–20.
Miszellen
- Schmidt, Lennard/Seul, Marc/Richter, Salome (2025): Die Erforschung von Antisemitismus braucht Haltung und Strukturen. In: Jüdische Allgemeine, 2. Juli 2025. URL: https://www.juedische-allgemeine.de/meinung/die-erforschung-von-antisemitismus-braucht-haltung-und-strukturen/.
Vorträge auf Tagungen und Konferenzen
- "Shared Struggles? Native American Solidarity with Palestine and the Politics of Comparison" | Tagung "Contemporary Antisemitism Haifa 2026" des London Centre for the Study of Contemporary Antisemitism und des Comper Center for the Study of Antisemitism and Racism der University of Haifa | University of Haifa, Israel | 15.-17.03.2026
Wissenstransfer
Public Outreach
- "Ein blinder Fleck der Forschung" | O-Ton zu Antisemitismus als Forschungslücke in der Jüdischen Allgemeinen | 28.07.2023
- "Die Erforschung von Antisemitismus braucht Haltung und Strukturen" | Meinungsbeitrag in der Jüdischen Allgemeinen | 02.07.2025 (zus. m. Lennard Schmidt und Marc Seul)
Vita
Mitgliedschaften und Funktionen
- Arbeitskreis Erinnerung der Großregion
- Ehrenamtliche Archivpflegerin im Landesarchiv Speyer