Simone Felgenhauer, Magister Japanologie (1.HF)/Geographie (2. HF) (1996)

1. Welchen Job habe ich

Seit 1998 arbeite ich für eine Schweizer Bank in Luxemburg – heute als Projekt Managerin. Die ersten 1,5 Jahre Back-Office Tätigkeiten wie Geschäftsdatenerfassung und Abklärung im Settlement. Darauf folgte ein knappes Jahr Erfahrung im Middle-Office Bereich zwischen Front (Kundenberater) und Back-Office, die folgenden 9 Jahre in der IT Abteilung der Bank. Aus diesem IT Job heraus entwickelte sich durch interne Umstrukturierung die Chance, in eine neu gegründete „Unit“ für Projekt Management umzusteigen. Seitdem arbeite ich als Projekt Managerin in der Bank und bin nach 18 Jahren mittlerweile im Rang „Director“ und handhabe große, globale Projekte (Vorteil einer globalen Bank) mit z.T. Mio Budget Verantwortung.

2. Wie habe ich diesen Job bekommen

Meinen Magisterabschluss habe ich 1996 gemacht und wollte eigentlich promovieren. Ich hatte weder einen Plan noch Netzwerk bezgl. was machen mit Japanologie/Geographie Magister – aber den Wunsch evtl. in den Bereichen Bibliothek, Museum, Medien unterzukommen. Meine Ausflüge in die Arbeits-/Bewerbungslandschaft in Deutschland waren jedoch sehr ernüchternd. Ich bin dann stattdessen zu einem Interim Job Vermittler gegangen und habe meinen CV dort gelassen – erst mal ging es mir ums Geldverdienen und nicht um einen japanologischen Wunsch-Job. Mit diversen Fremdsprachenkenntnissen, Kenntnissen in MS Office Paketen und einer offenen und flexiblen Einstellung war das eine einfache Sache. Ich jobbte kurz bei der Landesbank Rheinland-Pfalz und bekam dann den Job bei der Schweizer Bank SBS. Ich habe dort bis Ende 1998 mit dem Interim Kontrakt gearbeitet – als 3-Monatsvertrag, der 3x verlängert wurde. Als Verlängerung rechtlich nicht mehr möglich war, hat die Bank den Job ausgeschrieben und man konnte sich offiziell darauf bewerben – was ich dann mit einem Bewerbungsschreiben tat und somit den Job bekommen habe. Ich hätte jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht im Traum gedacht, dass ich solange bleiben, mich aus dem Anfangslevel hocharbeiten könnte und sich aus dem Anfangsjob eine solche Karriere für mich ergeben würde. Ich habe bis heute nicht viel Bankerinnen-Blut in mir, aber mein Job ist maximal interessant, gibt täglich neue Erkenntnisse, führt mich in alle Ecken dieses Konzerns und erlaubt mir maximale Selbstgestaltung und Zeiteinteilung – allerding sehr zeitintensiv, zuweilen hochriskant, sehr anstrengend und für jene außerhalb der Finanzwelt nahezu nicht nachvollziehbar.

3. Wie hat mir das Japanologiestudium in Trier dabei geholfen?

Ich habe irgendwann aufgehört mir Gedanken darüber zu machen, dass ich jahrelang etwas studiert habe, was ich jetzt gar nicht anwenden kann. Tatsächlich ist das aber quatsch und macht mir nur ein schlechtes Gewissen. Ohne das Studium wäre dieser Weg, den ich beschrieben habe, gar nicht zustande gekommen – weil ich es mir nicht zugetraut hätte. Ich habe einige Male in den vergangenen Jahren gehört: „du hast doch Japanisch studiert, da ist das hier doch ein leichte Übung für dich…“ Tatsächlich hatte ich beim Bewerben auf den IT Job Zweifel, ob ich mich in  dieses doppelt fremde Metier einfinden könnte, aber der Chef der IT meinte nur: „– hast du studiert? dann kannst du dir das alles erschließen – da habe ich keinen Zweifel...“. Und in der Tat – diese  „Forscherseele“ habe ich heute noch und den Hang Dinge begreifen zu wollen die meiner eigentlichen Welt völlig fremd sind – das ist das, was ich aus meinem Japanologie-Studium mitgenommen und in der realen Welt letztlich umgesetzt habe. Ich habe mich damit arrangiert keine aktive Japanologin zu sein.