Fake News in und aus der Antike (01.–03.06.2022 und 28.–30.09.2022)

Formen und Funktionen von ‚Falschmeldungen‘ in der antiken griechischen Literatur und ihre Auswirkungen auf das moderne Verständnis

 

Thema:

Das zeitgenössische Konzept der ‚Fake News‘ weist zwei Hauptbestandteile auf: Zum einen werden in ‚Fake News‘ Nachrichten bewusst manipuliert, um bestimmte politische oder gesellschaftlich relevante Zwecke zu verfolgen; zum anderen ist diese intentionale Manipulation immer an bestimmten Erwartungen des avisierten Publikums angepasst. Aus formaler Hinsicht stellen ‚Falschmeldungen‘ keine Besonderheit des 21. Jahrhunderts dar und dürfen demnach mit politischen und pamphletistischen Aktivitäten der vergangenen Jahrhunderte verglichen werden, um präziser und differenzierter erfasst werden zu können. Insbesondere lassen sich ‚Fake News‘ auch als ideelle Fortführung von rhetorischen und narrativen Mechanismen verstehen, die bereits in den unterschiedlichsten antiken griechischen Texten vorhanden sind.


Ziel des von den Universitäten Trier und Athen geplanten Projekts ist es, einen Beitrag zur Historisierung und zum differenzierten Verständnis des Phänomens ‚Fake News‘ zu leisten. Dies soll anhand der literatur- und kulturwissenschaftlichen sowie historischen Analyse von ausgewählten, prägnanten Textbeispielen aus der antiken griechischen Literatur und Kultur erfolgen. Geplant sind 2 Workshops (in Athen und Trier), die einerseits die Aufmerksamkeit auf theoretische und methodische Aspekte lenken, und andererseits die politischen und sozialen Funktionen von antiken ‚Falschmeldungen‘ in den Blick nehmen. Dadurch bietet das Projekt einen vertiefenden und historisierenden Zugang zu den Mechanismen, welche die Entstehung, Verbreitung und manipulative Intention von ‚Falschmeldungen‘ begünstigen, und ermöglicht dadurch auch eine differenzierte Reflexion über den zeitgenössischen Umgang mit diesen.

 

Konzeption und Organisation:

Diego De Brasi (Trier), Amphilochios Papathomas (Athen), Theofanis Tsiampokalos (Trier)

 

Finanzielle Unterstützung:

DAAD (Förderprogramm: Hochschuldialog mit Südeuropa 2022)

 

Vortragende in alphabetischer Reihenfolge:

Athina Bazou (Athen): Fake news and pandemics in graeco-roman antiquity.

Spyridoula Bounta (Trier): „…from motives of calumny or extortion…“: Cases of fake news in the Papyri.

Stephan Busch (Trier): „ὅτι ἐγγύτατα τῆς ξυμπάσης γνώμης“ - historische Objektivität bei Thukydides und ihre Rezeption in der antiken Geschichtsschreibung.

Aikaterini-Nina Carvounis (Athen): Persuasion and manipulation in Nonnus’ Dionysiaca.

Frank Daubner (Trier): Fake Letters in Greek and Roman History and Historiography.

Diego De Brasi (Trier): Alethes logos and eikos mythos: Thoughts on Plato’s distinction in the Timaeus.

Pia de Simone (Trier): Lie as pharmakon in Plato's political philosophy.

Rosalia Hatzilambrou (Athen): Disinformation in the public discourse of fourth century Athens.

Oliver Hellmann (Trier): Fake news about animals in ancient Greek literature.

Nikoletta Kanavou (Athen): Fake news im griechischen Roman.

Grammatiki Karla (Athen): Fake news in den Kaiserreden des Libanius.

Ioannis Konstantakos (Athen): Fake news from the eastern front: Herodotus and the Trojan War.

Aikaterini Koroli (Athen): Fake news in Euripidean Drama.

Fabia Neuerburg (Trier/Köln): Dichtung und Wahrheit - Fiktionalitätsdiskurse in Philostrats Vita Apollonii.

Amphilochios Papathomas (Athen): Damnatio memoriae in den griechischen Papyrusurkunden der Römerzeit.

Anastasia Petropoulou (Athen): Fake News in Late Antiquity: the Case of the Ecclesiastical Texts.

Patrick Reinard (Trier): Fake News? Thoughts on Blemmyer in Indirect Literary and Direct Documentary Sources.

Christian Rollinger (Trier): Falsche Kaiser: Prätendenten und Schwindler als Herrschaftsanwärter in der Spätantike.

Andreas Serafim (Akademie von Athen): Like in a game of minesweeper: Fakeness, imprecision, and truths about body in Attic oratory.

Benedikt Strobel (Trier): Platon über die Differenz von Sein und Schein.

Marianna Thoma (Athen): Fake news in paradoxography of imperial times: The case of Phlegon’s Book of Marvels.

Theofanis Tsiampokalos (Trier): Between History and Moral Teaching: Forms and Functions of Fake News in Plutarch's Parallel Lives.

Vassileios Vertoudakis (Athen): Fake news and misinformation during war or civil conflict: Some case studies from Greek historiography.

Piotr Wozniczka (Trier): Die Kunst der Faktendrehung – Sizilische Aspekte des Spartakusaufstandes?

 

 

Programm des Trierer Workshops:

 

Mittwoch, 01.06.2022

14.30–14.45Empfang
14.45–15.00          Begrüßung durch den Präsidenten der Universität Trier, Prof. Dr. Michael Jäckel.

1. Sektion: Fake News und Fiktionalitätsdiskurse in der antiken griechischen Literatur (Moderation: Diego De Brasi)

15.00–15.45

 Aikaterini Koroli: Fake news in Euripidean Drama
15.45–16.30 Nikoletta Kanavou: Fake news im griechischen Roman

16.30–17.00 Kaffeepause

 

17.00–17.45          

Aikaterini-Nina Carvounis: Persuasion and manipulation in Nonnus’ Dionysiaca

 

Donnerstag, 02.06.2022

2. Sektion: Fake News in der antiken griechischen Historiographie (Moderation: Amphilochios Papathomas)

11.15–12.00                             Vassileios Vertoudakis: Fake news and misinformation during war or civil conflict: Some case studies from Greek historiography

12.00–14.00 Mittagspause

 

3. Sektion: Fake News und ihre politische bzw. gesellschaftliche Aspekte (Moderation: Theofanis Tsiampokalos)
14.00–14.45                   Rosalia Hatzilambrou: Disinformation in the public discourse of fourth century Athens
14.45–15.30Amphilochios Papathomas: Damnatio memoriae in den griechischen Papyrusurkunden der Römerzeit

 

17.30–19.00 Möglichkeit zur gemeinsamen Besichtigung der historischen Innenstadt.

 

 

Freitag, 03.06.2022

4. Sektion: Fake News in der antiken griechischen Wissenschaft (Moderation: Oliver Hellmann)

09.30–10.15                    

Athina Bazou: Fake news and pandemics in graeco-roman antiquity

10.15–11.00

Marianna Thoma: Fake news in paradoxography of imperial times: The case of Phlegon’s Book of Marvels

11.00–11.30 Kaffeepause

 

5. Sektion: Fake News in und aus der Spätantike (Moderation: Stephan Busch)
11.30–12.15             Grammatiki Karla: Fake news in den Kaiserreden des Libanius
12.15–13.00Anastasia Petropoulou: Fake News in Late Antiquity: the Case of the Ecclesiastical Texts
13.00–13.30Abschließende Worte                                                         

 

14.30–15.00 Führung durch die Trierer Papyrussammlung durch JProf. Patrick Reinard (Aufgrund der aktuellen hygienischen Maßnahmen gegen COVID-19 ist diese Führung ausschließlich auf dieTagungsreferent:innen beschränkt. Wir bitten alle anderen Teilnehmer:innen um Verständnis).

 

Tagungsort:

Das Workshop findet in der Wissenschaftlichen Bibliothek der Stadt Trier statt. Weitere Informationen, auch zur Anfahrt, finden Sie hier.

 

Anmeldung:

Die Teilnahme an jedem der beiden Treffen ist kostenlos. Die Anmeldung erfolgt per E-Mail an fakenewsantuni-trierde.

Interessierte können gerne auch digital über Zoom (Link) teilnehmen.

 

Kontakt:

fakenewsantuni-trierde