Forschungsprojekte

Übersicht:

  1. Promotionsprojekt (abgeschlossen)
  2. Tätigkeit als Postdoc im SFB 600 "Fremdheit und Armut" (abgeschlossen)
  3. Habiliationsprojekt (Englisch/Deutsch)
  4. Interdisziplinäre Forschungsinitiative "Maritime Risiken" (MARIS)
  5. Internationales DFG - Nachwuchsnetzwerk: "Das Versprechen der Märkte. Neue Perspektiven auf die Wirtschaftskulturgeschichte der Frühen Neuzeit"

1. Promotionsprojekt (abgeschlossen):

Analyse der Netzwerke des Joseph von Sonnenfels (1733-1817) mit dem Ziel 

  • einer dekonstruktiven Biographie
  • einer Untersuchung der Genese von Staatsreformen in der Habsburgermonarchie unter Maria Theresia, Joseph II. Leopold II. und Franz II./I. mittels einer biographischen Sonde. (Untersuchte Reformgebiete: Theaterwesen und bildende Künste, Toleranzgesetze, Polizeywesen (Zensur), Bürgerliches Recht, Strafrecht, Bildungswesen).

2. Postdoc - Projekttätigkeiten im SFB 600 "Fremdheit und Armut" (abgeschlossen):

  • Mitarbeiter im Teilprojekt A5 "Fremde Herrscher - Fremdes Volk"- Aufgabenbereich: Untersuchung von Herrschaftswechseln in den südlichen Niederlanden 1714-1815; Erstellung des abschließenden Synthesebandes zu Herrschaftswechseln in Europa; Koordination der Zusammenarbeit mit anderen Teilprojekten und internationalen Kooperationspartnern; Beauftragter für die Koordination der elektronischen Datenarchivierung.
  • Mitglied im Arbeitskreis "Zugehörigkeitsrechte"
  • Mitglied im Arbeitskreis "Theorien der Inklusion/Exklusion

3. Habilitationsprojekt (laufend):

FAILED PROJECTS OF COLONIZATION IN THE AMERICAS Causes and Perceptions (ca. 1530–1615)

Between 1530 and 1615 would-be-colonizers from England, France and Germany undertook more than thirty attempts to establish permanent outposts in the Americas. These projects could and sometimes have been, due to their outcome, interpreted as failures. Through synchronic and diachronic comparison this ongoing research project aims to analyze to what extent contemporary presentations and perceptions of these projects changed in time or differed between countries. Key to this is a critical, deconstructivst approach towards the category »failure« itself. Hitherto I have identified four spaces of action in which contemporaries located the reasons for a lack of success: European (the supporting monarchy), Atlantic (the transfer), environmental (ecological and social conditions in the Americas), and colonial (reasons that occur within the colony itself). In a second step the focus shifts to the contemporary argumentative strategies used by the early modern authors and their connection to major discourses of the period. Five different categories will be examined: religious interpretations; connections with European political conflicts; the focus on the positive social and ecological environment of the attempted colony; internal accusations, and the presentation of a hero’s tale. The comparative analysis of these basic lines of presentation and argumentation will offer a new perspective on the history of seemingly unsuccessful projects in the history of early colonization.

Ursachen, Auswirkungen und Rezeptionen des Scheiterns englischer, französischer und deutscher kolonialer Expansionsprojekte im Vergleich (ca. 1500 - 1615) 

 Es ist allgemein bekannt, dass die ersten dauerhaften Kolonien unter dem Schutz der Könige von Frankreich und England auf dem amerikanischen Doppelkontinent erst mehr als einhundert Jahre nach dessen sogenannter „Entdeckung“ entstanden. Für den Zeitraum zwischen 1492 und 1607/1608 führen historische Darstellungen hingegen meist drei bis fünf englische und/oder französische Kolonialprojekte an, die als „gescheitert“ charakterisiert werden. Diese angeblich gescheiterten Projekte funktionieren in der Historiographie einerseits als narratives Gegenstück zur Hervorhebung der späteren Erfolge, andererseits als exemplarische Begründung für die im Vergleich mit Spanien oder Portugal späten Koloniegründungen oder drittens als Bausteine einer Lernen-aus-Scheitern Kausalkonstruktion, die spätere Erfolge logisch aus früherem Scheitern herleitet.

Eine genauere Betrachtung der transatlantischen Politik, die Akteure aus England und Frankreich im fünfzehnten und frühen sechzehnten Jahrhundert verfolgten, offenbart allerdings zweierlei: Zum einen war die Zahl der unternommenen kolonialen Projekte weitaus höher, als in den meisten Handbücher und Forschungsarbeiten angegeben, so dass deren vergleichende Analyse als ein Desiderat gelten muss, zum anderen kann die in der Historiographie immer eindeutig vorgenommene Zuschreibung „gescheitert“ vor dem Hintergrund der Quellen keineswegs als unzweifelhaft gelten.

Ziel des Habilitationsprojektes ist es, die zeitgenössischen Diskurse und Debatten über unternommene und geplante Kolonialprojekte in England und Frankreich im Zeitraum vor der Entstehung dauerhafter eigener Kolonien nachzuzeichnen.

In der Kommunikation beteiligter und beobachtender Akteure während der Vorbereitung, der Durchführung und nach dem Abbruch der Projekte ist stets eine Differenz zwischen den in selektiver Rezeption kommerziell erfolgreicher iberischer Kolonialprojekte formulierten Erwartungen und den erreichten Resultaten erkennbar. Die vom Erwartungshorizont abweichenden Resultate konnten von den Zeitgenossen aber, je nach individuellen Zielen und Kenntnissen, unterschiedlich gedeutet werden. Eine Bewertung als „gescheitert“ war dabei nur eine mögliche und niemals unumstrittene Deutung. „Scheitern“ wird daher im Rahmen des Projektes nicht, wie bisher in der historischen Forschung, als faktisch gegebene Untersuchungskategorie genutzt. Stattdessen stehen die kommunikativen Handlungen im Fokus, in welchen derartige oder alternative Bewertungen entstanden. Dies verspricht einen neuen Blickwinkel auf scheinbar bekannte koloniale Projekte und letztlich auf die Formierung noch immer bestehender Leitnarrative, die zum Teil seit dem siebzehnten Jahrhundert tradiert werden.

4. Maritime Risiken (MARIS) - Interdisziplinäre Forschungsinitative der Universität Trier (Alte Geschichte, Kunstgeschichte, Geschichte der Frühen Neuzeit)

Förderung durch den Forschungsfonds der Universität Trier 2017-2018.

Gemeinsame Antragsstellung und Bearbeitung mit Prof. Dr. Ulrike Gehring und Dr. Christian Rollinger. 

 Gegenstand des Projektes sind bildliche und schriftliche Darstellungen von maritimen Risiken und Strategien zu deren Beherrschung in Antike und Früher Neuzeit. Ziel der interdisziplinären Untersuchung ist einerseits, Wechselwirkungen zwischen Risikovorstellungen und Strategien zur Risikobeherrschung epochenübergreifend nachzuvollziehen, sowie andererseits deren Kontinuitäten oder Veränderungen in historischer Perspektive herauszuarbeiten. In Abgrenzung zur bisherigen Forschung werden dabei nicht allein empirisch nachweisbare, vermeintlich objektive Risiken wie etwa Stürme behandelt, sondern auch subjektiv imaginierte Risiken, die in zeitgenössischen kulturellen und religiösen Vorstellungen wurzeln. Dementsprechend geht der Fokus des Projektes über die Untersuchung nautischer oder ökonomischer Maßnahmen der Risikobewältigung hinaus und liegt auf kulturellen  Strategien, die der Beschreibung, Kategorisierung und Vermeidung potentieller Risiken dienen.

5. Internationales Forschernetzwerk: "Das Versprechen der Märkte. Neue Perspektiven auf die Wirtschaftskulturgeschichte der Frühen Neuzeit"

Förderung durch die DFG 2017-2019.

HOMEPAGE: http://versprechen-der-maerkte.de/

Aus dem Antragstext:

Das Wissenschaftliche Netzwerk zielt auf eine multiperspektivische Analyse frühneuzeitlicher Marktkulturen, deren Praktiken nicht nur von Angebot und Nachfrage, sondern ebenso von sozialen Beziehungen, Affekten und Materialitäten geprägt waren. Das Netzwerk sondiert die Potentiale für eine integrierte Wirtschaftskulturgeschichte der Frühen Neuzeit, indem es neue geschichtswissenschaftliche Ansätze operationalisiert, mittels derer das Ineinandergreifen von Faktoren konzeptionell gefasst werden kann, die bislang sowohl in inhaltlicher als auch in methodischer Hinsicht von Kultur- und Wirtschaftsgeschichte getrennt fokussiert wurden. Dieses Projekt ist in doppelter Hinsicht innovativ: Erstens ermöglicht es die Formulierung und Formierung von methodischen Ansätzen, mit denen frühneuzeitliche Märkte als soziokulturelle Phänomene sui generis untersucht werden können – als Phänomene, in denen ökonomische Praktiken und Techniken des Handelns von Akteur_innen mit  Sinngeneratoren wie Ungewissheit, Begierden, Vertrauen und Glück verschränkt sind. Zweitens wird damit die seit längerem vorgebrachte Forderung eingelöst, aktuelle –vor allem praxeologische, institutionenökomomische und wissenshistorische – Konzepte derWirtschaftsgeschichte auch auf vormoderne ökonomische Kontexte und jenseits der Frage nach der Durchsetzung des Kapitalismus anzuwenden. Um seine Ziele zu erreichen, bringt das Netzwerk Nachwuchswissenschaftler_innen aus Kultur- und Wirtschaftsgeschichte, Literaturwissenschaft, Soziologie und Theaterwissenschaft zusammen, die aus unterschiedlichen Perspektiven Märkte und deren kulturelle und ökonomische Effekte untersuchen.