Dr. Eric Burkart

Wichtiger Hinweis: Ende der Lehrtätigkeit zum 31.03.2022

Liebe Studierende,
aufgrund von Elternzeit und Stellenwechsel in ein Drittmittelprojekt endet vorläufig meine Tätigkeit als aktiver Dozent. Ich bedanke mich für die schöne Zeit und die interessanten und für mich persönlich sehr bereichernden Diskussionen mit Ihnen allen!
Gleichzeitig würde ich Sie bitten, noch offene Hausarbeiten bis spätestens zum 31.03.2022 einzureichen, damit ich mich in der Elternzeit ganz unserem Nachwuchs widmen kann.

Herzliche Grüße
Ihr Eric Burkart

 

Forschungsinteressen

  • Praktiken des Kämpfens in der Vormoderne
  • Körper- und Wissensgeschichte, Körpertechniken
  • Mittelalterliche Stadtgeschichte
  • Frankreich und Burgund im Spätmittelalter
  • Kreuzzugsdiskurse im 14. und 15. Jahrhundert
  • Kulturgeschichte des Politischen
  • Rekonstruktive Sozialforschung
  • Epistemologie und Methodologie der Geschichtswissenschaft

 

Forschungsprojekte

Die Verschriftlichung der Kampfkunst. Praktiken des Kämpfens als Wissensobjekte in den Fechtbüchern des 14.–16. Jahrhunderts (DFG - Projektnummer 465466524, Laufzeit 06/2022-06/2025)

Homepage: fightbooks.uni-trier.de

Kämpfen stellt in den überlieferten Zeugnissen des Mittelalters eine der wichtigsten zwischenmenschlichen Interaktionsformen dar. Das gilt einerseits für die konkrete Praxis der gewalttätigen Auseinandersetzung in Krieg, Fehde oder Zweikampf, auf die heute aufgrund ihrer Flüchtigkeit lediglich Spuren wie archäologische Knochenbefunde oder im Kampf verwendete Artefakte verweisen können. Andererseits zählt das Kämpfen auch zu den am stärksten symbolisch aufgeladenen Handlungen menschlicher Kultur, sodass Darstellungen kämpferischer Handlungen in religiösen, historiographischen und literarischen Texten sowie als Motiv der bildenden Kunst eine zentrale Stellung einnehmen. Neben gewalttätigem Kämpfen im engeren Sinne sind aber auch Praktiken des reglementierten Wettkampfes und des nicht ernsten Kämpfens dokumentiert, die als Teil einer Übungs-, Freizeit- und Körperkultur eine wichtige soziale Rolle spielten.

Vor diesem Hintergrund entstanden im späten Mittelalter mit den Fecht- oder Kampfbüchern komplexe Fachschriften, welche das Beschreiben und Darstellen des Kämpfens mit der Praxis der physischen Auseinandersetzung verbanden: Anfang des 14. Jahrhunderts begannen Fechtmeister, ihr spezifisches Körperwissen und ihre didaktischen Praxislehren zu Ringkampf und Waffengebrauch in zumeist umfangreich bebilderten Handschriften aufzuzeichnen. Diese seit dem frühen 16. Jahrhundert auch im Druck verbreiteten Abhandlungen zum Kämpfen als (Handwerks-)Kunst stellen die ersten systematischen Aufzeichnungen zu mittelalterlichen Körpertechniken überhaupt dar. Sie setzten Maßstäbe auf dem Gebiet der Bewegungsnotation und prägten grundlegend den Aufbau unserer heutigen Ratgeberliteratur zu verschiedensten Sportarten. Bislang wurden die Kampfbücher jedoch noch nie umfassend aus einer kulturgeschichtlichen Perspektive untersucht.

Das Projekt nähert sich dem Korpus der handschriftlichen und gedruckten Kampfbücher des 14.–16. Jahrhunderts in Verbindung mit komplementären Zeugnissen auf einer

(1) diskurs- und mediengeschichtlichen,

(2) praxeographischen und

(3) kulturtheoretischen Ebene.

Entscheidend ist dabei, die Texte als Teil eines Ausbildungszusammenhangs zu analysieren, in dem das Kämpfen als subjektiv erlebte Praxis zum Gegenstand eines von Fechtmeistern dominierten Expertendiskurses wurde. Zentral hierfür war eine Professionalisierung im Verlauf des späten Mittelalters und die Gründung von zunftähnlichen Fechtbruderschaften auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches. Die Popularität von öffentlichem Unterricht und Fechtwettkämpfen zeugt zugleich von der Breitenwirksamkeit dieser Phänomene, die in erster Linie in einem städtischen Umfeld angesiedelt waren. Das Erkenntnisziel des Projekts besteht in der kulturgeschichtlichen Untersuchung der komplexen Beziehung zwischen handgreiflichen Praktiken des Kämpfens und ihrer Diskursivierung, Didaktisierung und Medialisierung unter Einbeziehung der Stadt als Produktionsraum kämpferischen Fachwissens.

International Conference: Fighting – Knowledge – Bodies (Trier, 11.-13.09.2019)

Fighting as a social practice and as a mode of interpersonal interaction is omnipresent in historical tradition. In addition to various forms of violent confrontation, normed forms of fighting as well as friendly fighting competitions can be observed throughout the ages. They were (and still are) part of a recreational and sports culture, have contributed to the creation of communities and are part of the articulation of gendered identities and the representation of social status. Nevertheless, fighting has yet to be examined in an overarching, systematic and historical perspective. So far, scholarly discourse has treated fighting practices in a compartmentalized way: as a means to resolve conflicts (political history), as an expression of violence (research in the history of violence and crime, sociology of violence), as an object of military history or sports science, and as a specialized topic examining concrete historical contexts (e.g. medieval judicial duels, tournaments, and fencing schools, early modern duels). This sectoral separation, usually associated with a categorical differentiation between violent and normative / playful forms of fighting, prohibits a systematic reconstruction of the entangled history of the transfer of knowledge and bodily practices.

This conference, by contrast, focuses on the structural similarities, knowledge systems and discourses as well as the material foundations of fighting practices. “Fighting”, in this context, is understood literally, without any metaphorical connotation, as a tangible confrontation between human actors. As such, fighting permeates all strata of society as a historically and culturally variable practice and experience. It is a polysemic phenomenon and takes various forms. The conference’s objective is to explore its dimensions in a historical perspective, to test different methodological approaches across epochs and to define common areas of interest for future research.
To achieve this goal, three analytical perspectives will be linked: Firstly, the praxeological perspective, which aims at reconstructing fighting practices in terms of their framework (persons involved, modalities, contemporary norms and sanctions), investigating how these practices were symbolically charged and reconstructing their significance in processes of social stratification. Secondly, the conference will question the topic from the perspective of the history of knowledge, tracing the resources and reservoirs of knowledges on combat. Thirdly, it will adopt a perspective developed to investigate the history of the body, asking what kind of physicalities were created by fighting practices (embodiment of knowledge).

The human body stands at the nexus of all three perspectives. It represents the conditio sine qua non of combative interaction. Its materiality determines the vulnerability of every body as well as its potential to mete out pain and violence onto others (Sofsky 2005). This materiality of human existence renders struggle and violence into a resource, which in principle is available to every individual. Yet the productivity of fighting (knowledge and practices) can only be understood fully by going beyond a narrow conception of fighting as a phenomenon of violence or violentia. Instead, the productivity of this corporeal practice has to be taken into account as well. To capture this characteristic, we employ a conceptual framework developed in feminist theory, gender and queer studies (Braidotti 2002, Ahmed 2008, Netzwerk Körper in den Kulturwissenschaften 2012) and consider the human body as a cultural artifact, articulated through the complex interaction of physical structure (heredity, abilities), social practices, and corporeal knowledge. In line with current sociological accounts coming from the field of theatre and performance studies, techniques are understood as "transmissible and repeatable
knowledge of relatively reliable possibilities afforded by human embodiment" (Spatz 2015) and thus conceived as a form of knowledge which affects and structures individual bodies, but also spreads from one body to another.

(Für weitere Informationen hier klicken.)

Kreuzzug als Selbstbeschreibung. Burgundische Statuspolitik in den spätmittelalterlichen Traktaten des Jean Germain (Dissertation, im open access online verfügbar unter: https://doi.org/10.17885/heiup.628)

Die Geschichte der Valois-Herzöge von Burgund (1363–1477) kann aus der Retrospektive zu einer Gegenüberstellung von modernen und mittelalterlichen Elementen dieser Herrschaftsbildung verleiten. Insbesondere die Kreuzzugspläne Philipps des Guten (1419–1467) erscheinen vor dieser Folie wie das letzte Aufblühen einer mittelalterlichen Kultur, die nicht recht zu dem klassischen Narrativ eines »burgundischen Staates« passen will. Statt in Philipp dem Guten aber einen Don Quijote des 15. Jahrhunderts oder den Vorläufer des »letzten Ritters« Maximilian zu sehen, untersucht die Studie seine Kreuzzugsprojekte als Bestandteil einer burgundischen Statuspolitik: Die ostentative Bereitschaft zur Verteidigung des Glaubens erlaubte der jungen Dynastie, eine Höherrangigkeit im Kreis der europäischen Fürsten zu beanspruchen. Zur Analyse des burgundischen Kreuzzugsdiskurses stützt sich die Arbeit auf drei Traktate des Bischofs Jean Germain († 1461), die er als erster Kanzler des Ordens vom Goldenen Vlies verfasste. Methodologisch betritt sie dabei Neuland, indem eine sequenzanalytische Methode der rekonstruktiven Sozialforschung mit einer diskursanalytischen Perspektive verbunden und zur Untersuchung des Text-Bild-Programms spätmittelalterlicher Handschriften herangezogen wird.


Vita

Juni 2022 - Juni 2025
Projektleiter des DFG-Projekts "Die Verschriftlichung der Kampfkunst. Praktiken des Kämpfens als Wissensobjekte in den Fechtbüchern des 14.–16. Jahrhunderts" (DFG - Projektnummer 465466524)

April - Mai 2022
Elternzeit (zweites Kind)

August 2015 - März 2022
Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Assistenz) an der Professur für Mittelalterliche Geschichte der Universität Trier (Prof. Dr. Petra Schulte)

Juli 2015
Promotion zum Thema  »Kreuzzugsbereitschaft als Selbstbeschreibung. Die Verteidigung des Glaubens als Element burgundischer Statuspolitik in den Traktaten des Jean Germain (†1461)« (Prof. Dr. Heribert Müller/Prof. Dr. Bernhard Jussen, Frankfurt a. M.)

Juli 2013 - Juni 2015
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am DFG-Projekt »Der mittelalterliche Zweikampf als agonale Praktik zwischen Recht, Ritual und Leibesübung« an der Technischen Universität Dresden (Prof. Dr. Uwe Israel)

August 2012
Forschungsstipendiat des Deutschen Historischen Instituts, Paris

Juli 2011 und Februar 2012
Stipendiat des Collège doctoral franco-allemand der Johann Wolfgang Goethe-Universität und der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne

Juli 2009 - Juni 2012
Promotionsstipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes

November 2003 - November 2008
Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes

Oktober 2003 - November 2008
Studium der Politikwissenschaft sowie der Mittleren und Neueren Geschichte an der Goethe-Universität, Frankfurt a. M.
 

Mitgliedschaften