Dr. Eric Burkart

Sprechstunde

Die Sprechstunde findet im Wintersemester 2018/19 jeweils dienstags, 15.00-16.00 Uhr sowie nach Vereinbarung statt. Bitte melden Sie sich per Email an.

 

Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2018/19 
 
  • Proseminar: Ritterlich-höfische Kulturen im Mittelalter (8.–15. Jahrhundert)
    (Mo., 14–16 Uhr, A 12)
  • Proseminar: Ritterlich-höfische Kulturen im Mittelalter (8.–15. Jahrhundert)
    (Mo., 16–18 Uhr, A 12)
  • Übung: Waffen als Objekte der materiellen Kultur des Mittelalters (Exkursion zum Deutschen Klingenmuseum, Solingen)
    (Fr., 02.11., 23.11., 30.11., 08.02., 14–16 Uhr, E 50;
    Exkursion: Sa., 16.02.)
 

 

Forschungsinteressen

  • Kulturgeschichte des Politischen im Mittelalter (mit Schwerpunkt auf Frankreich und der Herrschaft der Valois-Herzöge von Burgund)
  • Kreuzzugsdiskurse im 14. und 15. Jahrhundert
  • Körper und Körpertechniken im Mittelalter
  • Methoden der rekonstruktiven Sozialforschung
     

Aktuelles Forschungsprojekt

Kämpfen und Kampfkunst in der Vormoderne. Eine Kulturgeschichte individueller Kampfbefähigung und Gewaltbewältigung im 14.–16. Jahrhundert

Kaum eine zwischenmenschliche Interaktion ist in der geschichtlichen Überlieferung so präsent wie das Kämpfen. Die physische Auseinandersetzung wird dabei sowohl als konkrete körperliche Praxis durch Beschreibungen, Artefakte oder Knochenbefunde dokumentiert, sie bildet als Motiv aber zugleich eines der wirkmächtigsten Symbole menschlicher Kultur. Kampfdarstellungen finden sich als erzählte Kämpfe in literarischen und historiographischen Texten, sie prägen als imaginierte Kämpfe in Buch- und Tafelmalerei ein eigenes Bildgenre und sie finden sich gleichermaßen als Sujet in der Bildhauerei. Dabei sind es insbesondere Zeugnisse aus dem Umfeld der ritterlich-höfischen Kultur des europäischen Mittelalters, die der Kampfbefähigung und dem Kämpfen als Grundlage der männlichen Selbstbeschreibung einer gesellschaftlichen Elite einen besonderen Stellenwert beimessen. Wie die zahlreichen Hinweise auf sowohl normierte als auch ernste Kämpfe in bürgerlichem und bäuerlichem Umfeld belegen, lassen sich Praktiken des Kämpfens in der Vormoderne jedoch nicht auf den ordo der bellatores beschränkt untersuchen. Gleichermaßen würde es eine perspektivische Verengung darstellen, das Kämpfen ausschließlich als ein Phänomen der Gewalttätigkeit zu konzipieren. Die Popularität von öffentlichen Fechtschulen im späten Mittelalter und die Belege für zahlreiche stark normierte Formen des Kämpfens und des kämpferischen Wettstreits außerhalb von Gerichtskampf, Krieg und Fehde legen die Verwendung eines weiten Kampfbegriffes nahe und verweisen darauf, Praktiken des Kämpfens in erster Linie als ein polysemisches und alle Gesellschaftsschichten durchdringendes Phänomen zu konzipieren.

Neben den vielfältigen eingangs genannten Zeugnissen existiert jedoch eine Quellengattung, die das Erzählen und Imaginieren des Kämpfens auf ganz konkrete Weise mit der Praxis der physischen Auseinandersetzung verbindet: Anfang des 14. Jahrhunderts begannen Fechtlehrer, mithilfe von Bildern und Texten ihr konkretes Körperwissen und ihre didaktischen Praxislehren in Buchform aufzuzeichnen. Auf diese Weise entstanden mit den europäischen Fecht- oder Kampfbüchern faszinierende Zeugnisse, die soziale Kontexte des Kämpfens ebenso thematisieren wie ganz konkrete Strategien und Körpertechniken im Kampf.

Diese Kampfbücher sollen im vorliegenden Forschungsvorhaben als Ausgangspunkt für eine kulturgeschichtliche Untersuchung von Diskursen und Praktiken des Kämpfens in Spätmittelalter und früher Neuzeit genutzt werden. Kampfbücher stellen dabei selbstverständlich keine nachträgliche Dokumentation tatsächlich erfolgter Kämpfe dar, sondern sie thematisieren Wissensbestände des Kämpfens und die Vermittlung dieses Wissens in Form von Kampfkunst. Der Begriff Kampfkunst verweist in diesem Zusammenhang von einem handwerklich-technischen Kunstbegriff ausgehend auf das Wissensfeld des Kämpfen-Könnens, also auf die intersubjektive Vermittlung von embodied knowledge und die physische Transformation vom bloß akzidentiell kämpfenden zum kampfbefähigten Körper. Medien dieser Transformation sind die in den mittelalterlichen Kampfbüchern dokumentierten Praxislehren, die in der Regel konkreten Meisterfiguren wie etwa Johannes Liechtenauer, Hans Talhofer oder Fiore dei Liberi zugeschrieben und durch diese als Wissensbestand autorisiert werden. Den Kern dieses Wissens bildet in der Regel eine didaktische Auswahl von Körpertechniken, die auf Grundlage von impliziten und expliziten Annahmen über die antizipierten Kontexte des Kämpfens ausgewählt und als Kampfsystem in eine Ordnung gebracht wurden. Auf diese Weise erlauben sie in der Phase des Lernens, die Komplexität und die Kontingenz tatsächlicher Kämpfe zu reduzieren und für die Praktizierenden auf ein zu erlernendes Set von Techniken zu begrenzen. Damit fungieren Praxislehren des Kämpfens sowohl als Kommunikationsmedium zur didaktischen Vermittlung von Fertigkeiten als auch als Mittel einer individuellen Gewaltbewältigung. Durch die Möglichkeit der subjektiven Vorbereitung auf potenzielle Kämpfe erlauben sie eine antizipierende Bearbeitung der mit jeder Situation interpersoneller Gewalt verbundenen Unsicherheiten und Risiken, die sich aus der grundlegenden Verletzungsoffenheit des menschlichen Körpers ergibt. Der Begriff Kampfkunst verweist damit aber neben dem Wissensfeld des Kämpfen-Könnens zugleich auf konkrete soziale Institutionen, bestehend aus den Gemeinschaften von Praktizierenden spezifischer Kampfsysteme, die das Wissen vom Kämpfen organisieren und diskursiv kontrollieren.

Neben der diskursanalytisch informierten Analyse der Kampfbücher zielt eine zweite Säule des Projekts mit der Einbeziehung von seriellem Material der städtischen Verwaltung auf die Untersuchung konkreter Praktiken des Kämpfens ab. Die Einbeziehung der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadt als sozialer Raum erlaubt auf diese Weise den Blick auf unterschiedliche und sich überschneidende Kulturen des Kämpfens zu lenken (adeliges Turnierwesen, Gesellenstechen, bürgerliches Fechten und Fechtschulen, geselliger Ringkampf, Training der Stadtmilizen, obrigkeitliche Kontrolle von Waffenbesitz, Verfolgung von Gewalttaten, usw.) und Praktiken und Diskurse ins Verhältnis zueinander zu setzen.

Dissertation (Veröffentlichung in Vorbereitung)

Kreuzzugsbereitschaft als Selbstbeschreibung. Die Verteidigung des Glaubens als Element burgundischer Statuspolitik in den Traktaten des Jean Germain († 1461), Goethe-Universität Frankfurt a. M. (Disputation: 15.07.2015).

Aus der Retrospektive verführt die Geschichte der Valois-Herzöge von Burgund (1363–1477) zu einer Gegenüberstellung von „zukunftsweisenden“ und „mittelalterlichen“ Elementen dieser Herrschaftsbildung. Mit den zentralen Begriffen „burgundischer Staat“ (Henri Pirenne) und „Herbst des Mittelalters“ (Johan Huizinga) haben diese historiographischen Positionen ihre Grundlage bereits in den Forschungsdiskursen des frühen 20. Jahrhunderts.

Insbesondere die Regentschaft des dritten Herzogs Philipp des Guten (1419–1467) legt eine derartige Gegenüberstellung nahe. Die Anfangsjahre seiner Herrschaft scheinen geprägt vom Streben nach territorialer Expansion in den Niederen Landen, einem machtpolitischen Taktieren zwischen den Parteien des Hundertjährigen Krieges und der administrativen Eingliederung der neugewonnenen Gebiete in den burgundischen Verwaltungsapparat. Die zweite Phase seiner Regierungszeit stand dann jedoch maßgeblich unter den „mittelalterlichen“ Vorzeichen eines geplanten Kreuzzuges. In den Vordergrund rückte nun ab 1451/54 der Versuch, sich federführend am Kampf gegen die osmanische Expansion zu beteiligen.

Dieser vermeintliche Kurswechsel in der herzoglichen Politik hat in manchen Studien – insbesondere in der noch immer maßgeblichen Biographie von Richard Vaughan – eine gewisse Verwunderung hervorgerufen, steht er doch in scheinbaren Widerspruch zu einer Wahrnehmung Burgunds als Vorläufer einer modern-rationalen Staatsbildung. Zur Erklärung des Sachverhalts wird in der Forschung dann häufig auf die Persönlichkeit Philipps des Guten und auf dessen Verhaftetsein in einer Welt des epischen Heldentums und der ritterlichen Ideale verwiesen.

An diesem Punkt schlägt die Arbeit vor dem Hintergrund kulturwissenschaftlicher Ansätze eine andere Perspektive vor. Statt auf die Person des Herrschers zu rekurrieren, rückt die Partei der Bourguignons als kollektiver Akteur ins Zentrum des Interesses. Es stellt sich nicht primär die Frage nach den (im verfügbaren historischen Material nicht direkt dokumentierten) subjektiven Präferenzen und Werten des einzelnen Herrschers, sondern nach den in seinem Umfeld geteilten kognitiv-symbolischen Wissensordnungen.

Die Materialgrundlage für eine Annäherung an diese Wissensordnungen bilden dabei drei umfangreiche Traktate des Bischofs Jean Germain, die er in seiner Funktion als Kanzler des burgundischen Ritterordens vom Goldenen Vlies verfasste. Präsentiert und dem Herzog symbolisch überreicht wurden diese Texte im Mai 1451 im Rahmen eines in Mons abgehaltenen Ordenskapitels, auf dem noch vor dem Fall Konstantinopels eine deutliche Intensivierung des burgundischen Engagements im Glaubenskampf angekündigt wurde.

Anhand der Texte des Jean Germain zeichnet die Arbeit nach, wie eng die burgundische Kreuzzugspolitik mit Diskursen um den Status und das Ansehen der jungen Dynastie verbunden war. Die 1451 in Mons und gut drei Jahre später auf dem Fasanenfest von Lille ostentativ inszenierte Bereitschaft zum Glaubenskampf erscheint daher – so die vertretene These – als eine Form der Selbstbeschreibung der politischen Eliten Burgunds, die als Ausdruck eines adeligen Habitus und zugleich als durchaus zielführende Reaktion auf die Repräsentationskrise einer prekären Herrschaft verstanden werden kann.
 

Vita

Seit August 2015
Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Mittelalterliche Geschichte der Universität Trier (Prof. Dr. Petra Schulte)

Juli 2015
Promotion zum Thema  »Kreuzzugsbereitschaft als Selbstbeschreibung. Die Verteidigung des Glaubens als Element burgundischer Statuspolitik in den Traktaten des Jean Germain (†1461)« (Prof. Dr. Heribert Müller/Prof. Dr. Bernhard Jussen, Frankfurt a. M.)

Juli 2013 - Juni 2015
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am DFG-Projekt »Der mittelalterliche Zweikampf als agonale Praktik zwischen Recht, Ritual und Leibesübung« an der Technischen Universität Dresden (Prof. Dr. Uwe Israel)

August 2012
Forschungsstipendiat des Deutschen Historischen Instituts, Paris

Juli 2011 und Februar 2012
Stipendiat des Collège doctoral franco-allemand der Johann Wolfgang Goethe-Universität und der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne

Juli 2009 - Juni 2012
Promotionsstipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes

November 2003 - November 2008
Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes

Oktober 2003 - November 2008
Studium der Politologie sowie der Mittleren und Neueren Geschichte an der Goethe-Universität, Frankfurt a. M
 

Mitgliedschaften

  • Acta Periodica Duellatorum, Scientific Committee
  • Centre européen d'études bourguignonnes (XIVe-XVIe siècles)
  • Martial Arts Studies Research Network, Cardiff University