Dr. Eric Burkart

Sprechstunde

Die Sprechstunde findet aus aktuellem Anlass jeden Dienstag von 14.00-15.00 Uhr ausschließlich telefonisch statt. Bitte schicken Sie mir die zu besprechenden Materialien vorab per Email und formulieren Sie Ihr Anliegen, geben Sie zudem eine Telefonnummer an, unter der ich Sie erreichen kann.

Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2020 
 
  • Hauptseminar: Heilige Kriege - Historisierung und Politisierung der Kreuzzüge vom 11. bis ins 21. Jahrhundert (Mi, 14-16, A 11)
     
  • MA-Übung: Praxiskurs Quellenanalyse - Sequenzielle Textrekonstruktion als Methode in Haus- und Abschlussarbeiten (Di, 14-16, A 7)
    Die Übung richtet sich an Studierende aller Geisteswissenschaften und beschäftigt sich mit Methoden und Strategien bei der Analyse von historischen Quellen. Gelesen werden theoretische Texte zur Interpretation von Texten und Bildern, die im Anschluss in der Gruppe auf zu interpretierende Materialien angewendet werden. Es ist möglich (und sogar erwünscht), dass die Teilnehmer*innen eigenes Material (z.B. aus laufenden Haus- oder Abschlussarbeiten) mitbringen, das gemeinsam analysiert wird.
 

 

Forschungsinteressen

  • Praktiken des Kämpfens in der Vormoderne
  • Körper- und Wissensgeschichte, Körpertechniken
  • Mittelalterliche Stadtgeschichte
  • Frankreich und Burgund im Spätmittelalter
  • Kreuzzugsdiskurse im 14. und 15. Jahrhundert
  • Kulturgeschichte des Politischen
  • Rekonstruktive Sozialforschung
  • Epistemologie und Methodologie der Geschichtswissenschaft

 

Forschungsprojekte

Die Erfindung der Kampfkunst. Körpertechniken und Praktiken des Kämpfens als Wissensobjekte in den Fechtbüchern des 14.-16. Jahrhunderts

Kämpfen stellt in den überlieferten Zeugnissen des Mittelalters eine der wichtigsten zwischenmenschlichen Interaktionsformen dar. Das gilt einerseits für die konkrete Praxis der gewalttätigen Auseinandersetzung in Krieg oder Zweikampf, auf die heute aufgrund ihrer Flüchtigkeit lediglich Spuren wie archäologische Knochenbefunde oder im Kampf verwendete Artefakte verweisen können. Andererseits zählt das Kämpfen auch zu den am stärksten symbolisch aufgeladenen Handlungen menschlicher Kultur, sodass Darstellungen kämpferischer Handlungen in religiösen, historiographischen und literarischen Texten sowie als Motiv der bildenden Kunst eine zentrale Stellung einnehmen. Neben gewalttätigem Kämpfen im engeren Sinne sind aber auch für das Mittelalter Praktiken des reglementierten Wettkampfes und des nicht ernsten Kämpfens dokumentiert, die als Teil einer Freizeit- und Körperkultur eine wichtige soziale Rolle spielten.

Vor diesem Hintergrund entstanden im späten Mittelalter mit den europäischen Fecht- oder Kampfbüchern komplexe Fachschriften, welche das Beschreiben und Darstellen des Kämpfens auf ganz konkrete Weise mit der Praxis der physischen Auseinandersetzung verbinden: Anfang des 14. Jahrhunderts begannen Fechtmeister, ihr spezifisches Körperwissen und ihre didaktischen Praxislehren zu Ringkampf und Waffengebrauch in zumeist umfangreich bebilderten Handschriften aufzuzeichnen. Diese seit dem Ende des 15. Jahrhunderts auch im Druck verbreiteten Abhandlungen zum Kämpfen als (Handwerks-)Kunst stellen die ersten systematischen Aufzeichnungen zu mittelalterlichen Körpertechniken überhaupt dar. Sie setzten Maßstäbe auf dem Gebiet der Bewegungsnotation und prägten grundlegend den Aufbau unserer heutigen Ratgeberliteratur zu verschiedensten Sportarten und Bewegungslehren. Bislang wurden die Kampfbücher jedoch noch nicht umfassend aus einer kulturgeschichtlichen Perspektive untersucht.

Entscheidend für den vertretenen Ansatz ist es, die Texte als Teil eines Ausbildungskontextes zu begreifen, in dem das gewalttätige Kämpfen als subjektiv erlebte Praxis zum Gegenstand eines von den Fechtmeistern dominierten Expertendiskurses wurde. Zentral hierfür war die zunehmende Professionalisierung des Fechtens im Verlauf des späten Mittelalters und die Gründung von zunftähnlichen Fechtbruderschaften auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches. Die Popularität von Fechtschulen und öffentlichen Wettkämpfen zeugt zugleich von der Breitenwirksamkeit dieser Phänomene.

Das Forschungsprojekt nähert sich dem Korpus der handschriftlichen und gedruckten Kampfbücher des 14.-16. Jahrhunderts auf einer

  1. diskurs- und mediengeschichtlichen,
  2. praxeographischen und
  3. kulturtheoretischen Ebene.

Es verfolgt das Ziel, die komplexe Beziehung zwischen handgreiflichen Praktiken des Kämpfens und ihrer Diskursivierung, Didaktisierung und Medialisierung kulturhistorisch und unter Einbeziehung der Stadt als Produktionsraum kämpferischen Fachwissens zu untersuchen.

 

Kreuzzug als Selbstbeschreibung Burgundische Statuspolitik in den spätmittelalterlichen Traktaten des Jean Germain (Dissertation, erscheint Herbst 2020 als Band 117 der "Pariser Historische Studien")

Die Geschichte der Valois-Herzöge von Burgund (1363–1477) kann aus der Retrospektive zu einer Gegenüberstellung von modernen und mittelalterlichen Elementen dieser Herrschaftsbildung verleiten. Insbesondere die Kreuzzugspläne Philipps des Guten (1419–1467) erscheinen vor dieser Folie wie das letzte Aufblühen einer mittelalterlichen Kultur, die nicht recht zu dem klassischen Narrativ eines »burgundischen Staates« passen will. Statt in Philipp dem Guten aber einen Don Quijote des 15. Jahrhunderts oder den Vorläufer des »letzten Ritters« Maximilian zu sehen, untersucht die Studie seine Kreuzzugsprojekte als Bestandteil einer burgundischen Statuspolitik: Die ostentative Bereitschaft zur Verteidigung des Glaubens erlaubte der jungen Dynastie, eine Höherrangigkeit im Kreis der europäischen Fürsten zu beanspruchen. Zur Analyse des burgundischen Kreuzzugsdiskurses stützt sich die Arbeit auf drei Traktate des Bischofs Jean Germain († 1461), die er als erster Kanzler des Ordens vom Goldenen Vlies verfasste. Methodologisch betritt sie dabei Neuland, indem eine sequenzanalytische Methode der rekonstruktiven Sozialforschung mit einer diskursanalytischen Perspektive verbunden und zur Untersuchung des Text-Bild-Programms spätmittelalterlicher Handschriften herangezogen wird.

 

Vita

Seit August 2015
Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Assistenz) an der Professur für Mittelalterliche Geschichte der Universität Trier (Prof. Dr. Petra Schulte)

Juli 2015
Promotion zum Thema  »Kreuzzugsbereitschaft als Selbstbeschreibung. Die Verteidigung des Glaubens als Element burgundischer Statuspolitik in den Traktaten des Jean Germain (†1461)« (Prof. Dr. Heribert Müller/Prof. Dr. Bernhard Jussen, Frankfurt a. M.)

Juli 2013 - Juni 2015
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am DFG-Projekt »Der mittelalterliche Zweikampf als agonale Praktik zwischen Recht, Ritual und Leibesübung« an der Technischen Universität Dresden (Prof. Dr. Uwe Israel)

August 2012
Forschungsstipendiat des Deutschen Historischen Instituts, Paris

Juli 2011 und Februar 2012
Stipendiat des Collège doctoral franco-allemand der Johann Wolfgang Goethe-Universität und der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne

Juli 2009 - Juni 2012
Promotionsstipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes

November 2003 - November 2008
Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes

Oktober 2003 - November 2008
Studium der Politikwissenschaft sowie der Mittleren und Neueren Geschichte an der Goethe-Universität, Frankfurt a. M
 

Mitgliedschaften

  • Trierer Kolleg für Mittelalter und Frühe Neuzeit (TriKo)
  • Junges Kolleg am TriKo (wiss. Leitung zus. mit JProf. Andreas Lammer)
  • Acta Periodica Duellatorum, Scientific Committee
  • Centre européen d'études bourguignonnes (XIVe-XVIe siècles)
  • Martial Arts Studies Research Network, Cardiff University