Dr. Eric Burkart

Sprechstunde

Die Sprechstunde findet aus aktuellem Anlass jeden Dienstag von 10.00-11.00 Uhr ausschließlich über Zoom und telefonisch statt. Bitte nutzen Sie die Terminvergabe in StudIP und schicken Sie mir die zu besprechenden Materialien vorab per Email.

Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2021
  • BA-Übung: Die Hinrichtung des Paul Hector Mair (1579) - Das unrühmliche Ende eines Augsburger Ratsdieners (Di, 14-16, Digital)
  • BA-Übung: Christentum und Islam im Mittelalter – Lektürekurs an mittelfranzösischen Handschriften (Fr, 10-12, Digital)
  • MA-Hauptseminar: Stadtbürgerliche Selbstdarstellung in Hoch- und Spätmittelalter (Do, 14-16, Digital)

 

Forschungsinteressen

  • Praktiken des Kämpfens in der Vormoderne
  • Körper- und Wissensgeschichte, Körpertechniken
  • Mittelalterliche Stadtgeschichte
  • Frankreich und Burgund im Spätmittelalter
  • Kreuzzugsdiskurse im 14. und 15. Jahrhundert
  • Kulturgeschichte des Politischen
  • Rekonstruktive Sozialforschung
  • Epistemologie und Methodologie der Geschichtswissenschaft

 

Forschungsprojekte

Die Verschriftlichung der Kampfkunst. Praktiken des Kämpfens als Wissensobjekte in den Fechtbüchern des 14.–16. Jahrhunderts

Kämpfen stellt in den überlieferten Zeugnissen des Mittelalters eine der wichtigsten zwischenmenschlichen Interaktionsformen dar. Das gilt einerseits für die konkrete Praxis der gewalttätigen Auseinandersetzung in Krieg, Fehde oder Zweikampf, auf die heute aufgrund ihrer Flüchtigkeit lediglich Spuren wie archäologische Knochenbefunde oder im Kampf verwendete Artefakte verweisen können. Andererseits zählt das Kämpfen auch zu den am stärksten symbolisch aufgeladenen Handlungen menschlicher Kultur, sodass Darstellungen kämpferischer Handlungen in religiösen, historiographischen und literarischen Texten sowie als Motiv der bildenden Kunst eine zentrale Stellung einnehmen. Neben gewalttätigem Kämpfen im engeren Sinne sind aber auch Praktiken des reglementierten Wettkampfes und des nicht ernsten Kämpfens dokumentiert, die als Teil einer Übungs-, Freizeit- und Körperkultur eine wichtige soziale Rolle spielten.

Vor diesem Hintergrund entstanden im späten Mittelalter mit den Fecht- oder Kampfbüchern komplexe Fachschriften, welche das Beschreiben und Darstellen des Kämpfens mit der Praxis der physischen Auseinandersetzung verbanden: Anfang des 14. Jahrhunderts begannen Fechtmeister, ihr spezifisches Körperwissen und ihre didaktischen Praxislehren zu Ringkampf und Waffengebrauch in zumeist umfangreich bebilderten Handschriften aufzuzeichnen. Diese seit dem frühen 16. Jahrhundert auch im Druck verbreiteten Abhandlungen zum Kämpfen als (Handwerks-)Kunst stellen die ersten systematischen Aufzeichnungen zu mittelalterlichen Körpertechniken überhaupt dar. Sie setzten Maßstäbe auf dem Gebiet der Bewegungsnotation und prägten grundlegend den Aufbau unserer heutigen Ratgeberliteratur zu verschiedensten Sportarten. Bislang wurden die Kampfbücher jedoch noch nie umfassend aus einer kulturgeschichtlichen Perspektive untersucht.

Das Projekt nähert sich dem Korpus der handschriftlichen und gedruckten Kampfbücher des 14.–16. Jahrhunderts in Verbindung mit komplementären Zeugnissen auf einer

(1) diskurs- und mediengeschichtlichen,

(2) praxeographischen und

(3) kulturtheoretischen Ebene.

Entscheidend ist dabei, die Texte als Teil eines Ausbildungszusammenhangs zu analysieren, in dem das Kämpfen als subjektiv erlebte Praxis zum Gegenstand eines von Fechtmeistern dominierten Expertendiskurses wurde. Zentral hierfür war eine Professionalisierung im Verlauf des späten Mittelalters und die Gründung von zunftähnlichen Fechtbruderschaften auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches. Die Popularität von öffentlichem Unterricht und Fechtwettkämpfen zeugt zugleich von der Breitenwirksamkeit dieser Phänomene, die in erster Linie in einem städtischen Umfeld angesiedelt waren. Das Erkenntnisziel des Projekts besteht in der kulturgeschichtlichen Untersuchung der komplexen Beziehung zwischen handgreiflichen Praktiken des Kämpfens und ihrer Diskursivierung, Didaktisierung und Medialisierung unter Einbeziehung der Stadt als Produktionsraum kämpferischen Fachwissens.

 

Kreuzzug als Selbstbeschreibung. Burgundische Statuspolitik in den spätmittelalterlichen Traktaten des Jean Germain (Dissertation, im open access online verfügbar unter: https://doi.org/10.17885/heiup.628)

Die Geschichte der Valois-Herzöge von Burgund (1363–1477) kann aus der Retrospektive zu einer Gegenüberstellung von modernen und mittelalterlichen Elementen dieser Herrschaftsbildung verleiten. Insbesondere die Kreuzzugspläne Philipps des Guten (1419–1467) erscheinen vor dieser Folie wie das letzte Aufblühen einer mittelalterlichen Kultur, die nicht recht zu dem klassischen Narrativ eines »burgundischen Staates« passen will. Statt in Philipp dem Guten aber einen Don Quijote des 15. Jahrhunderts oder den Vorläufer des »letzten Ritters« Maximilian zu sehen, untersucht die Studie seine Kreuzzugsprojekte als Bestandteil einer burgundischen Statuspolitik: Die ostentative Bereitschaft zur Verteidigung des Glaubens erlaubte der jungen Dynastie, eine Höherrangigkeit im Kreis der europäischen Fürsten zu beanspruchen. Zur Analyse des burgundischen Kreuzzugsdiskurses stützt sich die Arbeit auf drei Traktate des Bischofs Jean Germain († 1461), die er als erster Kanzler des Ordens vom Goldenen Vlies verfasste. Methodologisch betritt sie dabei Neuland, indem eine sequenzanalytische Methode der rekonstruktiven Sozialforschung mit einer diskursanalytischen Perspektive verbunden und zur Untersuchung des Text-Bild-Programms spätmittelalterlicher Handschriften herangezogen wird.

 

Vita

Seit August 2015
Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Assistenz) an der Professur für Mittelalterliche Geschichte der Universität Trier (Prof. Dr. Petra Schulte)

Juli 2015
Promotion zum Thema  »Kreuzzugsbereitschaft als Selbstbeschreibung. Die Verteidigung des Glaubens als Element burgundischer Statuspolitik in den Traktaten des Jean Germain (†1461)« (Prof. Dr. Heribert Müller/Prof. Dr. Bernhard Jussen, Frankfurt a. M.)

Juli 2013 - Juni 2015
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am DFG-Projekt »Der mittelalterliche Zweikampf als agonale Praktik zwischen Recht, Ritual und Leibesübung« an der Technischen Universität Dresden (Prof. Dr. Uwe Israel)

August 2012
Forschungsstipendiat des Deutschen Historischen Instituts, Paris

Juli 2011 und Februar 2012
Stipendiat des Collège doctoral franco-allemand der Johann Wolfgang Goethe-Universität und der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne

Juli 2009 - Juni 2012
Promotionsstipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes

November 2003 - November 2008
Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes

Oktober 2003 - November 2008
Studium der Politikwissenschaft sowie der Mittleren und Neueren Geschichte an der Goethe-Universität, Frankfurt a. M.
 

Mitgliedschaften