Grenzpendelnde Kinder

Transnationale Bildungs- und Betreuungsarrangements junger Kinder in der Großregion

Projektmitarbeiterinnen: Prof.‘in Dr. Sabine Bollig, Carolin Dümmer (B.A.)

Kooperationspartner: Prof. Dr. Sascha Neumann, Université du Luxembourg


Vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung, welche die so genannte Großregion im Leben von Familien mit jungen Kindern einnimmt, untersucht das Forschungsprojekt grenzüberschreitende Alltagsmobilitäten im Feld der Frühen Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE). Konkret werden dabei die grenzüberschreitenden Bildungs- und Betreuungsarrangements von Kindern unter 6 Jahren fokussiert, d.h. von Kindern, die in Deutschland, Luxemburg, Frankreich oder Belgien  leben und in einem der Nachbarländer Angebote der öffentlichen Kindertagesbetreuung oder Früherziehung besuchen. 

Zur Zeit ist von einer hochdynamischen Entwicklung dieser grenzüberschreitenden Bildungs- und Betreuungsarrangements auszugehen, welche im Kontext neuer transnationaler Bildungs- und Betreuungspolitiken, der veränderten Betreuungsbedarfe und Bildungsambitionen von Familien mit kleinen Kindern und den Entwicklungen auf den grenzüberschreitenden Arbeitsmärkten der Großregion steht. Insbesondere die neue luxemburgische Betreuungspolitik, Betreuungsgutscheine zur kostengünstigen frühen Bildung, Betreuung und Erziehung auch an die ca. 20.000 Grenzgänger (Arbeitnehmer aus den angrenzenden Nachbarländern) mit Kindern unter 6 Jahre auszugeben, spielt hier eine bedeutsame Rolle. Im Jahr 2018 nutzten bereits 1637 Kinder von Grenzgängern diese Betreuungsgutscheine.

Bislang wurden diese grenzüberschreitenden Bildungs- und Betreuungsarrangements jedoch noch nicht untersucht. Dh., es ist weder bekannt, wie viele Kinder konkret täglich grenzpendeln, um Bildungs- und Betreuungseinrichtungen im Nachbarland zu besuchen, welche Familien sich aus welchen Gründen dafür entscheiden,  welche Einrichtungen aus welchen Gründen grenzpendelnde Kinder aufnehmen, welche neuartigen Formen von Bildungs- und Betreuungsarrangements sich darüber ausbilden und wie dies die Bildungs- und Betreuungsrealitäten von einzelnen Kindern und den pädagogischen Alltag in den betreffenden Einrichtungen und die Bildungsbiographien von Kindern verändert. Diese Fragen sind jedoch hochgradig relevant um zu erkennen, welche neuen Grenzräume früher Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE) sich in der Großregion ausbilden, wie diese das Feld der FBBE in der Region Trier verändern, welche Bildungsbiographien und neuen Bildungsungleichheiten mit diesen transnationalen FBBE-Räumen verknüpft sind und wie in fachlicher Perspektive darauf reagiert werden sollte.

Das Projekt zielt insofern auf die erstmalige Exploration von Bildungs-und Betreuungsarrangements 0-6 jähriger Kinder, die im Bereich der Großregion Kindertageseinrichtungen oder Tagespflegestellen im Nachbarland besuchen. Die gewonnen Erkenntnisse dienen zum Aufbau eines drittmittelbasierten Forschungs- und Transferschwerpunkts zur 'Grenzüberschreitenden frühen Bildung, Betreuung und Erziehung in der Großregion' an der Universität Trier.

Zur Zeit wird im Rahmen einer Pilotstudie zunächst mittels Experteninterviews das Feld qualitativ exploriert. Diese Exploration ist Teil eines Lehrforschungsprojektes, das im WS 2019/2020 unter Leitung von Prof.‘in Bollig im Masterstudiengang „Organisation des Sozialen“ angeboten wird. Ab 2019 ist eine standardisierte Online-Befragung von grenzpendelnden Eltern von Kindern unter 6 Jahren zu den Bildungs- und Betreuungsarrangements ihrer Kinder vorgesehen.


Förderung: Gleichstellungsbeauftragte der Universität Trier und Gleichstellungsbeauftrage des Fachbereichs I (03/2019 – 11/2019)

Projektmitarbeiterin: Carolin Dümmer (B.A.)

Kontakt:Prof.‘in Dr. Sabine Bollig