Steuerregister und Finanzverwaltung in einer Zeit der Krise: UB Trier S 77-9

Bearbeiter: Sara Marmai
Betreuer: Prof. Dr. Fabian Reiter

Die 39 ptolemäischen Fragmente, die unter der Inventarnummer UB S 77-9 registriert wurden, stellen innerhalb der Trierer Papyrussammlung eine bedeutsame Gruppe dar: Wegen ihrer paläographischen, inhaltlichen und stilistischen Ähnlichkeiten wurden die aus einer Mumienkartonage gewonnenen Stücke schon nach ihrer Erwerbung als selbständige Einheit identifiziert.
   Die Papyri stammen aus Mittelägypten und sind vermutlich im zweiten Jh. v.Chr. geschrieben worden. Die Texte enthalten Daten bezüglich der Kontrolle und Erhebung von Pachtzinsen und Steuern und erweisen sich somit als Produkt der staatlichen Finanzverwaltung, die sich auf Dorfebene mit der Vereinnahmung von Naturalzahlungen beschäftigte. Eine genauere Prüfung ermöglicht jedoch die Unterscheidung von zwei verschiedenen dokumetarischen Kategorien: Einerseits gehören die meisten Fragmente zu jährlichen Berichten der Steuerpflichtigen, andererseits ist auch der Teil eines Berichtes über die Einnahmen eines arsinoitischen Ergasterions erhalten, d.h. einer logistischen Zentrale, die den Getreidestrom von und zu den ihr untergeordneten Dorfspeichern kontrollierte und leitete.
   Die Bearbeitung beider Gruppen ermöglicht eine Verteifung unser Kenntnis des Steuersystems und der Wirtschaft während  der kritischen Periode des Reichs unter Ptolemaios VI. Philometor. Die enthaltenen Daten betreffen nähmlich viele noch umstrittene Steuer- und Flurbezeichnungen. Ein weiterer Schwerpunkt der Dissertation ist es, ein systematiches Verzeichnis häufig benutzter Abkürzungen und Symbole zusammenzustellen.