Abgeschlossene Drittmittelprojekte

Inductive Metaphysics

Projekt A4: Inductive Methods in Kant and Neo-Kantianism
Prof. Dr. Kristina Engelhard, Dr. Lorenzo Spagnesi, Prof. Dr. Dr. Brigitte Falkenburg (TU Dortmund), PD Dr. David Hommen (HHU Düsseldorf)
Gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (Projektseite) als Teil der Forschungsgruppe “Inductive Metaphysics” (FOR 2495)

Übergeordnetes Ziel der Forschungsgruppe „Inductive Metaphysics“ ist es, eine neue Konzeption der Natur und Methodologie von Metaphysik zu entwickeln. Dabei soll aufgezeigt werden, dass metaphysische Hypothesen und Theorien nicht allein durch begriffliche Intuitionen und reine Vernunftargumente begründet werden können, sondern – wie die Hypothesen und Theorien anderer Wissenschaften – wesentlich auch auf empirische Quellen und induktive Schlüsse gestützt sein sollten.

Das Teilprojekt A4 „Inductive Methods in Kant and Neo-Kantianism“ erforscht dabei den historischen Hintergrund der späteren Programme einer induktiven Metaphysik (IM) unter systematischen Gesichtspunkten mit besonderem Fokus auf die Philosophie Kants. Im Gegensatz zu äußerst einflussreichen Auffassungen des 19. und 20. Jahrhunderts behaupten wir, dass weder Kants Transzendentalphilosophie noch seine kritische Theorie der Natur ausschließlich auf apriorischen Methoden beruhte.

In der zweiten Phase erforscht Projekt A4 den historischen Hintergrund der späteren Programme einer induktiven Metaphysik (IM) unter systematischen Gesichtspunkten, wobei Kants kritische Philosophie und deren Rezeption durch den Neukantianismus im Zentrum stehen. Der Neukantianismus ist die wichtigste Brücke zwischen Kant und der gegenwärtigen IM. Im Gegensatz zu äußerst einflussreichen Auffassungen des 19. und 20. Jahrhunderts gehen wir davon aus, dass Kants kritische Theorie der Natur nicht ausschließlich auf apriorischen Methoden beruhte, sondern auch auf empirischen Annahmen. Des Weiteren gehen wir davon aus, dass die Philosophie der Marburger Schule sowie auch der Südwestdeutschen Schule des Neukantianismus diesen Zug erbt, was dort zur Spannung zwischen Begriffsbildungen a priori und der historischen Dimension der Wissenschaft führt. Teil I des Projekts befasst sich mit den Elementen induktiver Metaphysik in Kants kritischer Theorie der Natur. Wir wollen die Rolle von Analogieargumenten als einer induktiven Methode in Kants kritischer Philosophie untersuchen und eine Interpretation von Kants Metaphysischen Anfangsgründen der Naturwissenschaft (MAN) (1786) entwickeln, die dieses Werk in scharfem Kontrast zur üblichen Sicht zu einem beachtlichen Grad als Übung in induktiver Metaphysik betrachtet. Teil II konzentriert sich auf zwei spezifische Lehren von Kant, die systematisch relevant für die induktive Metaphysik sind. Erstens deuten wir die transzendentalen Ideen, soweit Kant ihren regulativen Gebrauch in der Transzendentalen Dialektik der Kritik der reinen Vernunft (KrV) behandelt und sie in den MAN anwendet, als Modelle. Wir wollen damit zeigen, dass Kants Metaphysik der Natur teilweise im Sinne einer Modellbildungs-Auffassung der Metaphysik verstanden werden kann. Zweitens argumentieren wir, dass seine Theorie des regulativen Gebrauchs der transzendentalen Ideen als Ansatz verstanden werden sollte, der Theoriewahl-Kriterien für Schlüsse auf die beste Erklärung liefern kann. Teil III untersucht die Elemente einer induktiven Metaphysik, die sich in der neukantianischen Tradition finden lassen. Im Zentrum stehen dabei die Systematisierung der Natur- und Geistes- bzw. Kulturwissenschaften in der Südwestdeutschen Schule des Neukantianismus und die systematische Philosophie der Marburger Schule. Im Rahmen der Forschergruppe zielt das Projekt insgesamt auf Klärung der folgenden Fragen: Wie verhält sich die Art und Weise, wie Kant die Begriffe und Ziele der Metaphysik in seiner Doktrin und seiner Durchführung der Metaphysik kritisiert und modifiziert hat, zum Logischen Empirismus? Inwiefern tragen Kants explizit modifiziertes Programm und seine Praxis der Metaphysik zu einem adäquaten heutigen Verständnis der IM bei? Führt aus einer kantischen Perspektive die IM auf ein verändertes Bild der Ziele und der Reichweite der Metaphysik? Wie wichtig ist der neukantianische Einfluss auf die IM?

 

Publikationen

Spagnesi, Lorenzo: "A Rule-based Account of the Regulative Use of Reason in Kant's Critique of  Pure Reason," European Journal of Philosophy (forthcoming)

Spagnesi, Lorenzo: „The Necessity of Empirical Laws of Nature through the Lenses of Kant’s Dialectic“, Kantian Review, Special Issue, „Kant and Natural Science“, edited by A. Cooper and A. Jones (invited)

Spagnesi, Lorenzo: „The Idea of God and the Investigation of Nature in Kant’s Transcendental
Dialectic“, Forthcoming in Kantian Review.

Spagnesi, Lorenzo: „Kant’s Space of Theoretical Reason and Science: A Perspectival Reading,“ in L. Caranti and A. Pinzani (eds.), Kant and the Contemporary World, Routledge (forthcoming).

Engelhard, Kristina: Dispositions manifest themselves. An identity theory of properties. In: Synthese. Online.

Engelhard, Kristina: Inductive Metaphysics in Christian Wolff’s German Metaphysics In: Inductive Metaphysics: Contemporary and Historical Issues. Special Issue of Grazer Philosophische Studien, 98,1 (2021), 146-166 (Hrsg. zusammen mit Alexander Gebharter, Christian Feldbacher –Escarmilla, Ansgar Seide). Online

Engelhard, Kristina: Inductive Metaphysics (mit Feldbacher-Escamilla, Chr. J./Gebhardter, A./Seide, A.). In: Inductive Metaphysics: Contemporary and Historical Issues. Special Issue of Grazer Philosophische Studien, 98,1 (2021), 1-26. Online

Engelhard, Kristina: (Hrsg. zusammen mit Alexander Gebharter, Christian Feldbacher –Escarmilla, Ansgar Seide) Traditional and Inductive Metaphysics. Special Issue der Grazer Philosophischen Studien (Mit Beiträgen von A. Bryant, R. Busse, K. Engelhard, A. Pelletier,  G. Schurz, A. Seide, M. Tugby).

Engelhard, Kristina: Induktive Metaphysik. In: Information Philosophie 2021.

 

Workshops

 


Philosophisches Forschungsinstitut für Medien und Kultur (2025)

Philosophische Konzeptionen und kulturelle Erscheinungen thematisieren die Medialität menschlicher Orientierung, sie sind aber auch selbst Ereignisse des Medialen. Hauptanliegen des Instituts ist die Erforschung dieser wechselseitigen Medienbezogenheit, die als Strukturmoment der Kultur angesehen werden kann. 

Die einzelnen Forschungsprojekte beschäftigen sich sowohl mit der historischen Entwicklung der Kultur- und Medienphilosophie als auch mit systematischen und aktuellen Fragestellungen, wie sie in den Grenzgebieten zu benachbarten Disziplinen verhandelt werden. Weitere Anknüpfungspunkte innerhalb der Philosophie finden sich in der Wissenschaftstheorie, der Erkenntnistheorie, der Ästhetik und Sprachphilosophie sowie der Praktischen Philosophie, die die normative Tiefendimension kultureller Orientierung thematisiert.

Zur Seite des Philosophischen Forschungsinstituts für Medien und Kultur.


Crantor of Soli: The Last of the Old Academics (DFG) (2020)

Investigator: Dr. Pia De Simone

Co-Investigator: Professor Dr. Benedikt Strobel

Cooperation Partner: Professor Dr. Christian Vassallo

Crantor of Soli (ca. 335–275 BC) was a prominent figure in the early history of Plato’s Academy, concerned with both literature and poetry, and philosophy. He was author of the first commentary on Plato's Timaeus and of an immensely popular early example of the genre of consolation letters: his On Grief. Of his writings only fragments have been preserved from references to him in the works of various ancient Greek and Roman writers, such as Cicero, Plutarch, Sextus Empiricus, Plinius, Proclus, Horace, Numenius, Lactantius. Notwithstanding their historical and philosophical value, Crantor’s fragments and testimonia have never been translated into English as a whole, and the only complete critical edition dates from almost forty years ago. This project aims to fill this unfortunate gap in Classical scholarship, making accessible to readers and scholars the sources on Crantor, and thereby shed new light on the interaction between Roman and Greek culture, since Crantor’s work affected both the Old Academy and Roman literature and philosophy. The first part of the research will require a critical reconstruction of Crantor’s fragments and testimonia, with an English translation and a commentary, in order to ascribe these pieces to specific works and to better contextualize their philosophical content. After this preliminary inquiry on the collection of sources on Crantor, the research will focus on the role of Crantor within the Old Academy. This detailed historical-philosophical investigation will deal first of all with his commentary on Plato’s Timaeus to bring out Crantor’s role in determining the Academy’s reading of Plato during Polemo’s years as head of the Academy and the beginning of the commentary tradition. In the second part, a specific study will be devoted on the role of Crantor’s On Grief in the Greco-Roman Consolatory Tradition. In particular, I will focus on Cicero’s Tusculanae III. The initial stages of Project will involve also a workshop dedicated to exploring the key issues on Crantor, gathering international scholars with expertise on Crantor and aim to tackle the challenges discussed in the research project.The outcome of the Fellowship will be the final publication of the monograph on the sources on Crantor, with an English translation and commentary; and an edited volume on Crantor and his context.

 

Publication:

P. De Simone, Crantor’s influence on Roman Consolatory Tradition. The case of Cicero, in: Rivista di Filosofia Neoscolastica 2/ 2020, 1-15.


Xenophanes von Kolophon (2012-2019)

Erschließung der Überlieferungskontexte durch Neu-Edition und -Kommentierung der Zeugnisse für den Zeitraum von der frühen Antike bis ins späte Mittelalter
Prof. Dr. Georg Wöhrle, Prof. Dr. Benedikt Strobel, Dr. Mathilde Brémond, Sandra Fait, Tobias Keppler

gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (Projektseite

Das Ziel dieses Projektteiles war es, möglichst sämtliche Zeugnisse über Xenophanes von Kolophon aus antiker und mittelalterlicher Zeit (bis ins 15. Jh.) zu versammeln und damit erstmals einen umfassenden Zugang zur antiken und mittelalterlichen Rezeption dieses bedeutenden vorsokratischen Philosophen zu ermöglichen. Die Gestaltung der Sammlung folgt den editorischen Prinzipien der beiden Vorgängerbände der im Verlag Walter de Gruyter Boston/Berlin erscheinenden Reihe „Traditio Praesocratica“ zu Thales (TP I) bzw. Anaximander und Anaximenes von Milet (TP II): Zum einen werden die insgesamt 348 Zeugnisse zusammen mit einer deutschen Übersetzung in chronologischer Abfolge und unter Berücksichtigung der syrisch-arabischen (und in einem Falle auch armenischen) Überlieferung abgedruckt; zum anderen werden die Themen der Xenophanes-Rezeption in Antike und Mittelalter mithilfe eines sog. Similienapparats erschlossen. Der Similienapparat orientiert über thematisch ähnliche Angaben zu Leben, Lehre und ggfs. Aussprüchen des Vorsokratikers, welche jeweils durch einen Begriff (z. Bsp. ‚Wurzeln der Erde‘, ‚Natur der Gestirne‘) knapp charakterisiert werden. Am Ende des Bandes findet sich eine Auflistung sämtlicher Similien mit ihren Fundstellen. Mit Hilfe dieser Auflistung ist schnell zu sehen, unter welchen Kennzeichnungen Xenophanes im Laufe der Überlieferungsgeschichte rezipiert wurde und wo die Kennzeichnungen auftreten und wo nicht. Ausführliche Register (darunter auch ein Register der direkten Xenophanes-Zitate) schließen den Band ab. Die deutschsprachige Übersetzung erschließt diese Sammlung auch philosophisch interessierten Lesern, die mit den jeweiligen Überlieferungssprachen nicht vertraut sind.

Publikation: