Projektbeschreibung
PROSOFLIP: Französisch-Deutsche L2-Prosodie: vom Labor in die Praxis
Die Prosodie von Nicht-Muttersprachler:innen ist ein kontinuierlich wachsendes Forschungsgebiet. Dennoch hat Prosodie (immer noch) einen “Cinderella-Status” im Fremdsprachenunterricht, obwohl experimentelle Forschung gezeigt hat, dass Sprachlernende eindeutig von prosodischen Fähigkeiten in der mündlichen Kommunikation profitieren würden.
Ausgehend vom Sprachpaar Französisch-Deutsch sind die Ziele des Projekts:
(1) die Brücke zwischen experimenteller Forschung und Lehre zu schlagen, indem drei zentrale prosodische Phänomene in den Fokus genommen werden: Wortakzent, kontrastiver Fokus und Sprachfluss;
und (2) die Bereitstellung maßgeschneiderter Lehrmaterialien für den gesteuerten Fremdsprachnunterricht. Damit bauen wir auf früheren Studien auf, die sich typischerweise nur einem dieser Ziele gewidmet haben.
Für jedes der drei prosodischen Phänomene entwickeln wir Trainings und Experimente, die sowohl die Sprachproduktion als auch die Sprachperzeption abdecken. Pre-Tests, Post-Tests und verzögerte Post-Tests werden an drei Gruppen von Lernenden durchgeführt: Das prosodische Training der beiden Experimentalgruppen umfasst visuelle Unterstützung, entweder durch Gesten oder Grafiken, im Gegensatz zur Kontrollgruppe, die am Wortschatz arbeitet. Die Trainings und Experimente werden digital durchgeführt, unter Verwendung einer App, die im Rahmen unseres Projekts professionell entwickelt wird.

Abbildung 1. Überblick über das Design für jedes Arbeitspaket (WP 1-3). Das Verfahren umfasst einen Pre-Test, ein prosodisches Training (Intervention), einen Post-Test sowie einen verzögerten Post-Test.
Um zu testen, ob Abweichungen in der L2-Prosodie der untersuchten Phänomene tatsächlich für Muttersprachler:innen (L1) problematisch sind und ob es Unterschiede zwischen den einzelnen Phänomenen gibt, untersuchen wir die Bereitschaft von L1-Sprecher:innen, Abweichungen von der L1-Sprache zu „verzeihen“.
Durch die Fokusierung auf Prosodie leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Erweiterung dieses bislang wenig erforschten Bereichs, der sogenannten Flexibilität mentaler Repräsentationen. Basierend auf den Ergebnisse der beiden experimentellen Teile (Effektivität der Materialien, Flexibilität mentaler Repräsentationen) werden wir Unterrichtsmaterialien entwickeln, die Lehrkräften als CC-lizenzierte Open Educational Resources (OER) auf einschlägigen offiziellen Plattformen in Frankreich und Deutschland zur Verfügung gestellt werden. Unser Projekt hat somit Implikationen für die L2-Forschung, die Sprachdidaktik sowie für Akteur:innen im gesteuerten Fremdsprachenerwerb.