Arbeitsbereich Neueste Geschichte



Herzlich Willkommen beim „Arbeitsbereich der Neuesten Geschichte der Universität Trier”! 

Das 20. und 21. Jahrhundert (Neueste Geschichte und Zeitgeschichte) ist eine Epoche raschen Wandels: Gesellschaftsstrukturen und Wirtschaft, Medien und Kunst, Politik und Umwelt, Handel und Infrastruktur, um nur einige Felder zu nennen. 

Im Arbeitsbereich Neueste Geschichte analysieren wir Dynamiken der Veränderung und die Wechselwirkungen zwischen den Bereichen, mit einem Schwerpunkt auf der Zeit seit dem Ersten Weltkrieg. Besondere Schwerpunkte liegen auf der Geschichte des Nationalsozialismus und seiner Aufarbeitung, der Geschichte des sexuellen Missbrauchs, der Geschichte des Krieges sowie der Finanz- und Steuergeschichte. Im Fokus stehen dabei einerseits die Region Trier und Rheinland-Pfalz (SEAL), anderseits und neben Deutschland die Länder Spanien, Griechenland und die USA. 


Aktuelles

Thomas Grotum erneut in den Fachbeirat zur Gedenkarbeit in Rheinland-Pfalz berufen

Thomas Grotum

Der Historiker Thomas Grotum, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Neueste Geschichte und Geschäftsführer der Forschungs- und Dokumentationsstelle SEAL, ist erneut (bis zum 4. Quartal 2028) als Mitglied in den Fachbeirat zur Gedenkarbeit in Rheinland-Pfalz berufen worden, dem er seit 2019 angehört. Zwecks Beratung in Fragen von Wissenschaft, Kunst, Kultur und Pädagogik beruft die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz seit 2001 alle drei Jahre den Fachbeirat, welcher bei der Ausgestaltung der Gedenkarbeit in Rheinland-Pfalz auf wissenschaftlicher und gedenkstättenspezifischer Grundlage beraten soll. Er tagt in der Regel zweimal pro Jahr.

Die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz leistet im Auftrag des Landes Rheinland-Pfalz Aufklärungsarbeit über den Nationalsozialismus an den drei landeseigenen Gedenkstätten:

  1. Am NS-Dokumentationszentrum Rheinland-Pfalz / Gedenkstätte KZ Osthofen
  2. An der Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert
  3. Am Lernort Gestapo Neustadt

Scoutausbildung im Rahmen des Projektseminars "Buddeln & Bilden"

Gruppenfoto

Vom 24. bis 26. April 2026 fand die Scoutausbildung im Rahmen des Projektseminar “Buddeln & Bilden” 2026 statt. Die Dozentin Alisa Alić führte an drei Tagen sowohl im Seminarraum als auch im Historischen Museum Saar und auf dem Gedenkstättengelände Gestapo-Lager Neue Bremm in Saarbrücken einen entsprechenden Workshop durch, an dem insgesamt 20 Personen teilgenommen haben. Die Veranstaltung dient der Vorbereitung des Jugend-Workcamps “Buddeln & Bilden” am 2. Juni 2026 in Saarbrücken. Die Gruppe trifft sich am Nachmittag des 1. Juni erneut in Saarbrücken, um letzte Dinge zu klären und mit dem Z(w)eitzeugen Horst Bernard zu sprechen. So sollten die Studierenden gut vorbereitet das Jugend-Workcamp am 1. Juni 2026 durchführen können und Erfahrungen in der außerschulischen Bildungsarbeit gewinnen.

Podcast: Im Archiv der sexualisierten Gewalt gegen Kinder und Jugendliche

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Historiker:innen Lena Haase und Lutz Raphael im Gespräch mit Laurens Schlicht

Im Oktober 2025 ist Laurens Schlicht nach Trier gereist, um sich dort mit Lena Haase und Lutz Raphael zu unterhalten. Beide sind Historiker:innen, die sich derzeit mit einer Aufarbeitungsstudie im Bistum Trier befassen, die Teil der dortigen Unabhängigen Aufarbeitungskommission ist. Lena Haase und Lutz Raphael haben im Rahmen ihrer Arbeit mit vielen Personen gesprochen, aber vor allem auch zahlreiche Akten studiert. Sie sind in der seltenen Position, einen unbeschränkten Zugang zu allen Akten des Bistums Trier zu haben, die sexualisierte Gewalt betreffen.

Was kann mit solchen Daten gemacht werden, wie findet man sie und wie kann man sie untersuchen? Darüber spricht Laurens Schlicht mit Lena Haase und Lutz Raphael. Außerdem gehen sie der Frage nach, was Aufarbeitung sexualisierter Gewalt aus Sicht von Historiker:innen, aber auch gesamtgesellschaftlich bedeuten kann, wie Historiker:innen vorgehen, wenn sie aufarbeiten und welche Zukunft die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im nationalen und internationalen Rahmen haben sollte.

»Podcast starten

Folgende Abkürzungen werden verwendet:

  • CC –  Codex Iuris Canonici, Kodex des kanonischen Rechts =  kirchliches Gesetzbuch.
  • UBSKM –Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs.
  • UAK – Unabhängige Aufarbeitungskommission (gemeint ist die Unabhängige Aufarbeitungskommission im Bistum Trier).

Folgende Institutionen und Verfahren werden genannt:

  • Plausibilitätsprüfung – Das Verfahren, das Kirchen eingesetzt haben, um schnell die Angaben von Betroffenen zu prüfen; geprüft wird nicht die Wahrheit, sondern die „Plausibilität“, also die Frage, ob die geschilderten Taten so geschehen sein können.

Folgende Studien werden genannt:

  • Studie zu sexualisierter Gewalt im Bistum Münster (Start 2019): Bernhard Frings, Thomas Großbölting, Klaus Große Kracht, Natalie Powroznik. Macht und sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche: Betroffene, Beschuldigte und Vertuscher im Bistum Münster seit 1945. Herder, 2022.
  • ForuM-Studie der Evangelischen Kirche „ForuM – Forschung zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und anderen Missbrauchsformen in der Evangelischen Kirche und Diakonie in Deutschland“ (Start 2020, Publikation des Abschlussberichts 2024).

Folgende Texte werden genannt:

  • Hockerts, Hans Günter. Die Sittlichkeitsprozesse gegen katholische Ordensangehörige und Priester 1936/1937: Eine Studie zur nationalsozialistischen Herrschaftstechnik und zum Kirchenkampf. Matthias-Grunewald-Verlag, 1971.

Folgende historische Ereignisse werden genannt:

  • Kirchenkampf: Verstärktes Engagement des nationalsozialistischen Regimes gegen die ideologische Vorherrschaft der Kirchen, 1936/1937; ein Mittel war die Anstrengung von Prozessen gegen Priester aufgrund von sogenannten „Sittlichkeitsdelikten“.

Quelle: cure.uni-saarland.de/2026/03/06/im-archiv-der-sexualisierten-gewalt-gegen-kinder-und-jugendliche/

Forschungskolloquium im Sommersemester 2026

Plakat

Tagung "Biografische Zugänge zur NS-Zeit in Rheinland-Pfalz" (9. März 2026 in der Gedenkstätte in Hinzert)

Ulli Backes
Ulli Backes während seines Vortrags. Foto: J. Reichmayr

Am 9. März 2026 fand in der Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert die 11. Präsentation von Ergebnissen des Forschungsprojekts zur Geschichte der Gestapo Trier statt. Die sehr gut besuchte Veranstaltung befasste sich mit biografischen Zugängen zur NS-Zeit im heutigen Rheinland-Pfalz. An dem gemeinsam von der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz und der Forschungs- und Dokumentationsstelle SEAL der Universität Trier organisierten Tag nahmen Vertreter:innen der Justiz (Staatsanwaltschaft Trier) und der Polizei, Kolleg:innen aus dem Saarland, dem Großherzogtum Luxemburg und aus Belgien sowie aus Rheinland-Pfalz teil. Die Lebensläufe von Theodor Eicke (der spätere Kommandant des KL Dachau und Inspekteur der Konzentrationslager, der vor 1933 in die Pirmasenser Bombenaffäre verwickelt war), Wilhelm Mäurer (der erste Leiter der Staatspolizeistelle Trier) und Eugen Wipf (der Schweizer Lagerälteste in Hinzert) wurden am Vormittag in Vorträgen präsentiert, um nach der Mittagspause an 3 Thementischen vertieft zu werden. Sie befassten sich mit den Schwerpunkten “Theodor Eicke - Ein Lebensweg in den Nationalsozialismus”, “Das Saargebiet unter Beobachtung (1933/34)” und “Funktionshäftlinge”. Nils Rath, Ulli Backes und Alisa Alić (krankheitsbedingt vertreten durch Thomas Grotum) boten ein vielfälltiges Bild. Die NS-Karrieren einer “gescheiterten Person" (Eicke) und eines ausgezeichneten Juristen (Mäurer) wurden dabei gegeneinander gestellt und die Grauzone zwischen Tätern und Opfern (Wipf) in den Blick genommen.

[Tagungs-Programm]

Jenseits des 20. Juli 1944 - Der vergessene Widerstand | Vortrag von Thomas Grotum über den Trierer Kommunisten Hans Eiden

Programm Seite 1
Programm Seite 2

Desmond Gozie Otih / Daniel E.D. Müller, Tagungsbericht: Jenseits des 20. Juli 1944 – Der vergessene Widerstand, in: H-Soz-Kult, 22.04.2026, https://www.hsozkult.de/conferencereport/id/fdkn-161599.

Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz Dr. Stefanie Hubig zu Gast beim Pfälzischen OLG Zweibrücken - Vortrag von Thomas Grotum

Ausstellung

Anlässlich der Vernissage der Wanderausstellung „Die Rosenburg“ besuchte die Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz Dr. Stefanie Hubig das Pfälzische Oberlandesgericht Zweibrücken. Die Wanderausstellung ist Teil der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vorgeschichte des Bundesministeriums der Justiz. Sie geht seit 2017 um die Welt und ist nach Stationen unter anderem in den USA, in Israel und Polen nun erstmals in Rheinland-Pfalz zu Gast.

Nach einem musikalischen Auftakt begrüßte der Präsident des Pfälzischen Oberlandesgerichts Bernhard Thurn die Anwesenden und betonte in seinem Grußwort, dass „wir in einer Zeit Leben, in der unsere demokratische Grundordnung zunehmend unter Druck gerät.“ Dieser Einschätzung schloss sich auch der Justizminister von Rheinland-Pfalz Philipp Fernis an, der ausführte, „dass das Grundgesetz die wehrhafte Demokratie definiert und dieses, in Recht gegossene „Nie wieder“ von allen gelebt und verteidigt werden muss“. Die Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz Dr. Stefanie Hubig mahnte in der Eröffnungsrede: "Demokratie und Rechtsstaat stehen weltweit unter Druck. Extreme und autoritäre Kräfte arbeiten gezielt an der Sabotage und Diskreditierung von Justiz, Parlament und Verwaltung. Die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte bleibt in Anbetracht dieser Gefahren besonders wichtig. Mit der "Rosenburg"- Wanderausstellung setzen wir ein Zeichen - wider das Vergessen und für eine kontinuierliche Erinnerung an das NS-Unrecht in der Justiz und an die personellen Kontinuitäten zwischen der Juristenschaft der NS-Diktatur und der frühen Bundesrepublik". Im Anschluss hörten die Gäste weitere Darbietungen des Trios „Les Musiciens du duc Christian“ der Musikschule Zweibrücken mit Musik des Komponisten Hans Gál, der selbst unter der Unrechtsherrschaft der Nationalsozialisten gelitten hatte. Zudem gab der Vortrag von Dr. Thomas Grotum zum Thema „Heinrich Welsch – Die Karriere des ehemaligen Generalstaatsanwaltes am Oberlandesgerichts Zweibrücken“ Anlass, über die Haltung und das Wirken führender Persönlichkeiten der Zweibrücker Justiz im Herzogschloss zur NS-Zeit nachzudenken.


Weiterführende Informationen:
Die „Rosenburg“ ist ein burgartiger Landsitz im Bonner Ortsteil Kessenich, der 1831 von Paläontologe und Zoologe Professor Georg August Goldfuß errichtet wurde. Von 1950 bis 1973 wurde sie als Sitz des Bundesministeriums der Justiz (BMJ) genutzt und die junge Bundesrepublik von den dort tätigen Juristen maßgeblich mitgestaltet. Der demokratische Neubeginn erfolgte allerdings auch im Bundesministerium der Justiz zum Teil mit dem alten Personal aus der NS-Zeit. Zur Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vorgeschichte hatte das Bundesjustizministerium 2012 eine Untersuchung in Auftrag gegeben. Ein Team von Wissenschaftlern unter der Leitung des Historikers Prof. Manfred Görtemaker und des Juristen Prof. Christoph Safferling hat mit dem „Rosenburg-Projekt“ untersucht, wie das Justizministerium in den 1950er und 1960er Jahren mit der NS-Vergangenheit seiner Mitarbeiter, den personellen und sachlichen Kontinuitäten, der Verfolgung von Verbrechen im Zusammenhang mit dem Holocaust sowie mit Amnestie und Verjährung umging. Die Ergebnisse des Abschlussberichts „Die Akte Rosenburg“ werden derzeit in der Wanderausstellung „Die Rosenburg“ im Pfälzischen Oberlandesgericht Zweibrücken vorgestellt. Die Ausstellung gliedert sich in neun Bereiche und schärft durch die Darstellung von Biographien und Originalaussagen mittels Stelen und Multimedia-Inhalten das Bewusstsein für den Umgang mit historischem Unrecht.

Öffnungszeiten zum Besuch der Wanderausstellung:
Montag bis Donnerstag, 8 bis 17 Uhr
Freitag, 8-13 Uhr
Zusatztermine:
09.-10.01.2026
06.-07.02.2026
06.-07.03.2026
Freitags von 8-17 Uhr und samstags vom 10 – 15 Uhr

Links:
Wanderausstellung: www.bmjv.de/rosenburg
Flyer Rosenburg Zweibrücken

Text: https://olgzw.justiz.rlp.de/presse-aktuelles/detail/die-bundesministerin-der-justiz-und-fuer-verbraucherschutz-dr-stefanie-hubig-zu-gast-beim-pfaelzischen-oberlandesgericht-zweibruecken

Interview mit Lena Haase: Warum Frauen den Holocaust anders als Männer erlebten (SWR-Aktuell)

Foto Lager

Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Interview: Warum Frauen den Holocaust anders als Männer erlebten

Hunger, Erniedrigung und Gewalt mussten alle Inhaftierten in Konzentrations- und Arbeitslagern ertragen. Frauen erlebten den Schrecken dennoch anders als Männer.

SWR-Aktuell | 27.1.2026 | 16:14 Uhr | 10:04 Min.

Von Autor/in: Jeanette Schindler

Der rheinland-pfälzische Landtag gedenkt jedes Jahr am 27. Januar der Opfer des Nationalsozialismus. Und in diesem Jahr stehen zum ersten Mal die verfolgten und ermordeten Frauen im Mittelpunkt. SWR Aktuell hat darüber mit der Historikerin, Dr. Lena Haase von der Universität Trier gesprochen. Sie forscht seit mehr als zehn Jahren zum NS-Frauenlager in Flußbach in der Südeifel.

SWR Aktuell:Frau Haase, lange Zeit wurde die Verfolgung der Frauen in der NS-Zeit kaum beleuchtet. Erst mit der Frauenbewegung in den 80er Jahren hat sich die Öffentlichkeit gefragt: Wie war das eigentlich für verfolgte Frauen, was haben sie erlebt? Sie haben mehr als 1.800 Frauenschicksale erforscht, gab es da eine Gemeinsamkeit, eine Erfahrung die alle Frauen gleichermaßen gemacht haben? 

Dr. Lena Haase: Eine ganz generelle Gemeinsamkeit zu nennen, ist schwierig. Aber ich würde anknüpfen an dem, was Sie gerade in der Anmoderation erwähnt haben, nämlich, dass Frauen einfach lange Zeit überhaupt gar nicht im Fokus standen - weder in der Forschung, noch der öffentlichen Auseinandersetzung. Das ist ein sehr typischer Befund, dass Frauen nach '45 ganz gleich, welche Rollen sie vorher gespielt haben während der NS-Zeit, erstmal wieder in ihre ursprüngliche Rolle, häufig als Hausfrau und Mutter wieder zurückgegangen sind. Sie sind wieder hinter die Männer zurückgetreten.

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Korinna Schönhärl und Caren Sureth-Sloane: Steuern und Steuergerechtigkeit – Ein Gespräch

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Korinna Schönhärl und Caren Sureth-Sloane

Steuern und Steuergerechtigkeit - Ein Gespräch


LINK» https://ethik-und-gesellschaft.de/ojs/index.php/eug/article/view/3760

in: ethik und gesellschaft. ökumenische zeitschrift für sozialethik Nr. 2 (2025): Die andere Seite der sozialen Gerechtigkeit: Eine gerechtere Finanzierung steigender öffentlicher Ausgaben 

Aus betriebswirtschaftlicher und historischer Perspektive diskutieren die beiden Wissenschaftlerinnen, warum es so schwer ist zu definieren, was steuerlich gerecht ist. Sie überlegen zusammen, wo Probleme des deutschen Steuersystems liegen und wie man diese im Hinblick auf die Gerechtigkeit des Systems bearbeiten könnte. Dabei werden die unterschiedlichen Ausgangspunkte ebenso deutlich wie die Überschneidungsfelder, auf denen Lösungen gesucht und gefunden werden können.

Korinna Schönhärl rezensiert die Studie "Leben auf Kredit" von Felix Krämer

Rezension
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