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Link für Teilnehmer/innen des 27. Kolloquiums zur Polizeigeschichte in München

Findmittel SHD Vincennes

Die Gestapo Trier in der Christophstraße 1

Justiz und Polizei im regionalen Umfeld in der NS-Zeit

Einführung

Jahrzehntelang galt die Geheime Staatspolizei (Gestapo) als eine allgegenwärtige, allwissende und allmächtige Institution. Dieses Bild wurde in der NS‐Zeit bewusst durch die Presse propagiert und ist von der Forschung in der Nachkriegszeit meist unkritisch übernommen worden. Lokale und regionale Studien der letzten 25 Jahre haben dagegen belegt, dass es sich um einen Mythos handelt. Ohne zahlreiche Denunziationen aus der Bevölkerung und eingesetzte V‐Leute hätte die Gestapo ihre Arbeit nicht so „erfolgreich“  erledigen können. Dies soll keinesfalls die Verbrechen, die die Gestapo zu verantworten hat, relativieren oder gar beschönigen. Vielmehr gilt es, den Fokus nicht nur auf die Gestapo selbst, sondern auch auf ihr Verhältnis zur Bevölkerung und anderen Institutionen wie z.B. der Justiz zu lenken.

Über die Tätigkeit der am 5. Mai 1933 etablierten Staatspolizeistelle Trier war bis vor eini­gen Jahren nur wenig bekannt, da geschlossene Aktenbestände, die Auskunft über ihre Geschichte geben könnten, nahezu vollständig fehlten. Ein Versuch, Details über die regionalen NS-Verfolgungsinstanzen im Rahmen der in den 1980er Jahren vorgelegten Trierer Stadt­geschichte zu ermitteln, scheiterten an der schlechten Quellenlage. Dass die von 1935 bis Ende 1944 in zwei Etagen des ehemaligen Reichsbahndirektionsgebäudes in der Christoph­­straße 1 untergebrachte Gestapo in vielfältiger Weise an verbrecherischen Taten beteiligt war, kann durch zahlreiche Einzelbeispiele belegt werden. Es liegen Augenzeugenberichte von Betroffenen vor, die von Misshandlungen durch die Gestapo berichten (z.B. Willi Tor­gau und Orli Wald). Ferner existierte eine personelle Verbindung zum nahege­legenen SS‐Sonderlager/Konzentrationslager Hinzert. Das dortige „Vernehmungs­komman­do“ setzte sich aus Beamten der Gestapo Trier und Luxemburg zusammen. Im Verlauf von „verschärften Vernehmungen“ wurde gegenüber Häftlingen oft auch Gewalt einge­setzt, um Geständnisse zu erzwingen. Dass die Gestapo Trier als Dreh‐ und Angelpunkt für das Lager in Hinzert diente, belegt ein weiteres Ereignis. Am 16.10.1941 holte die Gestapo Trier 70 sowjetische Kriegsgefangene eines Arbeitskommandos auf dem Truppen­übungsplatz Baumholder ab, um sie nach Hinzert zu bringen, wo sie sofort mittels Injek­tion einer Zyankalilösung ermordet worden sind. Eine der wenigen publizierten Quel­len, die die Tätigkeit der Staatspolizeistelle Trier dokumentiert, ist das Tagebuch des N‐Re­ferates, das sich auf die Jahre 1944 und 1945 bezieht. Darin sind 372 Fälle festgehal­ten, in denen Personen von Informanten bei der Gestapo Trier denunziert wurden.

Wie diese kurze Auflistung andeutet, ist die Erforschung der Geschichte der Gestapo Trier wie ein Puzzle angelegt, das zwangsläufig unvollständig bleiben wird. Eine erste systematische Recherche hatte Hinweise auf zahlreiche interessante Quellenbestände ergeben, die es auszuwerten gilt. In der Zwischenzeit konnten zahlreiche Akten aus unterschiedlichsten Zusammenhängen zusammengetragen werden (→ Initiative und Quellen). Ein beachtlicher Quellenfund sind die mehr als 3.530 Ermittlungsakten, die im französischen Militärarchiv (Service historique de la Défense) in Vincennes aufgetaucht sind und derzeit in Trier erschlossen werden (→ Aktenerschließung SHD in der Rubrik "Teilprojekte").