Die Gestapo Trier in der Christophstraße 1 - Justiz und Polizei im regionalen Umfeld in der NS‐Zeit

Aktuelles

► Fernsehbeitrag im SR (aktueller bericht | Video | 06.05.2022 | Dauer: 00:02:56 | SR Fernsehen) über das Jugend-Workcamp "Buddeln und Bilden" am 6. und 7. Mai 2022.
► Interview mit Lutz Raphael über seine Ziele als VHD-Vorsitzender. Zu Gast bei L.I.S.A.
► Hinweis auf die Vortragsreihe "Gestapo Trier in Trier 1933-1945" im Stadtmuseum Simeonstift Trier (Uni-Homepage). Hier der nächste Vortrag von Sebastian Opp am 10. Mai 2022 zum Thema "Der Westwall in der Region Trier und die Anfänge des SS-Sonderlagers Hinzert" (5vier.de vom 4. Mai 2022 und vom 6. Mai 2022).
► Der Landtag Rheinland-Pfalz berichtet über die erste Gedenkstättenreise des Vorstandes am 3. März 2022, der sie auch nach Bruttig (an den Ort des ehemaligen "KZ-Außenlagers Kochem") führte, wo Lena Haase und Thomas Grotum über die digitale Aufarbeitung des "Wegs der Erinnerung" referierten (Facebook-Bericht).
► Berichterstattung über die Oberbürgermeister-Ahnengalerie im Rathaus Trier und das Gutachten von Franziska Leitzgen: Trierischer Volksfreund vom 3.3.2022, S. 11; Website Stadt Trier, Rathaus-Zeitung Trier vom 8.3.2022, S. 5 und lokalo.de.
► Fernsehdokumentation "GESTAPO - La Police de la Terreur" (F, 43 min.) mit Lena Haase, Ulrich Herbert, Serge Klarsfeld, Cédric Neveu, Ryan Stackhouse und Tal Bruttmann - Réalisateur: Nicolas Bozino (2021).
► Medieninstallation Erinnerlicht  am 27./28./29. Januar 2022, jeweils von 17:30 bis 21:30 Uhr, an der Porta Nigra (Broschüre). Bericht im Trierischen Volksfreund vom 29./30. Januar 2022, S. 9 und Fernsehbeiträge in swr-Landesschau RLP und swr-aktuell RLP vom 28.01.2022.
► Trailer zum neuen digitalen Kartenraum in der Gedenkstätte KZ Osthofen, an dessen Umsetzung auch Mitarbeiter*innen des Forschungsprojekts zur Geschichte der Gestapo Trier mitgearbeitet haben.
► Artikel  über die Ausstellungseröffnung "Einige waren Nachbarn - Täterschaft, Mitläufertum und Widerstand" in der Rathaus-Zeitung Trier 27 (2022), Nr. 4, S. 7.
► Lehrpreis 2021  für Lena Haase (gemeinsam mit Prof. Dr. Mohamad El-Ghazi) für die interdisziplinäre Lehrveranstaltung "Strafverfahren im Nationalsozialismus" im Wintersemester 2020/21.
► Veröffentlichung  Thomas Grotum/Lena Haase/Georgios Terizakis (Hg.): Polizei(en) in Umbruchsituationen. Herrschaft, Krise, Systemwechsel und "offene Moderne" (Geschichte und Ethik der Polizei und öffentlichen Verwaltung), Wiesbaden 2021.
► Zeitungsbericht über das Hissen von 3 Fahnen, die auf das Jubiläumsjahr "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" hinweisen (Rathaus-Zeitung Trier 26 (2021), Nr. 50, S. 10). Unter den von Kulturdezernent Markus Nöhl Geladenen befanden sich auch Lukas Clemens und Thomas Grotum.
► Veröffentlichung  Luxemburg und das Dritte Reich - Eine Bestandsaufnahme ist erschienen, mit Beiträgen von Lena Haase und Thomas Grotum.
► Artikel über den Abschluss des Kartenprojekts in der KZ-Gedenkstätte Osthofen unter Beteiligung des Forschungsprojekts "Gestapo Trier" (Allgemeine Zeitung vom 21.10.2021).
► Kooperationsabkommen zwischen der Universität Trier und der Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz abgeschlossen: Polizeihistorische Forschung gemeinsam stärken.
► Publikationspreis 2021 für Lena Haase für ihren Aufsatz "Die Staatsanwaltschaft auf dem Abstellgleis? Behördliches Selbstverständnis der Staatsanwaltschaft Trier im Nationalsozialismus" (in: "Kontrolle, Konflikt und Kooperation. Festschrift 200 Jahre Staatsanwaltschaften Koblenz und Trier (1820-2020)").
► Veröffentlichung Andreas Borsch u.a.: Verzahnung von sprachlicher und gesellschaftlicher Bildung in der Projektarbeit: dargestellt am Beispiel des Projekts Trier in der NS-Zeit im Programm „Fit fürs Studium“, in: Busch, Matthias u.a. (Hg.): Bedingungen und Bezüge politischer und sprachlicher Bildung, Frankfurt a.M. 2021, S. 148-167.
► Veröffentlichung  Wolfgang Bohnen/Lena Haase (Hrsg.): Kontrolle, Konflikt und Kooperation. Festschrift 200 Jahre Staatsanwaltschaften Koblenz und Trier (1820-2020) - mit Beiträgen von Thomas Grotum, Lena Haase und Franziska Leitzgen.

Einführung

Jahrzehntelang galt die Geheime Staatspolizei (Gestapo) als eine allgegenwärtige, allwissende und allmächtige Institution. Dieses Bild wurde in der NS‐Zeit bewusst durch die Presse propagiert und ist von der Forschung in der Nachkriegszeit meist unkritisch übernommen worden. Lokale und regionale Studien der letzten 25 Jahre haben dagegen belegt, dass es sich um einen Mythos handelt. Ohne zahlreiche Denunziationen aus der Bevölkerung und eingesetzte V‐Leute hätte die Gestapo ihre Arbeit nicht so „erfolgreich“  erledigen können. Dies soll keinesfalls die Verbrechen, die die Gestapo zu verantworten hat, relativieren oder gar beschönigen. Vielmehr gilt es, den Fokus nicht nur auf die Gestapo selbst, sondern auch auf ihr Verhältnis zur Bevölkerung und anderen Institutionen wie z.B. der Justiz zu lenken.

Über die Tätigkeit der am 5. Mai 1933 etablierten Staatspolizeistelle Trier war bis vor eini­gen Jahren nur wenig bekannt, da geschlossene Aktenbestände, die Auskunft über ihre Geschichte geben könnten, nahezu vollständig fehlten. Ein Versuch, Details über die regionalen NS-Verfolgungsinstanzen im Rahmen der in den 1980er Jahren vorgelegten Trierer Stadt­geschichte zu ermitteln, scheiterten an der schlechten Quellenlage. Dass die von 1935 bis Ende 1944 in zwei Etagen des ehemaligen Reichsbahndirektionsgebäudes in der Christoph­­straße 1 untergebrachte Gestapo in vielfältiger Weise an verbrecherischen Taten beteiligt war, kann durch zahlreiche Einzelbeispiele belegt werden. Es liegen Augenzeugenberichte von Betroffenen vor, die von Misshandlungen durch die Gestapo berichten (z.B. Willi Tor­gau und Orli Wald). Ferner existierte eine personelle Verbindung zum nahege­legenen SS‐Sonderlager/Konzentrationslager Hinzert. Das dortige „Vernehmungs­komman­do“ setzte sich aus Beamten der Gestapo Trier und Luxemburg zusammen. Im Verlauf von „verschärften Vernehmungen“ wurde gegenüber Häftlingen oft auch Gewalt einge­setzt, um Geständnisse zu erzwingen. Dass die Gestapo Trier als Dreh‐ und Angelpunkt für das Lager in Hinzert diente, belegt ein weiteres Ereignis. Am 16.10.1941 holte die Gestapo Trier 70 sowjetische Kriegsgefangene eines Arbeitskommandos auf dem Truppen­übungsplatz Baumholder ab, um sie nach Hinzert zu bringen, wo sie sofort mittels Injek­tion einer Zyankalilösung ermordet worden sind. Eine der wenigen publizierten Quel­len, die die Tätigkeit der Staatspolizeistelle Trier dokumentiert, ist das Tagebuch des N‐Re­ferates, das sich auf die Jahre 1944 und 1945 bezieht. Darin sind 372 Fälle festgehal­ten, in denen Personen von Informanten bei der Gestapo Trier denunziert wurden.

Wie diese kurze Auflistung andeutet, ist die Erforschung der Geschichte der Gestapo Trier wie ein Puzzle angelegt, das zwangsläufig unvollständig bleiben wird. Eine erste systematische Recherche hatte Hinweise auf zahlreiche interessante Quellenbestände ergeben, die es auszuwerten gilt. In der Zwischenzeit konnten zahlreiche Akten aus unterschiedlichsten Zusammenhängen zusammengetragen werden (→ Initiative und Quellen). Ein beachtlicher Quellenfund sind die mehr als 3.530 Ermittlungsakten, die im französischen Militärarchiv (Service historique de la Défense) in Vincennes aufgetaucht sind und derzeit in Trier erschlossen werden (→ Aktenerschließung SHD in der Rubrik "Teilprojekte").