Jahrgang 2018/2019

Digitalisierung ist eines der zentralen Diskussionsthemen der heutigen Zeit. Debatten über „Industrie 4.0“, das „Internet der Dinge“ und die „Gigabit-Gesellschaft“ gehen einher mit der nicht mehr wegzudenkenden Nutzung von digitalen Medien, die nicht mehr nur Jugendliche in ihrem Alltag begleiten, sondern durch alle gesellschaftlichen Schichten hindurch eine Veränderung hervorbringen. Im Vergleich zur Bundesrepublik findet die Digitalisierung in der Volksrepublik China in beispielloser Geschwindigkeit statt.      Diese Vorreiterstellung, die China im Bereich der Digitalisierung einnimmt, ist es, die im Projektjahr 2018/19 von „Chinabilder in Bewegung“ im Mittelpunkt stand. Im Rahmen der Veranstaltungen sollten sich die teilnehmenden Schülerinnen (im Jahrgang 2018/19 haben sich nur weibliche Teilnehmer angemeldet) unter professioneller Anleitung von WissenschaftlerInnen und Lehrkräften mit der Entwicklung der Digitalisierung in China auseinandersetzen. Neben der Vermittlung grundlegender wissenschaftlicher Analysemethoden, wie die Methodik zur quantitativen und qualitativen Medienanalyse, wurden die Schülerinnen auch in grundlegende Kenntnisse über die VR China und die chinesische Kultur eingeführt. Die Kombination aus Methodik und Wissensvermittlung fand in den ersten vier Workshoprunden des Projektjahrs statt.

            Am 26.10.2018 begann das vierte Jahr des Projektes „Chinabilder in Bewegung“ der Fächer Sinologie und Computerlinguistik der Universität Trier in Kooperation mit den Gymnasien der Region Trier. In der ersten Veranstaltung hatten die 10 Teilnehmerinnen während eines Interkulturellen Trainings die Möglichkeit einander kennenzulernen und zudem einige theoretische und praktische Erkenntnisse zum Themenkomplex der Interkulturellen Kommunikation zu erlangen. Zunächst wurden die Anwesenden mit einigen herzlichen Grußworten von Projektleiter Prof. Dr. Christian Soffel begrüßt. Der darauffolgende erste inhaltliche Teil des Workshops war das Spiel KultuRally welches durch variierende Regeln und unterschiedliche, indirekt interagierende Spielgruppen, die Sensibilität der Teilnehmer für interkulturelle Spannungen und Begegnungen stärkt. Im Anschluss vervollständigte Prof. Dr. Yong Liang das Bild mit einem Vortrag über die theoretischen Grundlagen der Interkulturellen Kommunikation.

            Im zweiten Workshop standen Chinas Geografie und das politische System im Zentrum. Außerdem lernten die Teilnehmerinnen die chinesische Sprache in einem Crashkurs kennen. In seinem Vortrag zeigte Dr. Jan Goldenstein zunächst die geografische, klimatische und damit verbundene kulturelle Vielfalt der Volksrepublik China auf. Im zweiten Teil der Präsentation erhielten die Anwesenden einen Einblick in das politische System der Volksrepublik sowie dessen zentrale Institutionen und Führungspersönlichkeiten. Daran anschließend führte Liao Fang-chieh, M.A., die Schülerinnen in die chinesische Sprache ein. Hierbei erfuhren sie Wissenswertes über Aufbau, Aussprache und Grammatik des Chinesischen und konnten innerhalb kürzester Zeit erste Sätze bilden.

            Nach einer kurzen Begrüßung durch die Projektkoordinatorin Carmitha Klink, M.A., führte Dr. Jan Goldenstein im dritten Workshop dann durch die Themen Internet und Digitalisierung in China. Nach einem historischen Abriss erfuhren die 10 Teilnehmerinnen, wie die Volksrepublik von einem späten Einsteiger in die Themenbereiche Internet und Digitalisierung zu einer der führenden Internetnationen der Welt und einem Trendsetter im Bereich Digitalisierung werden konnte. Zum Abschluss der Veranstaltung stellte Frau Klink kurz das im chinesischen Digitalmarkt führende Unternehmen Alibaba vor.

           Es folgte ein Workshop zur Einführung in die computerlinguistische Methode des information retrieval. Dort wurde vor allem die quantitative Methodik der Sentimentanalyse genauer betrachtet, wodurch die Schülerinnen in die Lage versetzt wurden, das Stimmungsbild in einem Text sowohl selbst als auch mittels einer Software in konkreten Zahlen zu fassen. Außerdem stellten die Dozenten ein selbst programmiertes Programm vor, welches anhand eines vorher recherchierten Korpus von chinabezogenen Zeitungsartikeln zeigte, wie eine Suchmaschine funktioniert und wie diese ggf. beeinflusst werden kann. Dieser Workshop wurde von den Beteiligten der Computerlinguistik Herr Kai Kugler, M.A. und Frau Chen Yi-Hsiu, B.A., durchgeführt.

            Den Höhepunkt des Projektjahres stellte der Intensiv-Workshop an der Europäischen Akademie in Otzenhausen vom 13.04. – 14.04.2019 dar. Zur Vorbereitung der Schülerinnen auf die kommenden Aufgaben hielt Frau Langkammerer einen 20-minütigen Vortrag zur Methodik der „Kritischen Diskursanalyse“. Nach der ersten Gruppenarbeitsphase folgte ein sehr lebendiger Vortrag der wissenschaftlichen Hilfskraft Lars Beck zum Thema Präsentationstechniken. Danach wurde, in der zweiten Gruppenarbeitsphase, an den ausgewählten Texten weitergearbeitet. Den Schlusspunkt des Tages setzte der Vortrag von Prof. Dr. Soffel zum Thema „Chinabilder im Wandel“.

Der zweite Tag des Workshops begann mit einem sehr anschaulichen Vortrag der Gastdozentin Prof. Dr. Dr. Nele Noesselt zur Thematik „Digitalisierung in der Volksrepublik China“. In der darauffolgenden, finalen Gruppenarbeitsphase, wurden die Ergebnisse des Vortages zusammengefasst und optisch aufbereitet. Nach einer kurzen Pause stellten die Gruppen ihre Präsentationen vor und die Ergebnisse wurden im Plenum diskutiert. Folgende Themen wurden vorgestellt:

Gruppe 1: „Schlafende Riesen“

                    Qualitative Textanalyse zur Thematik Chinesische Großkonzerne

Gruppe 2: „Auf dem Weg zur totalen Überwachung“

                   Qualitative Textanalyse zur Thematik Social Credit System in China

Gruppe 3: Sentimentanalyse

                   Quantitative Analyse von Zeitungstexten mit Chinabezug

           

            Am 24.05.2019 wurden die Ergebnisse des Intensiv-Workshops in einem Kolloquium noch einmal aufbereitet. Die Schülerinnen hatten an diesem Nachmittag die Möglichkeit ihre erarbeiteten Materialien aus Otzenhausen in einer Präsentation vorzubereiten.    Um die Arbeit der Schülerinnen auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wurden die im Intensivseminar erstellten Plakate in den Räumlichkeiten der Universität Trier ausgestellt. Weiterhin wurde auf der Homepage des Projekts chinabilder-in-bewegung.uni-trier.de über die Veranstaltungen berichtet.

                        Es ist auch den großzügigen Mitteln der Nikolaus Koch Stiftung zu verdanken, dass wir das Projekt gestalten und den Bedürfnissen der Schülerinnen anpassen konnten, die dadurch einen für Schülerinnen und Schüler seltenen Einblick in die Methoden und Vorgehensweisen des Studiums gewinnen konnten. Dafür möchten wir uns sehr herzlich bedanken.