Maritime History

Lange Zeit die Domäne von Marineoffizieren und Militarhistorikern, entwickelte sich die maritime Geschichte im Anschluss an Fernand Braudels wegweisende Studie „La Méditerranée et le Monde Méditerranéen à l'Epoque de Philippe II“ (frz. Erstauflage 1949) zu einem dynamischen Forschungsfeld. Forscher*innen verstehen das Meer heute als einen sowohl durch menschliches Handeln konstituierten aber auch von physikalischen Gegebenheiten geprägten Raum. Sie nehmen dabei konzeptionelle Anregungen des spatial turn auf und tragen ihrerseits zu vielen Forschungsfeldern, insbesondere der transnationalen und globalen Geschichte bei. In den letzten Jahren wird dabei zunehmend der Ruf laut, den Ozean nicht nur als Metapher zu gebrauchen oder als Medium der Konnektivität zu begreifen, sondern die Materialität des Raumes Meer ernst zu nehmen und die Rolle nicht-menschliche Akteure in historischen Prozessen zu berücksichtigen.

Der Arbeitsbereich Internationale Geschichte trägt sowohl durch Projekte als auch durch Engagement in größeren Forschungszusammenhängen wie etwa dem „Trierer Institut zur Erforschung des Transfers von Menschen, Gütern und Ideen von der Antike bis zur Gegenwart“ (TRANSMARE) zur Weiterentwicklung dieses Forschungsfeldes bei. So leitet Eva Bischoff ein Projekt zur transozeanischen Geschichte, welches die atlantische Geschichte mit der Geschichte des Pazifiks/Ozeaniens verbindet und sich einem in der Forschung bislang vernachlässigten Aspekt widmet: der Rolle maritimer Ökonomien für Entstehung der anglophonen Siedlerkolonien in Australasiens im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert. Sie ist außerdem die Organisatorin der International Konferenz “Australian Seascapes” (gleichzeitig die 17. Zweijahreskonferenz der Gesellschaft für Australienstudien), die vom 30. September bis 2. Oktober 2021 an der Universität Trier stattfinden wird. Darüber hinaus rekonstruiert Haureh Hussein den sozioökonomischen Interaktionsraum zwischen exemplarisch ausgewählten euroamerikanischen Walfang-Familien und Māori in der Bay of Islands auf der Nordinsel Aotearoas/ Neuseelands. Thomas Schira beleuchtet die Rezeption von John Jewitts „capitivity narrative“, die erstmals 1807 über seine Erlebnisse in der maritimen Kontaktzone der kanadischen Pazifikküste berichtete.

Partnerinstitutionen

  • Institut TRANSMARE — Trierer Institut zur Erforschung des Transfers von Menschen, Gütern und Ideen von der Antike bis zur Gegenwart
  • Australian Seascapes