Drittmittelprojekte
- Erkennbare Wirkungen ohne erkennbare Ursachen: Kants Philosophie der „Biologie” und ihr wissenschaftliches Vermächtnis
- Quellen zur Berliner Mittwochsgesellschaft: Edition und Kommentierung der Moehsen-Papiere
- Projekt "Aufbau des "Instituts für Allgemeine und Angewandte Ethik"" (Nikolaus Koch Stiftung)
- Neuedition von Kants "Prolegomena" (Manfred und Christa May Stiftung)
Erkennbare Wirkungen ohne erkennbare Ursachen: Kants Philosophie der „Biologie” und ihr wissenschaftliches Vermächtnis

Das vorliegende Projekt untersucht Kants Philosophie der Biologie und stellt dabei die Frage: Inwiefern stellt Kants kritische Philosophie eine Herausforderung für traditionelle und gegenwärtige Notionen von Leben, Organismus und Biologie als Wissenschaft dar? Ziel ist es, drei zentrale Thesen zu entwickeln und zu verteidigen, die gängige Annahmen in den philosophischen Grundlagen der Biologie im Anschluss an Kant in Frage stellen. Erstens ist in Kants theoretischem Rahmen der Begriff des Lebens untrennbar mit dem Begehrungsvermögen verknüpft. Im Gegensatz zu heutigen biologischen Definitionen, die alle selbst-organisierenden Systeme als „lebendig“ einstufen, beschränkt Kant wahres Leben auf Wesen, die gemäß Vorstellungen handeln können. Da Pflanzen kein Begehrungsvermögen besitzen, gelten sie im vollen Sinne der kantischen Philosophie nicht als lebendige Wesen. Diese These fordert eine Neubewertung dessen, was es bedeutet, philosophisch über Leben nachzudenken – jenseits der Kriterien von Organisation und metabolischer Selbsterhaltung. Zweitens haben weder Blumenbach noch Darwin das Ideal eines „Newton des Grashalms“ erfüllt. Dies liegt nicht nur daran, dass sie biologische Prinzipien nicht einheitlich begründen konnten, sondern vor allem daran, dass sie das tiefere metaphysische Problem, das Kant identifiziert, nicht adressierten: den Ursprung lebender Organismen aus toter Materie. Ihre Beiträge zur empirischen Biologie und Naturgeschichte blieben in Erklärungsmodellen verhaftet, die Kants ontologischer Unterscheidung zwischen Materie und Leben ausweichen. Drittens ist Kants Vermächtnis in der modernen systematischen Biologie weiterhin erkennbar – wenn auch implizit. Biologen wie von Bertalanffy sowie Maturana & Varela haben den Begriff der Selbstorganisation radikalisiert und die Grenzen mechanistischer Erklärung neu bestimmt. Im Gegensatz dazu vertritt Robinson eine konsequent zurückhaltende Position hinsichtlich der Zuschreibung repräsentationaler Fähigkeiten an nicht-menschliche Organismen, insbesondere Pflanzen. Seine Zurückhaltung gegenüber Anthropomorphismus spiegelt ein differenziertes philosophisches Erbe von Kants Weigerung wider, Begehrungs- oder Vorstellungsvermögen ohne hinreichende Begründung anzunehmen. Diese drei Thesen schlagen eine Neuinterpretation von Kants Philosophie der Biologie und ihrer impliziten Wirkungsgeschichte in den Lebenswissenschaften vor.
Im Rahmen des Projekts sind ein internationaler Workshop und ein Forschungsaufenthalt im Ausland geplant. Genauere Details dazu werden rechtzeitig bekannt gegeben.
Quellen zur Berliner Mittwochsgesellschaft: Edition und Kommentierung der Moehsen-Papiere

Prof. Dr. Kristina Engelhard, Prof. Dr. Damien Tricoire (Neuere Geschichte, Universität Trier), Armin Emmel, M.A.
Studentische Hilfskraft: Felix Wójcik
Wissenschaftliche Hilfskraft: Linda Hausmann
Gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft
Die Antragstellung wurde gefördert vom Forschungsfond der Universität Trier sowie von der Manfred und Christa May Stiftung
Die Geschichte der 1783 gegründeten Berliner Mittwochsgesellschaft gilt als ein zentrales Thema der Aufklärungsforschung. Die Berliner Mittwochsgesellschaft versammelte hohe Staatsdiener, Kleriker, Publizisten und Gelehrte und war zweifellos eine der einflussreichsten Sozietäten in Brandenburg-Preußen im späten 18. Jahrhundert. Ziel des hier beantragten interdisziplinären Projektes ist die digitale Edition der wichtigsten Quelle zur Berliner Mittwochsgesellschaft nach einheitlichen Kriterien sowie deren Kommentierung. Dabei handelt es sich um Papiere aus dem Besitz des königlichen Leibarztes Johann Carl Wilhelm Moehsen (»Moehsen-Papiere«), die nach seinem Tode zu einem Kodex zusammengebunden wurden und die einzigartige Einblicke in Diskussionen aufklärerischer Kreise im Berlin des späten 18. Jahrhunderts bieten. Dank der digitalen Edition soll ein wichtiges Kapitel der europäischen Ideengeschichte der Forschung zugänglich gemacht werden.
Die Berliner Mittwochsgesellschaft war nach ihrem Selbstverständnis eine gelehrte Gesellschaft, die sich zum Ziel gesetzt hatte, durch »Schriften u. Handlungen sich den Wissenschaften, vorzüglich aber der immer mehr zu verbreitenden Aufklärung nützlich« zu erweisen (zit. nach dem Ms. der ›Ankündigung Einer Gesellschaft von Freunden der Aufklärung‹ im Nachlass Tholuck, Archiv der Franckeschen Stiftungen Halle, vgl. Tholuck 1830b, 60). Ihre Mitglieder setzten sich zum Ziel, die Philosophie in den Dienst des allgemeinen Nutzens zu stellen. Die Berliner Mittwochsgesellschaft spielte eine maßgebliche Rolle für die Debatten um die Definition der Aufklärung und ihrer Ziele.
Die Berliner Mittwochsgesellschaft bestand von Oktober oder November 1783 bis November 1798. Sie war eine Geheimgesellschaft, deren Mitglieder Stillschweigen über ihre Existenz und Tätigkeit vereinbart hatten (Tholuck 1830b, 59f., MP Bl. 1r). Dies führte dazu, dass die Berliner Mittwochsgesellschaft vom Edikt Friedrich Wilhelms III. gegen geheime Verbindungen vom 20.10.1798 betroffen war (Haberkern 2005, 188), sodass ihre Mitglieder im November 1798 beschlossen, sie aufzulösen. Die Mitglieder der Berliner Mittwochsgesellschaft trafen sich regelmäßig, im Sommerhalbjahr einmal, im Winterhalbjahr zwei Mal pro Monat, zu Vorträgen und zur Diskussion von Aufsätzen, sowohl in Präsenz als auch schriftlich. Die Vorträge behandelten vornehmlich Wissensgebiete, denen eine besondere Praxisrelevanz zuerkannt wurde. Im Anschluss zirkulierten die vorgetragenen Texte und die Mitglieder der Berliner Mittwochsgesellschaft waren aufgefordert, nacheinander schriftlich Stellung zu nehmen und diese Stellungnahmen (»Voten« genannt) den übrigen Mitgliedern zur Verfügung zu stellen. Im Zeitraum ihres Bestehens müssen ca. 250 Vorträge stattgefunden haben, zu denen regelmäßig auch Votenumläufe gehörten. In diese Praxis bieten die Berliner Mittwochsgesellschaft einzigartige Einblicke: Sie enthalten nicht nur Vorträge, die bei diesen Treffen gehalten wurden, sondern auch Voten der Mitglieder zu den Vorträgen sowie Manuskripte, die Vorstufen zu Vorträgen darstellen, und weiteres Material (s. 1.1.3). Dies macht die Moehsen-Papiere zu einer außergewöhnlichen Quelle für Meinungsbildungsprozesse in Kreisen der Berliner Aufklärer: Dank den Moehsen-Papieren können wir Diskussionen rekonstruieren, die nicht in der Öffentlichkeit geführt werden konnten.
Projekt "Aufbau des "Instituts für Allgemeine und Angewandte Ethik""
Antragsteller: Prof. Dr. Benedikt Strobel
Mitarbeiterin: Dr. Asadeh Ansari-Bodewein
Förderung: Nikolaus Koch Stiftung
Zum 1. Februar 2022 hat das Projekt „Aufbau eines Instituts für Allgemeine und Angewandte Ethik an der Universität Trier“ seine Arbeit aufgenommen. Mit der geplanten Einrichtung des Instituts kommt die Universität dem wachsenden Interesse an praxisrelevanten ethischen Problemstellungen entgegen. Themen wie beispielsweise die Entwicklung der Pränataldiagnostik, die ethische Bewertung von Sterbehilfe, die Folgen der Gentechnik für Mensch und Natur oder die Chancen und Risiken der digitalen Technologien stoßen auf breite öffentliche Resonanz. Für die Erforschung solcher Fragen bietet die Universität mit ihrem humanwissenschaftlichen Fächerspektrum, das von der Psychologie über die Sozial- und Rechtswissenschaften bis hin zu Informations- und Umweltwissenschaften reicht, hervorragende Voraussetzungen. Neben der Philosophie als der Heimatdisziplin ethischer Reflexion schließen sich verschiedene Fächer dieses Spektrums zusammen und tragen sowohl gemeinsame Forschungsprojekte als auch ggf. Lehr-, Weiterbildungs- und Beratungsangebote. Das Projekt befasst sich mit aktuellen Fragestellungen verschiedener Bereichsethiken, die den Forschungsaktivitäten der an der Universität Trier vertretenen Fächer korrespondieren, wie etwa der Gesundheitsethik, der Klimaethik und der Ethik der Digitalen Welt. Konkret zielt das Projekt auf die Realisierung interdisziplinärer Kooperationen in Form von Workshops, Tagungen und einzelnen Forschungsvorhaben ab. Eine Anbindung an die Wissenschaftsallianz Trier e.V. wird angestrebt. Darüber hinaus trägt das geplante Institut dem großen studentischen Interesse an Fragen der Angewandten Ethik Rechnung und sieht sich nicht zuletzt als Gesprächspartner für nichtakademische Akteure und Institutionen.
Neuedition von Kants "Prolegomena"
Prof. Dr. Kristina Engelhard - Dr. Michael Oberhausen
Studentische/Wissenschaftliche Hilfskräfte: Leonie Assion, Linda Hausmann, Lisa Lütgenau, Lara Kurt, Anthony El Tahlawie; Ehemalige: Irina Baier, Lars Lion
Gefördert von der Manfred und Christa May Stiftung
Die „Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können“ von 1783 stellen Kants Versuch dar, die zwei Jahre zuvor erschienene „Kritik der reinen Vernunft“ aus einem anderen Blickwinkel und mit einer anderen Methodik darzustellen, u.a. mit der Absicht, einen leichter verständlichen Zugang zu seinem ersten Hauptwerk zu ermöglichen. Dabei hat Kant aber auch neue Akzente gesetzt gegenüber der sogenannten ersten Kritik. Die „Prolegomena“ zählen zu den Hauptwerken Kants. Ihre Editionsgeschichte ist kompliziert, da die erste Auflage sehr flüchtig erstellt wurde und alle späteren Herausgeber die vielen Fehler dieser Ausgabe durch zahlreiche Texteingriffe zu beheben versuchten. Die bisherige Referenzausgabe der „Prolegomena“ war die in Band IV (1903, 1911) der Akademie-Ausgabe von „Kant’s gesammelte[n] Schriften“, herausgegeben von der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften. Die Berlin Brandenburgische Akademie der Wissenschaften veranstaltet eine Neuauflage der Akademie-Ausgabe, innerhalb derer auch die „Prolegomena“ in einer historisch-kritischen Neuedition erscheinen werden. Diese Neuedition wird die bisherige Referenzausgabe ersetzen.