Lehrpreis der Universität Trier für Simon Karstens

PD Dr. Jan Simon Karstens ist für seine Veranstaltung zur Frühen Neuzeit von der Universität Trier ausgezeichnet worden. Mit Frontalunterricht hatte sie nur wenig zu tun.

Lehrpreis-Träger PD Dr. Simon Karstens. (c) Universität Trier (Auszug).

Sechs Dozentinnen und Dozenten der Universität Trier hatten es auf die Shortlist für den Lehrpreis geschafft. (c) Universität Trier.

„Vorlesungen gelten als veraltetes Lehrformat: zu langweilig, zu wenig interaktiv. Dass dies nicht stimmen muss, sondern das Format hoch innovativ gestaltet werden kann, hat der diesjährige Lehrpreisträger in beeindruckender Weise gezeigt“, fasste Dr. Ulrike Graßnick, Kanzlerin der Universität Trier, die Begründung der Jury für den Lehrpreis zusammen. PD Dr. Jan Simon Karstens war von der Fülle der lobenden Worte sichtlich bewegt. Der Historiker und Dozent der Universität Trier erfuhr erst in diesem Moment, dass er sich mit seiner Lehrveranstaltung „Grundwissen Frühe Neuzeit“ gegenüber den anderen Nominierten auf der Shortlist durchgesetzt hat. Von seinen anwesenden Kolleginnen und Kollegen erhielt er eine Minute lang Applaus.

Karstens hat ganz bewusst das Konzept der klassischen Vorlesung mit überwiegendem Frontalunterricht aufgebrochen. „Das Standardformat Vorlesung führt normalerweise zu einem gewohnten Trott. Ich habe bei meiner Vorlesung selbst noch etwas gelernt.“ Seine Grundlagenvorlesung zur Frühen Neuzeit fand um 8 Uhr morgens statt. Es galt den circa 100 Studierenden im Hörsaal europäische und globale Geschichte des 15. bis 18. Jahrhunderts zu vermitteln. Zum Beispiel entlang der Frage: Warum konnte sich mit dem Übergang in die Moderne ein Arbeiter in London Tee aus Indien mit Zucker aus der Karibik leisten, was die Jahrhunderte davor nicht möglich war?

Studierende konnten Lehrende nominieren

Karstens brachte in die Vorlesung Anschauungsobjekte mit. Als es um Mythen und Klischees der Reformation ging, leitete er dies mit einem Filmtrailer ein. Um die Rolle und Meinungen sozialer Gruppen zu erläutern, teilte er die Sitzreihen im Hörsaal beispielsweise in Kurfürsten und Geistliche ein. In jeder Vorlesung machte er in der Mitte 10 Minuten Pause und sammelte Fragen von Studierenden ein, welche die zweite Hälfte beeinflussten. Aber nicht nur das: Die Studierenden konnte auch die Prüfungsfragen mitgestalten. Am Schluss der jeweiligen Stunden waren sie aufgefordert, Beispielfragen für die Abschlussklausur am Ende des Semesters beizutragen.

„Es war, als würde uns der Dozent jede Woche auf eine tolle Reise durch die Frühe Neuzeit mitnehmen. Es war ein Fest. Man sollte meinen, der Dozent wäre selbst dabei gewesen“, schrieb ein Studierender in einem Statement. Denn es waren die Studierenden selbst, die ihre Dozentinnen und Dozenten für den Lehrpreis nominieren konnten.Insgesamt wurden 177 Vorschläge eingereicht, teilweise wurden Veranstaltungen auch mehrfach vorgeschlagen. Anhand eines mehrstufigen Auswahlverfahrens wurde eine Shortlist erstellt. „Die Auswahl ist der Jury aufgrund der qualitativ hochwertigen Bewerbungen nicht leichtgefallen“, sagte Kanzlerin Graßnick bei ihrer Laudatio.

Sechs Dozentinnen und Dozenten auf der Shortlist

Auf der Shortlist für den Lehrpreis stand auch JProf. Dr. Ferdinand Heimerl mit seinem Seminar zur Archäologie Roms und seinen Provinzen. Mit viel Anschauungsmaterial und einer Exkursion brachte er den Studierenden die Hintergründe römischer Keramik näher. JProf. Dr. Helena Kliche unternahm mit ihren Studierenden ebenfalls eine Exkursion, die diese größtenteils in Eigenregie intensiv vor- und nachbereitet haben. Beim Besuch in einer Justizvollzugsanstalt ging es um die Arbeit von Sozialpädagoginnen und -pädagogen vor und nach der Entlassung von Häftlingen.

 

Die ebenfalls für den Lehrpreis nominierte Annina Mohr nutzte für ihre Veranstaltung unter anderem VR-Brillen, um Lehramtsstudierenden Optionen aufzuzeigen, wie sie später in ihren jeweiligen Klassen und Fächern praxisnah Berufsorientierung durchführen können. Um Stereotypen in unserem Italienbild ging es in der Lehrveranstaltung von Dr. Mara Onasch. Beispielsweise im Rahmen von Gastvorträgen mit Vertretern von Minderheiten diskutierte sie gängige Vorurteile mit den Studierenden. In der Vorlesung und Übung zu sozialen und kulturellen Aspekten von Freizeit und Tourismus von Dr. Elisabeth Sommerlad wurde kreativ und interaktiv gearbeitet, beispielsweise gebastelt, gebrainstormt und Podcast gehört.

Der Lehrpreis der Universität Trier wird immer an Veranstaltungen in einem akademischen Jahr vergeben. Die nominierten Lehrveranstaltungen fanden im Wintersemester 2022/23 und im Sommersemester 2023 statt. Im aktuellen Wintersemester unterrichten rund 600 Dozentinnen und Dozenten in rund 1800 Lehrveranstaltungen.

Forum gute Lehre

Bereits zu Beginn des Forums gute Lehre, im Rahmen dessen der Lehrpreis vergeben wurde, hatte sich Universitätspräsidentin Prof. Dr. Eva Martha Eckkrammer für das tägliche Engagement der Lehrenden bedankt. „Als Universitäten betreiben wir forschungsbasierte Lehre. Wir müssen uns in der Lehre immer wieder neu erfinden, weil sich Themen ändern“, hob sie die Leistung von Dozentinnen und Dozenten hervor, die bestrebt sind, in ihren Seminaren und Vorlesungen Neues auszuprobieren.

Um Lehrende dabei zu unterstützen, bietet die Arbeitsstelle gute und innovative Lehre auch in diesem Halbjahr wieder eine ganze Reihe von Workshops, Fortbildungen und Schulungen an. Neben Programmen für neue Lehrende und die digitale Lehre gibt es beispielsweise ein Modul zu „Teaching across Borders“, bei dem auch ein virtueller Austausch mit Lehrenden im Ausland stattfindet.