Forschung
Laufende Forschungsprojekte
TRIAS – Thematisieren, Reflektieren, Intervenieren: Antisemitismus in Schulen begegnen
| Förderung | Nikolaus Koch Stiftung |
| Laufzeit | 08/2025-07/2027 |
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TRIAS ist ein interdisziplinäres Bildungs- und Transferprojekt der Universität Trier, das die schulische Auseinandersetzung mit Antisemitismus in der Region stärkt. Es befähigt Lehrkräfte und Lehramtsstudierende – und damit auch Schüler:innen –, Antisemitismus in seinen historischen, ideologischen und gesellschaftlichen Dimensionen zu erkennen, im Unterricht fächerübergreifend zu thematisieren und bei Vorfällen professionell zu handeln. Das Projekt reagiert auf ein zentrales Defizit: Antisemitismus wird im Schulkontext bislang fast ausschließlich im Geschichtsunterricht und im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus behandelt. Aktuelle Erscheinungsformen und ideologische Kontinuitäten bleiben meist außen vor. So entsteht das Bild eines abgeschlossenen historischen Phänomens ohne Vor- und Nachgeschichte – mit weitreichenden Folgen für das Verständnis heutiger antisemitischer Mobilisierungen, etwa seit dem 7. Oktober 2023. Zugleich berichten Lehrkräfte von Unsicherheiten im Umgang mit dem Thema: Es fehlt an Hintergrundwissen, passenden Materialien und an Konzepten zur alters- und fächergerechten Vermittlung. TRIAS setzt hier an: Es stellt didaktisch aufbereitetes Material zur Verfügung und qualifiziert Lehrkräfte darin, Antisemitismus als epochenübergreifende Struktur einzuordnen, antisemitische Äußerungen und Handlungen zu erkennen, Antisemitismus und seine lange Geschichte im Unterricht zu thematisieren und bei Vorfällen kompetent zu intervenieren. Das Projekt besteht aus mehreren, eng aufeinander abgestimmten Bausteinen:
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„Ruhiges Hinterland“? Extrem rechte Akteure und Mobilisierungsstrategien in Rheinland-Pfalz
| in Kooperation mit | Rosa-Luxemburg-Stiftung Rheinland-Pfalz |
| Laufzeit | 01-06/2026 |
| Projektverantwortliche | Salome Richter |
Seit Jahren wird in Deutschland über einen Rechtsruck gesprochen, doch dieser erscheint vielen in Rheinland-Pfalz immer noch als etwas, das vor allem in Ostdeutschland stattfindet. Diese externalisierende Erzählung ignoriert, dass die aktuellen Zahlen ein anderes Bild zeichnen: In RLP sind die rechtsmotivierten Straftaten 2024 im Vergleich zum Vorjahr merklich angestiegen – um fast 20 Prozent. Neben diesen amtlichen Daten gibt es weitere Hinweise auf Verschiebungen im rechten Spektrum, ohne dass daraus bislang ein konsistentes Gesamtbild entsteht. Eine systematische, vergleichende Analyse der rechten Akteurslandschaft, ihrer Strukturen, ideologischen Bezugspunkte sowie ihrer Rekrutierungs- und Mobilisierungsprozesse fehlt für Rheinland-Pfalz weiterhin, obwohl sie dringend notwendig wäre. Gerade eine gesellschaftskritische Analyse muss gezielt Ansatzpunkte für politische und gesellschaftliche Interventionen identifizieren, statt Entwicklungen lediglich zu dokumentieren. Hier setzt das beantragte Projekt an: In einem Dreischritt sollen Akteure, Ideologien und Mobilisierungsformen in den Blick genommen werden. Ausgangspunkt ist dabei die Analyse der Akteurslandschaft: Wer sind die relevanten Akteur:innen? Wie organisieren sie sich und wie sind sie intern strukturiert? Wie vernetzen sie sich miteinander? Wie verhalten sich Alte und Neue Rechte in taktischer Hinsicht zueinander? In welchen Beziehungen stehen innerparlamentarische und außerparlamentarische Parteien wie die AfD und Der III. Weg zum Vorfeld und wie verhalten sich die Parteien zueinander? Wie sind die Übergänge zwischen subkulturellen, parteipolitischen und aktivistischen Milieus zu begreifen – also jene Schnittstellen, an denen sich rechte Politik von der organisierten Szene in Alltagsmilieus und digitale Öffentlichkeiten hinein verlängert? Ein zweiter Schwerpunkt gilt der ideologischen Ausrichtung. Welche Feindbilder und Narrative dominieren? Wie artikulieren sich rassistische und antisemitische Narrative, insbesondere nach dem 7. Oktober 2023? Welche Rolle spielen Verschwörungsdenken, Gewaltverherrlichung und Männlichkeits- bzw. Körperpolitiken? Welche Bedeutung haben antiwestliche oder antiimperialistische Deutungsmuster, die rechte, islamistische und antiamerikanische Diskurse überlappen lassen? Darüber hinaus werden Mobilisierungsstrategien und Formen der Verankerung untersucht. Wie hat sich die Nutzung der sozialen Medien verändert? Welche Zielgruppen werden besonders angesprochen? Wo entstehen physische Vernetzungsorte (z. B. Immobilien, Treffpunkte, Vereinsräume) und welche symbolischen Räume werden online oder durch regionale Narrative geschaffen? Warum konzentrieren sich Aktivitäten in bestimmten Regionen wie der Pfalz oder dem Westerwald? Abschließend – sofern es der Projektverlauf erlaubt – wird ein Blick auf Reaktionen von Politik und Zivilgesellschaft geworfen, um Handlungsspielräume zwischen Prävention, Strafverfolgung und gesellschaftlicher Aufklärung zu skizzieren. Ziel ist eine differenzierte Analyse der rechten Akteurslandschaft in Rheinland-Pfalz, die empirisch fundierte Erkenntnisse für Forschung und Praxis bereitstellt. | |
Laufende Promotionsprojekte
Die Organisation des Gestapo-Trier- Ensembles. Personal. Struktur. Organisationsmuster
| Andreas Borsch, M.A. | ||
| Betreuer | Prof. Dr. Lutz Raphael, Dr. Thomas Grotum | |
| In dem Promotionsprojekt werden die strukturellen, personellen und ideologischen Muster einer regionalen Dienststelle der Geheimen Staatspolizei untersucht. Ein Fokus liegt hierbei auf der Rekonstruktion und Analyse der Zusammenarbeit mit der kommunalen Verwaltungsebene. Die Studie richtet zudem den Blick über die Grenzen 1933/1945 hinaus, um Wandel und Kontinuitätslinien (geheim-)polizeilicher Logiken, Diskurse, Handlungsmuster, aber auch des Personals herausarbeiten zu können. Dadurch kann nicht allein die Spezifik der Gestapo kenntlich gemacht werden. So vermag es die Studie auch, ein Schlaglicht auf behördliche Logik, Praxis und Personal nach dem Nationalsozialismus zu werfen. | ||
| Publikationen im Rahmen des Projekts | ||
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| Vorträge zu den Forschungsergebnissen | ||
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Zum Antisemitismus der Neuen Linken - Eine qualitative Untersuchung linker Zeitschriften
| Lennard Schmidt, M.Ed. | ||
| Betreuer | Prof. Dr. Christian Jansen, Dr. Thomas Grotum | |
| Förderung | Hans-Böckler-Stiftung (2019-2022) | |
| Nach dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 stellt sich die Frage, inwiefern aktuelle antisemitische Mobilisierungen von links auf Konzepte und Narrative der 68er-Bewegung zurückgreifen. Welche politischen und theoretischen Entwicklungen führten dazu, dass sich zentrale Ideologeme der Neuen Linken – wie antiimperialistische Solidarität oder die Identifikation mit palästinensischen Befreiungsbewegungen – mit antisemitischen Mustern überlagerten? Und inwiefern prägt dieses Erbe bis heute den linken Diskurs über Israel? Das Promotionsprojekt untersucht, inwieweit antisemitische Denkfiguren in der 68er-Bewegung strukturell angelegt waren und welche ideologischen Mechanismen sie begünstigten. Wie entstand das Feindbild Israel in der Neuen Linken, und welche Rolle spielte dabei der antiimperialistische und antikoloniale Diskurs? | ||
| Vorträge zu den Forschungsergebnissen | ||
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Der Umgang deutscher Parteien mit dem Nexus Antisemitismus – NS-Vergangenheit – Nahostpolitik
| Marc Seul, M.A. | |
| Betreuer | Prof. Dr. Lars Rensmann (Universität Passau) |
| Das Dissertationsprojekt untersucht, wie deutsche Parteien seit den frühen 2010er-Jahren Antisemitismus deuten, bearbeiten und politisch funktionalisieren. Ausgangspunkt ist der Befund, dass Debatten über Antisemitismus im postnazistischen Deutschland in einem diskursiven Nexus zu Erinnerungs- und Nahostpolitik stehen. Analysiert werden institutionelle Wissensbestände und Deutungsmuster, Umgangsweisen mit antisemitischen ‚Vorfällen‘, Konflikte innerhalb und zwischen Parteien, Skandalisierungspraktiken sowie Modi der Kritikabwehr. Ziel ist eine systematische Rekonstruktion der parteipolitischen Dynamiken, die die öffentliche Auseinandersetzung mit und das staatliche Handeln gegen Antisemitismus prägen. | |
| Publikationen im Rahmen des Projekts | |
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| Vorträge im Rahmen des Projekts | |
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| Medienecho | |
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Abgeschlossene Forschungsprojekte
Von Wounded Knee nach Gaza? Antizionismus und Palästinasolidarität in nordamerikanischen indigenen Gemeinschaften
| Salome Richter | ||
| Förderung | Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit Rheinland-Pfalz und Landtag Rheinland-Pfalz | |
| Laufzeit | 01/2024 - 03/2025 | |
| Das Forschungsprojekt untersucht die Rolle des Antizionismus in postkolonialen Diskursen am Beispiel der Palästinasolidarität der Indigenen Nordamerikas. Insbesondere wird analysiert, wie diese indigenen Gemeinschaften sowohl in der Fremdzuschreibung als auch in der Eigenwahrnehmung mit der palästinensischen Nationalbewegung parallelisiert werden. Dieses Narrativ – nach dem 7. Oktober 2023 verstärkt – stellt Israel als kolonialen Aggressor dar und sieht den Staat in die Tradition des europäischen Siedlerkolonialismus ein. Zentrale Untersuchungspunkte sind vier Kernannahmen im Diskurs um die Vergleichbarkeit der Indigenen Nordamerikas mit den Palästinensern: Erstens, dass beide Opfer einer europäischen Siedlerkolonialmacht seien, die sie entrechtet und sie ihres Landes beraubt habe; zweitens, dass ihre Vertreibung ein anhaltendes Kolonialprojekt sei; drittens, dass ihr Widerstand jederzeit und notwendig legitim sei; viertens, dass die Solidarität untereinander unabdingbar sei. Das Projekt analysiert zudem, wie diese postkolonialen Konzepte nicht primär analytisch, sondern politisch genutzt werden, indem sie Zionismus mit kolonialer Unterdrückung gleichsetzen und jüdische Selbstbestimmung delegitimieren. Diese Rahmung verwischt historische und geopolitische Unterschiede und setzt koloniale Kategorien selektiv ein – jede Handlung wird als Widerstand gedeutet, doch die Gewalt der Hamas bleibt meist ausgeblendet. | ||
| Vorträge im Rahmen des Projekts | ||
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Antisemitismus und israelbezogene Polarisierung im deutschen und US-amerikanischen Parteiensystem
| Marc Seul, M.A. | ||
| Förderung | Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit Rheinland-Pfalz und Landtag Rheinland-Pfalz | |
| Laufzeit | 01/2024 - 03/2025 | |
| Parteien sind als zentrale Akteure des öffentlichen politischen Diskurses und des parlamentarischen Regierungssystems bislang überraschend selten in den Fokus der Antisemitismusforschung gerückt. Gerade zur Frage des Verhältnisses von (deutschen) Parteien zu Antisemitismus existiert bislang nur ein sehr überschaubarer Literaturfundus, der darüber hinaus auch eine stringente theoretische Fundierung auf Basis der Erkenntnisse sowohl der Antisemitismus- als auch der Parteienforschung vermissen lässt. Im Rahmen des Projekts wurde zunächst eine analytische Herangehensweise für die Analyse politischer Parteien und ihres Verhältnisses zu Antisemitismus entwickelt, die neben der Programmatik/Ideologie auch die öffentliche Kommunikation von Partei und Funktionsträger:innen sowie den Umgang mit parteiinternen wie -externen antisemitischen Vorfällen miteinbezieht. Empirisch wurden der Bundestagswahlkampf 2025 in Deutschland sowie die Entwicklung der Debatten über die Außenpolitik gegenüber Israel und (israelbezogenen) Antisemitismus im hoch polarisierten politischen System der USA untersucht. Das Projekt baut dabei an die 2023 durchgeführte Konferenz „Politische Parteien und Antisemitismus“ auf und untersucht u.a., wie sich Antisemitismus in (deutschen) Parteien und Parlamenten äußert, wie Parteien mit antisemitischen Vorfällen in der eigenen und in anderen Parteien umgehen und welche Strategien sich für einen antisemitismuskritischen Umgang anbieten. Teil des Projektes ist die Publikation eines Sammelbandes auf Basis der Konferenz, der im Frühsommer 2025 erscheinen soll. Das Projekt legt mit den theoretisch-konzeptionellen Überlegungen den Grundstein für eine intensivere Beschäftigung mit politischen Parteien als wirkmächtigen Akteuren des öffentlichen Diskurses um und der Verbreitung bzw. Bekämpfung von Antisemitismus in der Antisemitismus- und der Parteienforschung, u.a. für das geplante Promotionsprojekt von Marc Seul zum parteipolitischen Diskurs über Antisemitismus in der BRD. | ||
| Publikationen im Rahmen des Projekts | ||
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| Vorträge im Rahmen des Projekts | ||
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| Medienecho | ||
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Fußball im Nationalsozialismus. Die Rolle des FV Saarbrücken bei der Verbreitung von NS-Propaganda
| Luca Zarbock | ||
| Förderung | Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit Rheinland-Pfalz und Landtag Rheinland-Pfalz | |
| Laufzeit | 01/2024 - 03/2025 | |
| Um die Leerstellen bei der Untersuchung von Fußballvereinen im südwestdeutschen Raum während der Zeit des Nationalsozialismus zu füllen, wurde im Rahmen des Forschungsprojekts exemplarisch der 1. FC Saarbrücken untersucht. Dafür wurden insbesondere alte Ausgaben des Vereinsnachrichtenblatts des FV Saarbrücken in der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig sowie Quellen aus dem Stadtarchiv Saarbrücken zwischen 1933 und 1945 gesichtet und aufbereitet. Ein erster in den Saarbrücker Heften veröffentlichter Artikel führte zu einem großen regionalen Echo und zur Gründung des „Arbeitskreises Blau-Schwarze Geschichte“, in dem neben der IIA auch Vertreter:innen des 1. FC Saarbrücken sowie der Fanszene aktiv sind. In Kooperation mit dem Verein wurde im Januar 2025 eine Vortragsveranstaltung zur Rolle des FV Saarbrücken vor der Saarabstimmung 1935 organisiert, die maßgeblich auf einer weiteren Veröffentlichung in den Saarbrücker Heften basierte. Für den April 2025 ist darüber hinaus eine eigene Ausstellung auf Grundlage der Forschungsergebnisse geplant. Über einen Aufruf an die Fans des FCS sollen außerdem weitere Primärquellen gesammelt werden, die perspektivisch in einer Monografie gebündelt werden sollen. Das Forschungsprojekt kann und soll als Modell und Anstoß für die Untersuchung anderer kleinerer Vereine in Rheinland-Pfalz und Südwestdeutschland wie Eintracht Trier, TuS Koblenz, SV Waldhof Mannheim oder FK Pirmasens dienen. | ||
| Publikationen im Rahmen des Projekts | ||
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| Medienecho | ||
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Jüdische Repräsentation und Widerstand. Das Beispiel Marianne Baum
| Luisa Gärtner, M.Ed. | ||
| Förderung | Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit Rheinland-Pfalz und Landtag Rheinland-Pfalz | |
| Laufzeit | 01/2024 - 12/2024 | |
Luisa Gärtners Forschung untersucht die bisher weitgehend unerforschte Biografie der jüdisch-kommunistischen Widerstandskämpferin Marianne Baum. Trotz einer äußerst dünnen Quellenlage und unzugänglicher DDR-Archive identifizierte sie entscheidende neue Hinweise, darunter Zeitzeug:innenberichte und bislang unbekannte Fotos. Ihre Ergebnisse, die sie unter anderem im Stadtmuseum Trier präsentiert hat, zeigen, wie stark Perspektiven jüdisch-weiblichen Widerstands marginalisiert wurden. Durch internationale Kooperationen konnten weitere Quellen aufgedeckt werden, u. a. in Prag, deren Auswertung fortgesetzt wird. Die Forschung leistet einen wichtigen Beitrag zur Sichtbarmachung intersektional diskriminierter Akteur:innen und unterstreicht die Notwendigkeit internationaler Vernetzung für historische Gerechtigkeit. | ||
| Vorträge im Rahmen des Projekts | ||
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