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Ältere Beiträge finden Sie im Archiv


Marc Seul im Gespräch mit David Hirsh über die gegenwärtigen Bedingungen und Herausforderungen der Antisemitismusforschung

Marc Seul auf dem Podium mit David Hirsh und den Moderatoren

Am Gedenktag für die Novemberpogrome von 1938, dem 09. November, war IIA-Mitglied Marc Seul zu Gast an der Goethe-Universität Frankfurt, um mit David Hirsh vom neu gegründeten London Centre for the Study of Contemporary Antisemitism über die Bedingungen und Herausforderungen der Antisemitismusforschung in Deutschland und in Großbritannien zu diskutieren. Organisiert und moderiert wurde die Diskussion von Tim Stosberg und Henning Gutfleisch. Ronja Hesse, die für den freien zusammenschluss von studentInnenschaften (fzs) und das Junge Forum DIG Frankfurt teilnehmen sollte, war leider krankheitsbedingt verhindert.

Die Podiumdiskussion wurde aufgezeichnet und kann weiterhin hier abgerufen werden.

Übrigens: David Hirshs Buch „Contemporary Left Antisemitism” ist ab jetzt in unserer Fachbibliothek Antisemitismus an der Universität Trier verfügbar und kann ausgeliehen werden!


IIA-Mitglied Marc Seul im Interview mit der Jüdischen Allgemeinen

Interview mit der Jüdischen Allgemeinen
Interview mit der Jüdischen Allgemeinen

Anlässlich der "2. Interdisziplinären Antisemitismustagung" sprach IIA-Mitglied Marc Seul mit Joshua Schultheis von der Jüdischen Allgemeinen über die Idee hinter der Tagung, die Vernetzung unter jungen Antisemitismusforscher:innen, die Herausforderungen der Antisemitismusforschung in Deutschland und die Arbeit der IIA.

Das Interview kann hier nachgelesen werden.


IIA-Mitglied Luca Zarbock im Interview mit der Saarbrücker Zeitung

Interview Saarbrücker Zeitung
Interview Saarbrücker Zeitung

Anlässlich der Erscheinung des ersten Sammelbandes der IIA hat unser Mitglied Luca Zarbock im Interview mit der Saarbrücker Zeitung die Bedeutung des Antisemitismus als Kernelement der "Querdenken"-Bewegung wie als verbindende Klammer für ganz unterschiedliche Milieus beleuchtet und dabei dessen enorme Anpassungsfähigkeit hervorgehoben. Im Interview warnt er vor falschen Externalisierungen und der Ausblendung einer gesamtgesellschaftlichen Präsenz antisemitischer Denkmuster.

Das Interview hier gelesen werden.


Rückblick auf die 2. Interdisziplinäre Antisemitismustagung

Referent:innen, Helfer:innen und das Tagungsteam
2. Interdisziplinäre Antisemitismustagung
2. Interdisziplinäre Antisemitismustagung
2. Interdisziplinäre Antisemitismustagung
2. Interdisziplinäre Antisemitismustagung
2. Interdisziplinäre Antisemitismustagung
2. Interdisziplinäre Antisemitismustagung
2. Interdisziplinäre Antisemitismustagung

Wir blicken zurück auf eine wunderbare 2. Interdisziplinäre Antisemitismustagung mit vielen spannenden inhaltlichen Beiträgen und Diskussionen mit tollen Referent:innen, mit denen es sehr viel Spaß gemacht hat, sich in angenehmer Atmosphäre kennenzulernen und zu vernetzen!

Wir möchten insbesondere allen Helfer:innen danken, die mit ihrem unglaublich tollen Engagement im Vorfeld und während der gesamten Tagung bis zum Abbau diese Tagung ermöglicht haben! Unser großer Dank gebührt Christoph Fischer, Sarah Riefer, Maximilian Müller, Kai Follmann, Vivian Schittek, Noah Layfield, Milena Mess, Daniel Koenen, Esther Marx sowie unserem Fotografen Max Gerlach!

Weiterhin möchten wir den Förderern der Tagung danken: der Partnerschaft für Demokratie Trier, welche die Tagung im Rahmen des Bundesprogramms “Demokratie leben!” des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und gefördert hat, sowie dem Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration Rheinland-Pfalz für dessen Förderung im Rahmen des Programms "Gemeinsam für Gleichwertigkeit". Weiterhin der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, dem freien Zusammenschluss von Student*innenschaften (fzs), der Friedrich-Naumann-Stiftung Hessen/Rheinland-Pfalz, der Axel-Springer-Stiftung, dem Graduiertenzentrum der Universität Trier “GUT”, dem Freundeskreis Trierer Universität e.V., der Rosa-Luxemburg-Stiftung Rheinland-Pfalz sowie CriThink e.V. Kooperationspartner der Tagung waren darüber hinaus die Forschungs- und Dokumentationsstelle SEAL sowie das Referat für Antirassismus und Antifaschismus des AStA der Universität Trier. In diesem Jahr war die Veranstaltung zudem erstmals Teil der "Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus" der Amadeu Antonio Stiftung.

Last but not least möchten wir natürlich allen Referent:innen und Panelleiter:innen sowie der Antisemitismusbeauftragten, Monika Fuhr, und dem Universitätspräsidenten, Prof. Dr. Dr. h. c. Michael Jäckel, für ihre Grußworte danken.

Wir freuen uns schon auf die nächste Auflage der Interdisziplinären Antisemitismustagung (voraussichtlich im Herbst 2024) sowie die Zusammenarbeit mit den Referent:innen am Sammelband zur Veranstaltung!

Weitere Fotos von der Tagung

Tag 1 | Tag 2 | Tag 3

Alle Fotos von Max Gerlach.


Buchvorstellung des Sammelbandes "Antisemitismus zwischen Kontinuität und Adaptivität" in der villaWuller

Buchvorstellung am 18.10.22
Buchvorstellung am 18.10.22
Buchvorstellung am 18.10.22
Buchvorstellung am 18.10.22

Am 11. Oktober stellten Luca Zarbock und Marc Seul stellvertretend für die Herausgeber:innen den am Tag zuvor erschienen Sammelband "Antisemitismus zwischen Kontinuität und Adaptivität" im Vorfeld der "2. Interdisziplinären Antisemitismustagung für Nachwuchswissenschaftler:innen" in der villaWuller vor. Außerdem wurden die Referent:innen der am darauffolgenden Tag beginnenden Tagung begrüßt.

Bedanken möchten wir uns beim Team der villaWuller und bei unserem DJ "Keule", der im Anschluss an die Buchvorstellung mit einer guten Musikauswahl für eine angenehme Kennenlernatmosphäre sorgte!

Fotos: Max Gerlach


Pressemitteilung: Mord an Alexander W. – Ein weiteres Opfer rechtsextremer Gewalt

PM: Mord an Alexander W.

Gemeinsame Stellungnahme der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Rheinland-Pfalz, der Fachstelle für Betroffenenstärkung und Demokratieentwicklung – m*power und des Vereins Netzwerk am Turm. Erarbeitet mit Unterstützung der Initiative Interdisziplinäre Antisemitismusforschung und der Forschungsgruppe Extreme Rechte und Rechtspopulismus in Rheinland-Pfalz | Idar-Oberstein/Bad Kreuznach/Koblenz, 12. September 2022

Wir werten den Mord an Alexander W. († 18. September 2021 in Idar-Oberstein) als rechtsextremen Terror: Der Täter gab an, damit eine Botschaft gegen die Corona-Schutzmaßnahmen senden zu wollen. Zwar waren ihm die politisch Verantwortlichen nicht greifbar, wohl aber der auf die Einhaltung der Maßnahmen bedachte Tankstellenmitarbeiter. Bereits vor der Pandemie war der Täter rechtsextrem eingestellt, sein Hass konzentrierte sich ab 2020 verstärkt auf Personen, die er für die Corona-Politik verantwortlich wähnte. Sein Denken mündete schließlich im Mord an Alexander W.

Das Schüren von Angst ist typisch für rechtsextremen Terror: Die gezielte und brutale Tat möchte der Täter verstanden wissen als Symbol eines legitimen Widerstandes gegen die angeblich illegitime Regierung und ihre Handlanger:innen. So berichtete die Polizei unmittelbar nach der Tat von mehreren Vorfällen, in denen Täter:innen Angestellte im Einzelhandel oder Bahnreisende mit Verweis auf die Tat in Idar-Oberstein bedrohten. Sie fühlten sich durch die Tat ermutigt, nun selber Gesicht zu zeigen und zu handeln.[1][2] Die Botschaft der Tat zielt auf das Schüren von Angst und Verunsicherung bei allen potenziellen Betroffenen und wirkt damit über die konkrete Tat hinaus.

„Der Mord an Alexander W. hat offengelegt, wie wichtig die Auseinandersetzung mit den Hintergründen der Tat und rechtem Terror ist. Der Täter wollte die Verantwortlichen für die Corona-Politik treffen, greifbar war ihm aber nur W., der als Tankstellenmitarbeiter die Corona-Verordnungen durchsetzen musste.“ (Rolf Knieper, Geschäftsführer Fachstelle für Demokratieentwicklung und Betroffenenstärkung – m*power)

Die Ermordung Walter Lübckes ruft in Erinnerung, dass auch Repräsentant:innen des Staates Opfer rechtsextremer Gewalt werden können; der Anschlag in Halle zeigt, dass zur Tat entschlossene Rechtsextreme auch beliebige Opfer in Kauf nehmen. Der Mord weist also deutliche Muster von rechtem Terror auf und reiht sich ein in eine dynamische neue Entwicklung.

Der Strafprozess zeichnete das Bild eines Täters, der sich schon vor der Corona-Pandemie in einer rechtsextremen Lebenswelt bewegt hat. Dort äußerte er Hass, Gewalt- und Vernichtungsfantasien gegenüber Migrant:innen, Politiker:innen und vermeintlichen politischen Gegner:innen. Verantwortliche Politiker:innen wollte er „in die Gaskammer schicken“ oder „an Straßenlaternen aufhängen“.[3] Die im Prozess vernommene Oberpsychologierätin des LKA sprach von der langjährigen rassistischen Gesinnung des Angeklagten und nannte seine politische Motivation als handlungsleitendes Motiv für die Tat. Als der Täter seine Waffe ergriff, handelte er in seinem Weltbild stellvertretend für viele andere, die auf „Corona-Demos“ den Resonanzraum für seine Tat bildeten.

„Wir konnten schon bei den Corona-Protesten auf den Straßen und in den diversen digitalen Gruppen beobachten, wie seit Beginn der Pandemie einzelne Menschen für die Maßnahmen verantwortlich gemacht und als Feinde markiert wurden. Nicht selten wurde dies mit Gewaltphantasien verbunden. Die Proteste waren getragen von einer sich verschärfenden Widerstandsrhetorik. Der Mord an Alexander W. zeigt deutlich, dass solche Formen von rhetorischer und digitaler Gewalt auch in reale Gewalt umschlagen können.“ (Nicola Rosendahl, Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus)

Rechtsextreme finden heute auch in Online-Welten Zuspruch und technisches Knowhow. In Teilen des Internets bilden Rassismus, Antisemitismus, Verschwörungstheorien, Misogynie, die Leugnung des menschlich beeinflussten Klimawandels und die Feindschaft zur liberalen Demokratie häufig ein Grundrauschen, das Einzelne motiviert den Entschluss zum gewaltsamen Widerstand zu treffen. Online finden sie mitunter moralische Unterstützer:innen, Sponsor:innen und Zugang zu Waffen. Eine Einbindung in rechtsterroristische Unterstützernetzwerke muss heute nicht mehr zwangsläufig persönlich erfolgen. Dies zeigen beispielsweise die Attentate in München 2016, sowie in Christchurch und Halle 2019.

Der Mord in Idar-Oberstein zeigt erneut, wie rechtsextreme Weltbilder Einzelner und die gesellschaftliche Mobilisierung Vieler auf der Straße und im Netz kaum kontrollierbare Gewalt-
Dynamiken auslösen können. In den vergangenen Jahren waren es die gesellschaftlichen Verwerfungen infolge der Pandemie; im Herbst könnte die Energiekrise als einschneidende Lebenserfahrung hinzutreten. Die Gesellschaft muss wachsam sein gegenüber den neuen drohenden Wellen rechtsextremer Wut und Gewalt.

„Der Täter hat aus seiner politischen Haltung kein Geheimnis gemacht und sogar seine Tat im privaten Umfeld angekündigt. Wichtig ist also, dass das Umfeld genau zuhört, bei menschenfeindlichen Äußerungen widerspricht und sich selbst Hilfe und Beratung einholt. Bei Gewaltphantasien und -ankündigungen muss das Umfeld die Polizei verständigen.“ (Siggi Pick, Netzwerk am Turm e.V.)

Der Mord an Alexander W. muss sowohl von Behörden als auch von Politik und Öffentlichkeit als rechtsextreme Tat gewertet und in politische Entwicklungen eingeordnet werden. Nötig ist eine verstärkte Sensibilisierung für den Wandel der extremen Rechten, auch in den Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden, um das Verständnis zu vertiefen für die rechtsextreme Gefährdung des Zusammenlebens. In der Aus- und Weiterbildung bei Polizei und Justiz muss das Thema auf der Höhe der wissenschaftlichen Debatte verankert werden. Dafür ist auch die Finanzierung von entsprechender Grundlagenforschung und zu rechtsextremer Gewalt in Rheinland-Pfalz notwendig. Wir schließen uns außerdem der Forderung zivilgesellschaftlicher Initiativen an, eine unabhängige Kommission einzusetzen, zur Aufarbeitung und Überprüfung möglicher rechtsextremer Morde in Rheinland-Pfalz. Ihr müssen auch Vertreter:innen der engagierten Zivilgesellschaft angehören.


Anmeldung für die 2. Nachwuchstagung eröffnet

Sharepic 2. Nachwuchstagung 2022

Vom 12. bis 14. Oktober 2022 findet die mittlerweile „2. Interdisziplinäre Antisemitismustagung für Nachwuchswissenschaftler:innen” an der Universität Trier statt! Die Veranstaltung beleuchtet neben theoretischen und historischen Aspekten vor allem aktuelle Erscheinungsformen des Antisemitismus, beispielsweise im Kontext der sog. „Querdenken”-Bewegung, und bezieht dabei eine Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven von Nachwuchswissenschaftler:innen ein. So wird es u.a. um die Theorie und Ideengeschichte des Antisemitismus, Affekte, Emotionen und Verschwörungsmythen, die Reaktion von Polizei und Justiz auf antisemitische Vorfälle oder die Bekämpfung antisemitischer Ressentiments an Schule und Universität gehen. Ergänzt werden die Beiträge der Nachwuchswissenschaftler:innen durch einen Keynote-Vortrag von Prof. Dr. Dr. h. c. Monika Schwarz-Friesel (TU Berlin) zu israelbezogenem Antisemitismus und seinem affektiven Abwehr-Narrativ.

Vertreter:innen zivilgesellschaftlicher Gruppen, Lehrer:innen und Pädagog:innen sind zusammen mit allen am Thema Interessierten herzlich eingeladen, entweder in Präsenz in Trier oder digital über den Livestream an der Tagung teilzunehmen! Vereine, Initiativen und Einrichtungen, die sich gegen Antisemitismus einsetzen, haben die Möglichkeit, Ihre Arbeit den Teilnehmenden vorzustellen und sich mit Akteur:innen aus Forschung, Bildung, Prävention und Bekämpfung zu vernetzen!

Anmeldung für Präsenz- und Onlineteilnahme bis zum 02. Oktober per Mail an: iiauni-trierde


Dokumentationsbroschüre zu den "Kulturwochen gegen Antisemitismus 2022" erschienen

Cover Broschüre Kulturwochen
Auszug Broschüre Kulturwochen 2022
Auszug Broschüre Kulturwochen 2022
Auszug Broschüre Kulturwochen 2022

Die offizielle Dokumentationsbroschüre der IIA zu den "Kulturwochen gegen Antisemitismus 2022" steht ab jetzt zum Download zur Verfügung. Die Broschüre versammelt neben einer Vielzahl von Fotos, die die Atmosphäre der Veranstaltung einfangen, auch kurze inhaltliche Skizzen der Veranstaltungen sowie eine leicht gekürzte Fassung der Eröffnungsrede von Lennard Schmidt.

Download der Broschüre


Auswertung zu Antisemitismus in Rheinland-Pfalz 2021 mit Beitrag der IIA erschienen

Cover der Auswertung 2021

Druckfrisch erschienen: die Auswertung der Meldestelle m*power Rheinland-Pfalz zum Schwerpunkt Antisemitismus! Darin findet sich auch ein Beitrag der IIA-Mitglieder Andreas Borsch und Marc Seul, die anhand der im politischen und medialen Diskurs häufig vernachlässigten Analysekategorie Raum die Spaziergänge im Kontext der Corona-Proteste als regressive Raumnahmepraxen untersuchen:

"Die ‚Spaziergänge‘ werden in dieser Weltdeutung [der Protestierenden] als räumlich-praktische Widerstandshandlung gegen die abstrakte Macht wahlweise der ‚Corona-Diktatur‘, einer ‚jüdisch‘ konnotierten Impflobby, George Soros, Bill Gates oder der ‚NWO‘ verstanden. Die (Selbst-)Eingliederung in ein raumnehmendes Kollektiv zielt dabei auf das Bedürfnis, gegen eine vermeintliche Verschwörung – und ihre Vertreter:innen – konkret ‚aktiv‘ zu werden. Damit ist auch ein dominantes Denk- und Wahrnehmungsschemata der Spaziergänger:innen benannt: Durch die Personalisierung abstrakter Herrschaftsverhältnisse wird nicht nur gesellschaftliche Komplexität reduziert, es wird auch ein Freund/Feind-, Gut/Böse-Denken etabliert, das leitend für den Blick auf und das Agieren in der Welt ist.”

Zur vollständigen Auswertung


"Oy Vavoy!" Kulturfestival feiert erfolgreiche Premiere

Das Festivalgelände
Der Workshop von Jonas Engelmann zur widerständigen Tradition des jüdischen Punk
Das neue Ostsaarzorn Fanzine zum Thema "Punk & Jewishness" wird vorgestellt
Besucher:innen lesen das Konzeptplakat
Die Podiumsdiskussion ist gut besucht
Peter Waldmann und Andreas Borsch bei der Podiumsdiskussion
Bijan Razavi bei der Podiumsdiskussion
Punk in der villaWuller

Am Samstag, den 02. Juli 2022, fand erstmals das Oy Vavoy! Kulturfestival statt! Bei wunderbarem Wetter wurde den Besucher:innen in und um die villaWuller ein buntes Programm aus Workshop, Erzählwerkstatt, Stencil-Workshop, Ständen mit zivilgesellschaftlichen Akteuren und Plakat-Ausstellungen rund um das Thema Punk und Judentum geboten.

Der Workshop mit dem Kulturwissenschaftler Jonas Engelmann umfasst einen Kurzvortrag, in dem er das Verhältnis von Punk und Judentum skizzierte, und eine Arbeitsphase in Kleingruppen, in denen die Teilnehmenden anhand von Songbeispielen die unterschiedlichen Formen einer nicht musealisierten Erinnerung an die Shoah im Punk herausarbeiteten.

In der Podiumsdiskussion diskutierten Peter Waldmann (stellv. Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Mainz/Privatdozent Uni Halle) und Bijan Razavi (Bildungsstätte Anne Frank/Kompetenznetzwerk Antisemitismus) unter Moderation von Andreas Borsch (IIA) über ihre eigenen Erfahrungen mit Punk und jüdischem Punk als widerständige Gegenkultur und mögliche Potentiale für die Antisemitismusbekämpfung, die erschlossen werden könnten.

Auch die neue Sonderausgabe des Ostsaarzorn Zine zum Schwerpunkt “Punk & Jewishness”, die anlässlich des Festivals produziert wurde, wurde - coronabedingt leider nur digital - vorgestellt.

Zum Abschluss des Abends spielten die Bands Upfluss, Deäd Kätz und La Flemme ein Punkrock-Konzert in der villaWuller.

Es war ein wundervoller Tag mit vielen tollen Menschen, spannenden Gesprächen und einem verbindenen Ziel: (jüdischen) Punk als widerständige und herrschaftskritische Subkultur und jüdischen Humor auf neue Potentiale der Antisemitismusprävention und -bekämpfung hin abzuklopfen. Wir freuen uns auf die am Samstag angestoßenen Folgeprojekte, die sich diesem Ziel widmen werden, und bereits jetzt auf die zweite Ausgabe des Kulturfestivals im nächsten Jahr!

Wir möchten uns bei allen bedanken, die das Festival möglich gemacht haben: bei der Rosa Luxemburg Stiftung Rheinland-Pfalz, dem AStA der Universität Trier, insb. beim Kulturreferat und dem Referat für Antirassismus und Antifaschismus, dem Kulturgraben, dem Team der villaWuller, Ponyhof Shows, dem Treffpunkt am Weidengraben e.V. und dem Fanprojekt Trier. Gefördert wurde das Kulturfestival vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Programms “Demokratie leben!” sowie vom Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration Rheinland-Pfalz im Rahmen des Programms "Gemeinsam für Gleichwertigkeit".


Abschluss der Kulturwochen gegen Antisemitismus 2022

Lennard Schmidt führt die Erkenntnisse der Kulturwochen zusammen
Das Publikum lauscht dem Grußwort von Katharina Binz
Anastasia Tikhomirova leitete die Diskussion
Das Podium
Sandra Kreisler
Torsun Burkhardt
Dorothea Seiler und Salome Richter (IIA)

Am Donnerstag, den 30.06., fand die Abschlussveranstaltung der diesjährigen “Kulturwochen gegen Antisemitismus” in der Wissenschaftlichen Bibliothek Trier statt. Nach einer kurzen einleitenden Rede von Lennard Schmidt (IIA), die die Diskussionen und Erkenntnisse der Kulturwochen rekapitulierte und zusammenführte, richtete die Ministerin für für Familie, Frauen, Kultur und Integration Rheinland-Pfalz, Katharina Binz, ein digitales Grußwort an das Publikum. Anschließend wurde das Stück “Trauer to go” ein (vorerst) letztes Mal aufgeführt, bevor abschließend Sandra Kreisler, Torsun Burkhardt, Alexandra Duwe und Lennard Schmidt unter der Moderation von Anastasia Tikhomirova über die Affinität von Künstler:innen und des Kulturbetriebs für Antisemitismus, insb. in seiner israelbezogenen Erscheinungsform diskutierten.

Berichtet und diskutiert wurden Ausgrenzungserfahrungen im Zuge von pro-israelischen Positionierungen und ein großes Zögern von Künstler:innen und Musiker:innen bei öffentlichen Positionierungen gegen Antisemitismus. So berichtete etwa Torsun Burkhardt, dass der u.a. von ihm initiierten Kampagne “artistsagainstantisemitism” mit fadenscheinigen Argumenten die Unterstützung verweigert wurde. Sandra Kreisler und Lennard Schmidt führten die Salonfähigkeit des Antisemitismus u.a. auf einen pseudo-linken Reflex zurück, der im Rahmen einer vermeintlichen “Herrschaftskritik” Jüdinnen und Juden als Herrschende identifiziert. Dieser vermeintlich emanzipatorische Impetus richte sich gegenwärtig vor allem gegen den Staat Israel, der als “kolonialistisch”, “imperialistisch” und als “Apartheidsstaat” delegitimiert wird. Dieses Narrativ sei gerade in linken und sich als progressiv verstehenden Kreisen beliebt, die wiederum im Kultur- und Kunstbereich hegemonial seien. Alexandra Duwe hob hervor, dass es im gegenwärtigen Diskurs oftmals schon zu begrüßen sei, wenn Künstler:innen sich ihr mangelndes Wissen über den Nahostkonflikt eingestehen würden und dazu schweigen würden, anstatt antisemitische Narrative oder Boycott-Kampagnen wie BDS zu unterstützen.

Wir freuen uns, dass so viele Interessierte an der Veranstaltung teilnahmen und die Diskussion mit spannenden Fragen bereicherten! Besonders bedanken möchten wir uns zum Abschluss der Kulturwochen nochmal bei allen Förderern:

Die Kulturwochen wurden von der Nikolas Koch Stiftung, der Friedrich-Naumann-Stiftung Rheinland-Pfalz, der Lotto Rheinland-Pfalz - Stiftung und dem AStA der Universität Trier gefördert. Desweiteren vom Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration Rheinland-Pfalz im Rahmen des Programms "Gemeinsam für Gleichwertigkeit" gefördert. Ein Teil der Veranstaltungen wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Programms “Demokratie leben!” gefördert.


Neue Publikationen aus den Reihen der IIA erschienen

Schmidt et al. 2022
Seul 2022

In der neuen Ausgabe des Magazins für jüdisches Leben in Forschung und Bildung Medaon sind zwei Artikel von IIA-Mitgliedern erschienen. Im Artikel "Gesellschaftskritische Antisemitismusforschung unter prekären Bedingungen" stellen Lennard Schmidt, Marc Seul und Luisa Gärtner die Arbeit der IIA und die Herausforderungen des Wissenschaftsbetriebs aus der Perspektive einer Nachwuchsinitiative dar. Marc Seul stellt darüber hinaus in seiner Rezension den Sammelband "Bildung gegen Antisemitismus" von Marc Grimm und Stefan Müller vor.


Kulturwochen gegen Antisemitismus 2022 erfolgreich gestartet

Salome Richter und Dorothea Seiler am Empfang
Das Ensemble von "Trauer to go"
Applaus für die Aufführung von "Trauer to go"
Rede von Markus Nöhl
Lennard Schmidt als "Zweitzeuge"
Luisa Gärtner (Regisseurin)

Am 29. Mai starteten die “Kulturwochen gegen Antisemitismus”. Zur Eröffnung der Veranstaltungsreihe hielten Leon Kahane, Lennard Schmidt (IIA Trier) und Markus Nöhl (Kulturdezernent der Stadt Trier) Eröffnungsreden. Im Anschluss wurde das Stück “Trauer to go” von Adriana Altaras in einer Inszenierung von Luisa Gärtner aufgeführt.

Vielen Dank an alle, die der Eröffnungsveranstaltung beigewohnt haben! Wir freuen uns besonders über das sehr positive Feedback auf die Inszenierung von “Trauer to go”! Das Stück wird auch noch am 12.06. in der Stadtbücherei Trier und am 30.06. in der Wissenschaftlichen Bibliothek Trier (jeweils 19 Uhr) aufgeführt. Eine Voranmeldung per Mail an iia@uni-trier.de bis zu drei Tage vor dem jeweiligen Termin ist verpflichtend.

Alle Veranstaltungen der Kulturwochen im Überblick.


Stellungnahme der IIA zu Michael Fiedrowiczs “Ohne Kampf gibt es kein Christentum” 

Bei unserer Einschätzung des von Prof. Dr. Michael Fiedrowicz verfassten Aufsatzes “Ohne Kampf kein Christentum. Ecclesia militans - eine vergessene Metapher” (In: Die Neue Ordnung, 72 (1), Februar 2018) haben wir zwei zentrale Fragen gestellt:  Zum einen ist von Bedeutung, inwieweit der Text antisemitische Stereotype und Topoi beinhaltet und verbreitet, und zum anderen, ob der Autor diese Inhalte deskriptiv im Sinne einer wissenschaftlichen Analyse wiedergibt oder selbst von ihnen überzeugt ist bzw. sie als Norm des rechtgläubigen Christen konstruiert.

Es lässt sich zunächst festhalten, dass Prof Dr. Fiedrowicz bereits zu Beginn des Textes eine manichäische Aufteilung der Welt vornimmt: “So zeigen schon die ersten Seiten der Bibel, losgelöst von historischen Bedingtheiten, die in der Weltgeschichte einander entgegengesetzten Mächte: Gott, der Messias und die Menschen auf der einen Seite, der Teufel in der Rolle des Widersachers Gottes und des Antichristen auf der anderen Seite” (Fiedrowicz 2018: 21). Der Autor vermischt hier rhetorisch mythisch-biblische Religionsgeschichte und Historiographie und deutet den Kampf zwischen “Gut und Böse” als transhistorische Konstellation, innerhalb der sich geschichtliche Phänomene ereignen. Diese Dichotomie reduziert die Komplexität der Weltgeschichte auf eine simple Gegenüberstellung von moralischen Extremen. Dabei ist die “antichristliche” Seite derart überzeichnet dargestellt, dass sie vom Rezipienten jederzeit als Projektionsfläche von negativen Empfindungen genutzt werden und ein Einfallstor für Antisemitismus darstellen kann.

Als Quellen für seine Darstellung der Widerstände gegen die Kirche führt Fiedrowicz anstelle von anerkannten historischen Belegen ausschließlich die Bibel und ihre Interpretationen durch Geistliche wie Papst Benedikt XIV./Kardinal Joseph Ratzinger oder “die Kirchenväter” an. Einer wissenschaftlichen Methodik folgt der Text unserer Meinung nach nicht, stattdessen findet eine Vermischung von Wissenschaft und katholischem Dogma statt. Dies zeigt sich nicht nur textinhärent, sondern unserer Einschätzung nach auch in Fiedrowiczs Reaktion auf die fehlende Nachvollziehbarkeit der Herkunft seiner Aussagen: So betonte Fiedrowicz im Volksfreund, dass es sich bei seinen Ausführungen lediglich um indirekte Zitate aus historischen Quellen handele, die er aus formal-stilistischen Gründen nicht mit einer Fußnote habe kennzeichnen können. Dieses Vorgehen entspricht nicht den Standards wissenschaftlichen Arbeitens, die sich u.a. durch die der Nachprüfbarkeit von Quellen definiert. Zudem wirkt diese Ambivalenz wie der Versuch, sich gegen inhaltliche Kritik jeglicher Art zu immunisieren.

In Rekurs auf die zuvor angeführten Aussagen aus der Einleitung bezeichnet Fiedrowicz diesen wahrgenommenen Dualismus aus “Gläubigen” und Feinden der Kirche, zwischen Jesus Christus und Satan, als in den Evangelien “beschriebene Wirklichkeit” (ebd: 26). An dieser Stelle tritt deutlich zutage, dass der Autor nicht bloß fremde Inhalte wiedergibt, sondern selbst von der Bedeutung dieses religiösen Kampfes überzeugt ist. So führt er an: “Diese Realität auszublenden, hieße nicht, auf der Höhe moderner Wissenschaft zu sein, sondern die Tiefendimension des Kampfes zu verkennen, der jedem Getauften und der Kirche insgesamt aufgetragen ist” (ebd: 26, Herv. i. O.). Entgegen der öffentlichen Aussagen Fiedrowiczs ist der Text nicht ausschließlich deskriptiv, sondern enthält ein eindeutig normatives Plädoyer für den kirchlichen Kampf gegen ihre vermeintlichen Gegner: “Deswegen erscheint es überaus notwendig, sich auf eine Bezeichnung der Kirche zu besinnen, die heute fast vergessen scheint, aber seit Anbeginn das Selbstverständnis der Kirche zutiefst prägte. Gemeint ist der manchen noch vertraute Titel: Ecclesia militans – die streitende Kirche” (ebd: 30).

Hinsichtlich der Frage, welche dezidiert antisemitischen Stereotype und Topoi der Text bedient, ist festzuhalten, dass der Autor sowohl klassisch-antijudaistische als auch moderne antisemitische Inhalte einsetzt. Fiedrowicz zufolge “suchte Satan die entstehende Kirche durch gewaltsame Verfolgung zu vernichten, durch die anfängliche Verfolgung seitens der jüdischen Synagoge” (ebd: 23). Der Begriff der Synagoge kann mehrdeutig interpretiert werden, da das Wort nebst seiner heute gebräuchlichen Variante als Synonym für jüdisches Gotteshaus auch die Gesamtheit des Judentums meinen könnte. Die angebliche Verfolgung von Christen durch Juden erscheint durch deren Minderheitencharakter und die Rechtslage im Römischen Reich bestenfalls fragwürdig. Sicherlich mag es theologische Streitfragen zwischen Juden- und Christentum geben, dies jedoch fälschlicherweise als “Verfolgung” von Christen durch Juden zu bezeichnen, bedient in diesem Kontext klassische Narrative der Schuldumkehr. Überhaupt wird dieser vermeintliche Sachverhalt nicht als historisches Phänomen, sondern als Zeichen der Ankunft Satans gedeutet. Das Einwirken Satans zeige sich, so der Fortlauf der Argumentation, in diverser Gestalt bis heute, wodurch ‘die Juden’, wenn auch nicht immer explizit benannt, als Feinde der Christenheit dargestellt und so in der Folge auch dort, wo sie nicht explizit genannt werden, (mit)gemeint. So werden Jüdinnen:Juden im Text dadurch diffamiert, dass ihnen eine Verbindung zum “Antichristen” und dem Anbeten falscher Götzen unterstellt wird (vgl. ebd: 27). Fiedrowicz entwickelt im Verlauf des Textes argumentativ die Idee weiter, Christ:innen müssten auch gegenwärtig gegen die Feinde, die von Satan gesandt seien, vorgehen und diese aufs Ärgste bekämpfen, was er mit dem Aufbau der dichotomen Weltsicht zu Beginn des Textes bereits als unumgänglich legitimiert hat.

Er unterstellt Jüdinnen:Juden neben dem verbalen Vorgehen gegen Christ:innen sogar eine gewaltsame Aggression, für die es keinerlei historische Belege gibt: “In den Zeiten des Antichrist, da ‘die Erde in seine Hände gegeben sein wird’ und er die Weltherrschaft erlangt hat (vgl. Offb 13,7), werden sich die Gegner der Kirche – Juden, Heiden, Irrlehrer – gemeinsam gegen sie erheben, um sie nun nicht wie früher nur mit Worten, sondern mit schonungsloser Gewalt anzugreifen” (ebd: 28f.). Neben der direkten Benennung jüdischer Menschen als Feind:innen des Christentums verwendet Fiedrowicz zahlreiche antisemitische Topoi. So werden zum Beispiel ‘die Juden’ als treibende Kraft hinter Säkularisierung und Laizismus in Europa vermutet, wodurch traditionelle Beziehungen zwischen Mensch und Gott sowie Traditionen und Werte aufgebrochen werden: “‘Wir wollen nicht, daß dieser über uns herrsche’: der Empörungsschrei der jüdischen Hohepriester [...] ist geradezu durch den fehlenden Gottesbezug in die Präambel der europäischen Verfassung eingeschrieben, sozusagen als ideologischer Laizismus” (ebd: 29). In diesem Kontext richtet sich Fiedrowicz beispielsweise gegen die sogenannte “Gender-Ideologie” (ebd: 25), welche in die Verschwörung gegen das Christentum und die Institution der Ehe eingebettet sei. Des Weiteren sieht der Autor das Christentum durch “entschieden anti-christliche Strömungen bedroht, die auf verschiedenen Ebenen agieren: UN-Resolutionen, EU-Beschlüsse, sogenannte Nicht-Regierungsorganisationen, nationale Gesetzgebungen, bestimmte Parteiprogramme, Medienpropaganda, Bildungseinrichtungen und anderes mehr” (ebd: 30). An dieser Stelle lässt sich eine explizit anti-demokratische Ideologie bei Fiedrowicz erkennen, die selbst die EU und die UN als von einer Verschwörerelite unterwandert sieht. Auch das im modernen Antisemitismus gerne verwendete Narrativ der im Verborgenen für das Böse arbeitenden und als jüdisch kontrolliert geltenden Freimaurerlogen verwendet er (vgl. ebd: 22). Ebenso nutzt er das u.a. von der Neuen Rechten propagierte Verschwörungsnarrativ einer vermeintlichen “Neuen Weltordnung”, die dem Zweck diene, durch “Lüge und Gewalt [...] die Menschen dem Weltstaat gefügig zu machen. Wo die Verführung des Geistes durch Propaganda nicht gelingt, wird Gewalt zum Einsatz kommen” (ebd: 29). Diese dystopisch-apokalyptische Vorstellung von einem gewalttätigen, totalitären Weltstaat ist seit den “Protokollen der Weisen von Zion” ein beständiges  Element im Repertoire von Antisemit:innen.

Zusammenfassend  bleibt festzuhalten, dass Michael Fiedrowicz in seinem Text antisemitische Topoi bedient und sich dezidiert anti-demokratisch äußert, all dies angetrieben von der Vorstellung eines Schicksalskampfes zwischen Satan und Jesus Christus. Innerchristliche Konflikte und Krisen wie die gegenwärtige Problematik der Kirchenaustritte werden vollständig auf von Satan beeinflusste feindliche Mächte projiziert (vgl. ebd: 30).  Er unterlässt es außerdem, eine Trennung zwischen den Texten anderer Geistlicher und seiner eigenen Einschätzung vorzunehmen, wodurch der gesamte Text als verschwörungsideologisch-antisemitisch motivierter Aufruf des Autors zum religiösen Kampf gegen die Feinde der Kirche betrachtet werden muss. Ein solcher ist nicht tragbar und verbietet sich im Allgemeinen, aber im Besonderen für einen Hochschullehrer, der u.a. in die Lehramtsausbildung involviert ist.

Diese Kritik haben wir in den letzten Wochen immer wieder im Kontext unterschiedlicher Vorträge (Haus des Jugendrechts, Wissenschaftliche Bibliothek, Stadtbücherei Trier etc.) öffentlich vertreten. Nun hat uns das Bistum eingeladen, auf einer Veranstaltung der Theologischen Fakultät einen zehnminütigen einführenden Vortrag über Antisemitismus zu halten. Ursprünglich war von Seiten des Bistums angedacht, dass der Vortrag einen einführenden Charakter zum Gegenstand des Antisemitismus im Allgemeinen haben soll. Da wir die Ansicht vertreten, dass in diesem Fall ein solcher Vortrag dem Problem nicht gerecht wird, haben wir die Bedingung gestellt, den Vortrag dezidiert auf Herrn Prof. Dr. Fiedrowicz und seine antisemitische Rhetorik zuzuschneiden.

Eine solche Veranstaltung wie jene, der wir am 21.06. beiwohnen werden, birgt aufgrund von Begrenzungen in Zeit und Teilnehmer:innenzahl nur die Chance zum Beginn einer Auseinandersetzung mit Antisemitismus an der Theologischen Fakultät und seinem Träger, dem Bistum Trier, und darf nicht der Endpunkt einer Reflexion sein: Denn Fiedrowicz ist für uns nicht mehr als ein Symptom struktureller Probleme innerhalb der katholischen Kirche. Noch stärker als Prof. Dr. Fiedrowicz selbst sind es dementsprechend strukturelle Fragen, die in den Mittelpunkt der Debatte gerückt werden müssten: Wie konnte Fiedrowicz überhaupt die Publikation eines antisemitisch argumentierenden Texts innerhalb einer Zeitschrift mit wissenschaftlichem Anspruch gelingen? Wieso blieben seine Ansichten so lange unbemerkt bzw. unwidersprochen? Welche Anteile der christlichen Dogmatik sind vor dem Hintergrund der langen Geschichte des christlichen Antijudaismus weiterhin anschlussfähig für Antisemitismus?

Auch wenn wir Kritik am Vorgehen des Bistums und der Theologischen Fakultät haben, schlagen wir die Einladung aufgrund unseres Selbstverständnisses als aufklärende Initiative nicht aus und werden die antisemitischen Äußerungen Fiedrowiczs am Ort seines Wirkens klar benennen. Dennoch gilt, dass wir die Kürze des Vortrags sowie die Einbindung in diesen Veranstaltungskontext als unzureichend betrachten, um den Fall tatsächlich aufzuarbeiten. Davon, dass das Bistum die Brisanz des Falls Fiedrowicz weiterhin verkennt, zeugt auch die Replik an den Volksfreund, in der der Verweis auf Fiedrowiczs Befürwortung eines interreligiösen Dialogs als Beweis für seine angeblich antisemitismuskritische Gesinnung herhalten muss.

Der Fall ist somit ganz und gar nicht “abgeschlossen”. Wir erwarten von Bistum daher, dass im Anschluss an die Veranstaltung eine dezidierte Aufarbeitung des Falls stattfindet, die die oben genannten Fragen zum Anlass einer umfassenden Reflexion nimmt.


Vorträge im Haus des Jugendrechts Trier

Lennard Schmidt und Luisa Gärtner vor dem Haus des Jugendrechts Trier

Am 20. Mai hielten die IIA-Mitglieder Luisa Gärtner und Lennard Schmidt im Haus des Jugendrechts Trier einen Vortrag vor einem äußerst interessierten Publikum. Der Vortrag bot eine Einführung in den Themenkomplex Antisemitismus und bildete den Auftakt für eine ganze Reihe weiterer Vorträge im Haus des Jugendrechts. Der nächste Vortrag wird sich mit Antisemitismus im Kontext der Neuen Rechten und den sog. "Corona-Rebellen" beschäftigen.

Wir freuen uns sehr über die Einladung und die Kooperation!


Delegation der IIA zu Gast im Mainzer Landtag - Dauerhafte institutionelle Verankerung gefordert

Die Delegation der IIA zu Gast im Mainzer Landtag
Foto: Astrid Schmitt

Am 16. Februar 2022 war eine Delegation der IIA bestehend aus Andreas Borsch und Salome Richter zu Gast im Mainzer Landtag, um über die Institutionalisierungsbestrebungen der Forscher:innengruppe zu sprechen. Auf Initiative der Vizepräsidentin des Landtages, Astrid Schmitt, die die Arbeit der IIA schon seit längerem tatkräftig unterstützt, fanden sich im Mainzer Deutschhaus der Präsident der Universität Trier Prof. Dr. Michael Jäckel, der Landtagspräsident Hendrik Hering, die Landtagsdirektorin Ursula Molka, die Bildungsstaatssekretärin Bettina Brück und der Wissenschaftsstaatssekretär Dr. Denis Alt sowie Dieter Burgard, der Beauftragter der Ministerpräsidentin für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen, ein, um über den Beitrag, den die IIA als Leuchtturmprojekt der Antisemitismusforschung im Südwesten, im Kampf gegen Antisemitismus leisten kann, zu beraten. Astrid Schmitt äußerte sich im Nachgang des Treffens auf ihrer Website wie folgt:

„Leider müssen wir heute wieder ein globales Erstarken des Antisemitismus erleben. Gemeinsam müssen wir hiergegen vorgehen und uns für eine Gesellschaft ohne Hass und Ausgrenzung einsetzen, um so die Demokratie zu stärken. Dafür benötigen wir auch eine wissenschaftlich fundierte Forschung und Präventionsarbeit in unserer Region. Darum setze ich mich gemeinsam mit anderen schon seit langem dafür ein, die Initiative Interdisziplinäre Antisemitismusforschung (IIA) an der Universität Trier dauerhaft zu etablieren.“

„Die Arbeit der IIA basiert dabei auf einem Drei-Säulen-Prinzip: wissenschaftliche Grundlagenforschung, Wissensvermittlung in die Öffentlichkeit und Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Akteur:innen. Dies ist ein überzeugender und wichtiger Ansatz. Die IIA sollte unbedingt langfristig als fester Akteur der Antisemitismusforschung und -bekämpfung in Rheinland-Pfalz verankert werden. [...] Ich bin zuversichtlich, dass das Leuchtturmprojekt ‚Initiative Interdisziplinäre Antisemitismusforschung‘ zu einem besonderen Aushängeschild an der Universität Trier und der Antisemitismusbekämpfung im Südwesten werden wird.“

- Astrid Schmitt, SPD-Landtagsabgeordnete und Vizepräsidentin des rheinland-pfälzischen Landtages


Unterstützung des "Statement on the War in Ukraine by Scholars of Genocide, Nazism and World War II"

Als Initiative von Nachwuchswissenschaftler:innen haben wir uns dem auch von vielen prominenten Wissenschaftler:innen unterstützten "Statement on the War in Ukraine by Scholars of Genocide, Nazism and World War II" angeschlossen:

"We are scholars of genocide, the Holocaust, and World War II. We spend our careers studying fascism and Nazism, and commemorating their victims. Many of us are actively engaged in combating contemporary heirs to these evil regimes and those who attempt to deny or cast a veil over their crimes.

We strongly reject the Russian government’s cynical abuse of the term genocide, the memory of World War II and the Holocaust, and the equation of the Ukrainian state with the Nazi regime to justify its unprovoked aggression. This rhetoric is factually wrong, morally repugnant and deeply offensive to the memory of millions of victims of Nazism and those who courageously fought against it, including Russian and Ukrainian soldiers of the Red Army. [...]

At this fateful moment we stand united with free, independent and democratic Ukraine and strongly reject the Russian government’s misuse of the history of World War II to justify its own violence."

Vollständiges Statement | Aktuellste Fassung mit allen Unterstützer:innen


Vortrag über die jüdische Widerstandskämpferin Marianne Baum im Stadtmuseum Simeonstift Trier

Dorothea Seiler
Luisa Gärtner

Am 1. März 2022 referierten die IIA-Mitglieder Luisa Gärtner und Dorothea Seiler im Stadtmuseum Simeonstift Trier über die Widerstandkämpferin Marianne Baum. Ihr Vortrag basiert auf Arbeiten im Rahmen des Projekts "Digitaler Erinnerungsatlas der Großregion".

Widerstand gegen den Nationalsozialismus, so scheint es, ist in Deutschland ausreichend aufgearbeitet. Anne Frank und Sophie Scholl sind jede*r Schüler*in bekannt, aber der Schein trügt: Trotz über 70-jähriger Erinnerungskultur sind insbesondere Biografien von Frauen, die Teil des Widerstands waren, oft wenig bis gar nicht aufgearbeitet.

Marianne Baum, Teil der Herbert-Baum-Gruppe, Kommunistin und Jüdin, wurde wegen eines Anschlags auf die Ausstellung “Das Sowjetparadies” 1944 in Berlin zum Tode verurteilt und hingerichtet. Aus der zugehörigen Gestapo-Akte geht hervor, dass sie 1912 in Saarburg geboren wurde. Allerdings handelt es sich nicht - wie allgemein angenommen wird - um Saarburg im Bezirk Trier, sondern um Sarrebourg in Elsass-Lothringen, das von 1871 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zu Deutschland gehörte und während des Zweiten Weltkriegs von der Wehrmacht besetzt war.

Der “Fall” Marianne Baum gewährt Einblicke in die Marginalisierung weiblichen Widerstands, die Okkupations- und Eindeutschungspolitik der Region Elsass-Lothringen, Fragen der Quelleninterpretation und der didaktischen Verarbeitung historischer Irrtümer. Diese Themenfelder präsentierten die beiden Referentinnen dem interessierten Publikum.


Interview zur Schaufensterausstellung und dem Gedenken am 27. Januar in Trier mit TACHELES - dem inklusiven Medien-Magazin

Am 27. Januar fanden in Trier, wie an vielen anderen Orten, Gedenkveranstaltungen an die Befreiung des NS-Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee statt. Darüber hat auch TACHELES - das inklusive Medien-Team berichtet.

Im Video zum Beitrag kommt neben dem Trierer Oberbürgermeister, Wolfram Leibe, auch IIA-Mitglied Andreas Borsch zu Wort (ab 03:00) und erklärt den Hintergrund und die Ziele der Schaufensterausstellung "Gemeinsam gegen Antisemitismus", die wir zusammen mit dem Verein "Buntes Trier" und jüdischen Studierenden der Universität Trier entwickelt haben.

Wir bedanken uns beim Team von TACHELES für den tollen Bericht über die Aktionen rund um den Gedanktag an der Porta Nigra!

Hier gehts zum Video auf YouTubeund dem Beitrag bei TACHELES.


Bericht zur Vortragsreihe "Neue Zugänge und Methoden der Antisemitismusforschung" erschienen

Bericht Vortragsreihe 2021
Bericht Vortragsreihe 2021 Sharepic
Bericht Vortragsreihe 2021 Sharepic
Bericht Vortragsreihe 2021 Sharepic

Unser Bericht zur letztjährigen Vortragsreihe "Neue Zugänge und Methoden der Antisemitismusforschung" steht nun zum Download zur Verfügung! Der Bericht bietet neben Fotos der Veranstaltungen auch kurze inhaltliche Skizzen der gehaltenen Vorträge. Insofern Aufzeichnungen der Vorträge noch auf YouTube verfügbar sind, sind diese im PDF-Dokument verlinkt.

Die Initiative Interdisziplinäre Antisemitismusforschung bedankt sich bei allen Referent:innen, Gästen und Online-Zuschauer:innen für die interessanten Vorträge, spannenden Diskussionen, die angenehme Atmosphäre und für eine sehr lehrreiche Vortragsreihe! Ein besonderer Dank geht an Christoph Fischer, der die Übertragung der Vorträge mit seinem Equipment und seiner technischen Expertise erst möglich gemacht hat! Weiterhin bedanken wir uns beim Fanprojekt Trier und der Katholischen Studierendenjugend Trier, die uns ihre Räumlichkeiten für zwei der Vorträge zur Verfügung gestellt haben!

Download der Broschüre


Vortrag: Aktuelle Erscheinungsformen des Antisemitismus in der Region Trier

Vortrag "Aktuelle Erscheinungsformen des Antisemitismus in der Region Trier"

Begleitvortrag zur Schaufensterausstellung "#GemeinsamGegenAntisemitismus" mit Deborah Frank, Emilia Taran, Andreas Borsch, M.A., und Luca Zarbock

Der Vortrag fand am 02. Februar 2022 um 19 Uhr statt und wurde über YouTube und Zoom gestreamt.

Am 27. Januar 1945 befreiten die Alliierten das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und beendeten damit die nationalsozialistische Ermordung von etwa 6 Millionen europäischer Jüdinnen und Juden während der Shoa. Aber auch 77 Jahre später ist der Antisemitismus nicht aus der deutschen Gesellschaft verschwunden. Während der Corona-Pandemie haben antisemitisch konnotierte Verschwörungsmythen neuen Auftrieb gefunden, Anhänger:innen der “Querdenken”-Bewegung vergleichen sich selbst mit den Opfern des Nationalsozialismus und die Bundesregierung mit der NSDAP. Neben der Relativierung der Shoa ist auch israelbezogener Antisemitismus in Deutschland immer noch weit verbreitet, während der Eskalation des Nahostkonflikts im vergangenen Jahr wurde der jüdische Staat auf zahlreichen Demonstrationen dämonisiert und Synagogen angegriffen. All dies führt in der Realität oftmals dazu, dass jüdische Menschen in Angst leben und religiöse Symbole nicht mehr offen auf der Straße tragen.

Der Vortrag soll nun zum einen eine allgemeine Einführung in die Funktionsweisen und Elemente des Antisemitismus bieten und die Verbindungen zu in der Öffentlichkeit präsenten Verschwörungsmythen aufzeigen, zum anderen antisemitische Stereotype auch anhand aktueller Beispiele aus Trier und der Umgebung exemplarisch darstellen und darüber hinaus auch eine in der Analyse von Antisemitismus oft ausgeblendete Betroffenenperspektive auf die Situation von Jüdinnen und Juden im Jahr 2022 liefern.


Schaufensterausstellung "Gemeinsam gegen Antisemitismus" in der Trierer Innenstadt

Logo "Gemeinsam Gegen Antisemitismus"

Antisemitismus ist auch heute noch in weiten Teilen der Gesellschaft verbreitet. Gerade die Verbreitung von Verschwörungstheorien während der Corona Pandemie verstärkt stereotype Vorurteile gegen Jüdinnen und Juden. Doch moderner Antisemitismus ist ein strukturelles Problem, das weit mehr umfasst: Deshalb hat der Verein Für ein buntes Trier, gemeinsam gegen Rechts die Plakatausstellung „Gemeinsam gegen Antisemitismus“ ins Leben gerufen, an deren inhaltlicher Ausgestaltung wir uns als IIA umfangreich beteiligt haben.

Ziel der Plakatausstellung ist es, über die Formen und Auswirkungen von modernem Antisemitismus aufzuklären und Menschen dazu zu motivieren, sich aktiv gegen Antisemitismus einzusetzen. Insgesamt sind 16 Plakate entstanden: Die Thematik der Plakate reicht von antisemitischen Verschwörungsmythen im Kontext der Corona-Pandemie über das judenfeindliche Wirken des Trierer Reichstagsabgeordneten Georg Friedrich Dasbach (†1907) und israelbezogenen Antisemitismus bis hin zu Antisemitismuserfahrungen von Jüdinnen und Juden.

Alle Plakate und Infotexte auf einen Blick!

Die Plakate wurden zusammen mit jüdischen Studierenden der Universität Trier ausgearbeitet und gestaltet. Gefördert wurde das Projekt durch die Stadt Trier, die Verdi Jugend Trier - Saar und den Pastoralen Raum Trier.

Die Plakatausstellung „Gemeinsam gegen Antisemitismus“ findet im Rahmen der zivilgeschichtlichen Gedenkarbeit der Stadt Trier statt. Die Plakate können vom 24.01.2022 bis zum 07.02.2022 in der Innenstadt besichtigt werden!

Bei einer einmaligen Plakatausstellung soll es aber nicht bleiben. Wir wollen erreichen, dass eine breitere Auseinandersetzung mit Antisemitismus stattfindet: Schulen, Bildungseinrichtungen und ähnliche interessierte Organisationen haben deshalb die Möglichkeit, die Plakatserie kostenfrei zu nutzen. Anfragen gerne an: infobuntes-trierorg oder iiauni-trierde!


Artikel über Arbeit und Ziele der IIA im Wissenschaftsmagazin der Universität Trier erschienen

konzentriert Artikel 1

In der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "konzenTRiert" ist ein ausführlicher Artikel über die Arbeit und die Ziele unserer Initiative erschienen. Im Interview schilderten Lennard Schmidt und Andreas Borsch ihre Dissertationsprojekte, beschrieben die nächsten Projekte der IIA und skizzierten den Weg zu einem Forschungszentrum Antisemitismus an der Universität Trier.

Der Bericht kann hier heruntergeladen werden.


Call for Papers zur 2. Interdisziplinären Antisemitismustagung für Nachwuchswissenschaftler:innen erschienen

cfp tagung 2022

Die Initiative Interdisziplinäre Antisemitismusforschung Trierveranstaltet vom 12.10.2022 bis zum 14.10.2022 eine interdisziplinäre Tagung zum Themenkomplex Antisemitismus, die sich gezielt an Nachwuchswissenschaftler:innen richtet.

Die Tagung widmet sich gegenwärtigen und historischen Erscheinungsformen des Antisemitismus. Das Phänomen soll durch die interdisziplinäre Ausrichtung anhand verschiedener Methoden und Zugänge erschlossen werden.

Ziel der Tagung ist es, einen Beitrag zur kritischen Auseinandersetzung mit gegenwärtigen und historischen Erscheinungsformen des Antisemitismus zu leisten. Die dreitägige internationale Konferenz findet in Kooperation mit Herrn Prof. Dr. Christian Jansen, Herrn Senior-Forschungsprofessor Dr. Lutz Raphael, Herrn Dr. Thomas Grotum (alle Universität Trier), Herrn Dieter Burgard (Beauftragter der Ministerpräsidentin für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen des Landes Rheinland-Pfalz) und dem Arbeitskreis „Erinnerung der Großregion“ e.V. in Trier statt. Zivilgesellschaftliche Akteur:innen werden während der Tagung die Möglichkeit haben, ihre Inhalte an Ständen zu präsentieren.

Zum ausführlichen Call for Papers.


Workshop beim Online-Fachtag "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Rheinland-Pfalz - Ein diskursives Lagebild"

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Am 10. Dezember war die IIA in Person von Andreas Borsch und Marc Seul auf dem Online-Fachtag "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Rheinland-Pfalz - Ein diskursives Lagebild" des Ministeriums für Familie, Frauen, Kultur und Integration Rheinland-Pfalz mit einem Workshop zum Themenkomplex "Antisemitismus und Verschwörungsideologien" vertreten. Die Teilnehmenden konnten im Anschluss an ein kurzes Inputreferat selbst tätig werden und in zwei Gruppenarbeiten in Kleingruppen zu den Erscheinungsformen des modernen Antisemitismus und zur Analyse aktueller Fälle antisemitischer Verschwörungsmythen aus
Rheinland-Pfalz arbeiten.

Im Rahmen des Workshops wurde intensiv über die Möglichkeiten und Grenzen von (politischer) Bildungsarbeit gegen Antisemitismus, den präventiven Einfluss von Selbstwirksamkeitserfahrungen und die Notwendigkeit von zielgerichteten Präventionsangeboten für unterschiedliche Kontexte und Bedürfnisse diskutiert. Der Bedarf nach neuen (Weiter)Bildungsangeboten, die bewusst die subjektiv-emotionale Ebene angehen und die psychologischen Bedürfnisse der Individuen identifizieren, wurde von mehreren Teilnehmenden hervorgehoben. Diesem Bedarf wollen wir uns auch als IIA annehmen. Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden für die spannende Diskussion und das Interesse an unserem Workshop sowie beim Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration Rheinland-Pfalz für die wichtige Möglichkeit der Vernetzung auf dem Fachtag!


Stand bei der Jüdischen Campuswoche

jüdische campuswoche 2021

Am 8. November 2021 war die IIA bei der Jüdischen Campuswoche an der Universität Trier mit einem Stand auf der Forumsplatte vertreten. Jüdisches Leben wurde den Besucher:innen beispielsweise durch Mitmachaktionen wie "Frag den Rabbi", "Meet a Jew" oder durch eine Auswahl an Speisen und Getränken nähergebracht.

Wir bedanken uns bei den Organisator:innen für die tolle Gelegenheit, unsere Arbeit vorzustellen und mit den Besucher:innen und anderen Teilnehmenden ins Gespräch über jüdisches Leben in Deutschland zu kommen!


Erstes Praktikum bei der IIA erfolgreich abgeschlossen

Praktikantin Pia 2021

Am vergangenen Freitag (29. Oktober 2021) endete das Praktikum von Pia Koch, die uns in den letzten acht Wochen im Rahmen ihres Forschungspraktikums tatkräftig unterstützt hat. Als Psychologiestudentin beschäftigte sie sich intensiv mit antisemitischen Ressentiments aus sozialpsychologischer Perspektive und bereitete für uns den aktuellen Forschungsstand und die zentralen Erkenntnisse der sozialpsychologischen Antisemitismusforschung auf. Dass die IIA in ihrer weiteren Arbeit auf diese Erkenntnisse gezielt zurückgreifen kann, ist ihrer tollen und engagierten Arbeit zu verdanken.

Vielen lieben Dank, Pia! Auch für den leckeren Kuchen!


Podiumsdiskussion "Alltäglicher Antisemitismus"

podiumsdiskussion buntes trier 2021

Am 28. Oktober nahm unser Mitglied Lennard Schmidt an der Podiumsdiskussion "Alltäglicher Antisemitismus" des Vereins Buntes Trier, dem Katholischen Dekanat Trier und der Verdi-Jugend Saar-Trier teil.

Emilia Taran stellte dabei das Webprojekt www.jedervierte.com vor, das versucht, alltäglichen Antisemitismus anhand von nachgespielten Filmszenen offenzulegen. Sie berichtete auch von verschiedenen Formen von Antisemitismus, die Ihr z.B. bei der Aktion "Frag den Rabbi" in diesem Sommer auf dem Trierer Hauptmarkt begegnet ist. Andrea Kockler vom Projekt "Der goldene Aluhut" berichtete über Antisemitismus in der Coronaleugner*innen und Querdenker*innen Szene. Lennard Schmidt brachte zentrale Erkenntnisse der Antisemitismusforschung in die Debatte ein und stellte den Beitrag der Wissenschaft für die Antisemitismusbekämpfung durch Aufklärung über das antisemitische Ressentiment heraus.

Im Anschluss an diese Statements der Referent:innen entstand eine engagierte Diskussion mit zahlreichen Zuhörer:innen über die Frage, wie man alltäglichem Antisemitismus in seinen verschieden Formen heute begegnen könne. Die IIA bedankt sich bei den Veranstalter:innen für die Einladung zu dieser spannenden Diskussion! Wir freuen uns auf zukünftige Kooperationen!


Workshop an der Hochschule der Polizei

Workshop HdP
Workshop HdP

Am 20. Oktober war die IIA in Person von Andreas Borsch, Dorothea Seiler und unserer Praktikantin Pia Koch an der Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz (HdP) zu Gast, um im Rahmen des Hochschulgesprächstages "Jüdisches Leben in Deutschland & Polizei" einen eigenen Workshop zum Themenkomplex "Verschwörungsmythen und Antisemitismus" anzubieten. Die Teilnehmenden konnten im Anschluss an ein kurzes Inputreferat selbst tätig werden und in Kleingruppen zu den Bereichen "Coronaleugner", "moderner Antisemitismus" und "israelbezogener Antisemitismus" Inhalte erarbeiten und präsentieren.

Wir hoffen, durch den Workshop ein besseres Verständnis für Antisemitismus bei den Polizist:innen, die vor Ort waren, geschaffen zu haben und auch in Zukunft dazu beitragen zu können, dass das Thema innerhalb der Polizei präsenter wird. Am 09. November wird Andreas Borsch auch auf der Tagung "Strategien zur effektiven Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rechtsterrorismus in Deutschland" an der HdP über Verschwörungstheorien und Israelkritik als Artikulationsformen des modernen Antisemitismus referieren.