Vortragsreihe "Neue Zugänge und Methoden der Antisemitismusforschung"

Falls nicht anders angegeben, finden alle Vorträge um 18 Uhr c.t. statt. Aufgrund der unsicheren pandemischen Lage werden die Orte bzw. Online-Zugangsdaten der Veranstaltungen ggf. erst kurzfristig bekanntgegeben.

Plakat der Veranstaltungsreihe zum Download.

Veranstaltungen der Vortragsreihe

Juni

24. Juni 2021 | Antisemitismus und Impfkritik. Historische Verflechtungen | Mathias Berek (Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin) | Online | Facebook-Veranstaltung | Livestreamaufzeichnung

Mit dem Fortschreiten der Impfkampagne gegen die Covid19-Pandemie wächst auch die öffentliche Präsenz der Impfkritik. Vergleicht man den heutigen Zustand der deutschen impfgegnerischen Bewegung mir ihrem Beginn im 19. Jahrhundert, zeigt sich, dass sich seit 1874 nicht nur an ihren Argumenten wenig geändert hat, sondern auch am Vorhandensein antisemitischer Inhalte. Die Bewegungen gegen das Impfen waren und sind sehr heterogen, und es gibt gravierende Unterschiede zwischen der Situation heute und der vor 100 Jahren. Dennoch lassen sich übereinstimmende Muster im antisemitischen und impfgegnerischen Denken identifizieren, die sich in all der Zeit kaum geändert haben. Diese Gemeinsamkeiten, aber auch strukturelle Parallelen der impfgegnerischen Bewegungen wird der Vortrag diskutieren.

Dr. habil. Mathias Berek ist Kulturwissenschaftler und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin.

Juli

29. Juli 2021 | Was ist eigentlich „Antisemitismus“? Annäherungen an ein vielgestaltiges Phänomen | Thomas Haury (Freiburg) | Facebook-Veranstaltung | HS 4 der Universität Trier (C-Gebäude) | YouTube-Livestream

Falls Sie in Präsenz am Vortrag von Thomas Haury teilnehmen wollen, bitten wir um eine Anmeldung bis zum 28.07. um 20 Uhr mit einer formlosen Mail an iiauni-trierde! Der Zutritt ist nur für Geimpfte, Genese und negativ Geteste unter Vorlage entsprechender Unterlagen möglich!

Die Frage: „Was ist Antisemitismus?“ erhebt sich schon angesichts der jüngsten, recht meinungsstark geführten Antisemitismus-Debatten in der politischen Öffentlichkeit – sei es um Achille Mbembe, die BDS-Bewegung oder einen „neuen”, israelbezogenen Antisemitismus. Involviert in diese Debatten auf umkämpftem politischem Feld mit einer Vielzahl von Akteuren, Interessen und Positionen ist notwendig auch die Antisemitismusforschung. Und auch hier herrscht offener Dissens schon über die Bestimmung des Gegenstandes selbst, es zeigt sich eine disparate Vielfalt von Definitionsvorschlägen und Typologien, deren theoretischer Gehalt jedoch allzu häufig der Komplexität des Phänomens Antisemitismus nicht gerecht wird. Wie könnte eine Annäherung an ein tiefer gehendes Verständnis des Antisemitismus aussehen, das dessen historischer wie gegenwärtiger Vielgestaltigkeit und tiefer kultureller Verankerung Rechnung trägt – aber auch in den gegenwärtigen politisch-wissenschaftlichen Debatten zu mehr Klarheit beizutragen vermag?

Dr. Thomas Haury studierte Soziologie und Geschichte und wurde im Februar 2001 an der Universität Freiburg promoviert. Derzeit ist er in verschiedenen Bildungseinrichtungen tätig. Er arbeitet zu den Themen Antisemitismus, Nationalismus, Antiamerikanismus und Fundamentalismus.

August

05. August 2021 | Antisemitismus in Fußball-Fankulturen: Der Fall RB Leipzig | Pavel Brunssen (University of Michigan) | Facebook-Veranstaltung

"Dieses Buch analysiert das gesellschaftlich weitverbreitete Ressentiment gegen RB Leipzig aus antisemitismuskritischer Perspektive. In einer empirisch fundierten theoretischen Auseinandersetzung stellt dieses Buch eine gleichermaßen innovative wie richtungsweisende Studie über die Fankultur der Ultras sowie die Artikulationsformen des Antisemitismus im 21. Jahrhundert vor. Brunssen legt eindrucksvoll dar, wie sich die Ablehnung RB Leipzigs aus einem jahrhundertealten Fundus antisemitischer Bilder speist." (Beschreibung zum gleichnamigen Buch)

 

16. August 2021 | Die Dialektik der Aufklärung als Antiziganismuskritik | Markus End (Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin) | Facebook-Veranstaltung

Die deutschsprachige Antisemitismusforschung wie auch die Antisemitismuskritik eines Teils der deutschen Linken sind maßgeblich geprägt durch die „Dialektik der Aufklärung“ von Horkheimer und Adorno, insbesondere durch die Thesen zum Antisemitismus. Kaum lässt sich ein Text zum Thema finden, der sich nicht implizit oder explizit auf diese Thesen bezieht. Die sehr viel jüngere deutschsprachige Antiziganismusforschung wie auch die sich entwickelnde Antiziganismuskritik in der Linken haben sich häufig an diesen Vorannahmen und Thesen orientiert, sich auf sie bezogen oder sie modifiziert. Im Vortrag soll diese Perspektive der Antiziganismuskritik erweitert werden, indem aufgezeigt wird, inwiefern im Text der „Dialektik der Aufklärung“ selbst, insbesondere im Kapitel zum „Begriff der Aufklärung“, bereits der Kern einer materialistischen Theorie des Antiziganismus formuliert ist. Daraus ergeben sich im Anschluss an diese Rekonstruktion weiterführende Thesen zum Verhältnis von Antisemitismus, Antiziganismus und (post-)kolonialem Rassismus.

September

02. September 2021 | Ambivalenzen von Rassismuskritik. Antisemitismus in antirassistischer Theorie und Praxis | Randi Becker (Justus-Liebig-Universität Gießen) | Facebook-Veranstaltung

Rassismus und Antisemitismus bedrohen tagtäglich Menschenleben.
Steigender Antisemitismus während der Corona-Pandemie, rassistische Polizeigewalt, und Anschläge, wie in Hanau und Halle 2020 und 2019, führen dies nur allzu deutlich vor Augen. Die Kritik sowohl des Rassismus als auch des Antisemitismus ist so notwendigerweise eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die sowohl TheoretikerInnen als auch AktivistInnen beschäftigt und beschäftigen muss. Beide Phänomene verschränken und überlappen sich in der Praxis, bedürfen aber auch der spezifischen Betrachtung der jeweiligen Besonderheiten und Unterschiede. Gerade die Kenntnis der Unterschiede kann KritikerInnen beider Phänomene erst dazu befähigen, Rassismus und Antisemitismus wahrzunehmen, zu kritisieren und zu bekämpfen. Besonders notwendig erscheint diese Kenntnis in Zeiten, in denen auch antirassistische Kreise antisemitische Narrative reproduzieren: die Mbembe Debatte sowie antisemitische Ausschreitungen bei Black Lives Matter machen deutlich, dass ein Eintreten gegen Rassismus nicht notwendigerweise auch mit einer Reflexion des Antisemitismus und seiner Kritik einhergeht, im Gegenteil werden, trotz der Verbundenheit beider Phänomene, gerade auch in antirassistischen Kreisen antisemitische Narrative geteilt und reproduziert. Der Vortrag widmet sich der Kritik des Antisemitismus in antirassistischer Theorie und Praxis anhand ausgewählter Beispiele.

Randi Becker studierte Sozialwissenschaften, Soziologie und politische Theorie in Gießen, Frankfurt und Darmstadt. Sie ist hauptamtliche Dozentin in einem Bildungszentrum, Lehrbeauftragte an verschiedenen hessischen Universitäten, sowie freiberufliche Referentin der politischen Bildung. Sie forscht, schreibt und spricht zu Rassismus, Antisemitismus, Nationalsozialismus und Geschlecht, sowie deren Verknüpfungen. Sie ist externe Doktorandin der Universität Passau und promoviert zu Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit im Rahmen von Rassismuskritik.

 

16. September 2021 | Zwischen Modernisierung und Beharrlichkeit. Globalisierter Antisemitismus im digitalen Zeitalter. Ein Forschungsprogramm | Lars Rensmann (University of Groningen) | Facebook-Veranstaltung

Die Bedingungen, unter den Antisemitismus heute in sozialen Räumen reproduziert, artikuliert und mobilisiert wird, haben sich in den letzten Jahren einschneidend gewandelt. Dabei ist weitgehend Konsens in der Forschung, dass die Digitalisierung privater, halböffentlicher und öffentlicher Interaktionssphären und die millionenfache Verbreitung von Desinformation im digitalen Zeitalter die Verbreitung antisemitischer Ressentiments eher befördert haben--sind doch antisemitische Verschwörungsfantasien die "fake news" sui generis seit der Antike. Die Formen, in denen Antisemitismus dabei zutage tritt und auch wieder verstärkt Gegenstand politischer Kommunikation wird, sind teils modernisiert und codiert, teils nahezu amorph in ihrer Funktion als Projektionsfläche; sie deuten indes aber ebenso auf die Beharrlichkeit bestimmer kulturell tradierter Deutungsmuster. Der Vortrag schlägt Schneisen für ein interdisziplinäres Forschungsprogramm, das sich neuen, im Besonderen globalisierten sowie sozial-medialen Bedingungen, Verbreitungs- und Artikulationsformen antisemitischer Ressentiments und Ideologeme zu stellen sucht und zugleich theoretische und historische Erkenntnisse reflektiert.

 

23. September 2021 | „Die gerechte Sache der arabischen Völker“: Kuba, Israel und der Nahostkonflikt (1959-1973) | Margarita Lerman (Universität Leipzig) | Facebook-Veranstaltung

Ankündigungstext folgt.

Oktober

12. Oktober 2021 | Gewerkschaften und Antisemitismus. Eine Untersuchung des kollektiven Gedächtnisses des Deutschen Gewerkschaftsbundes | Lea Herzig (Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin) | Facebook-Veranstaltung

Mit dem 21. Parlament der Arbeit im Jahr 2018 bestätigte der Deutsche Gewerkschaftsbund sein seit Jahren gelebtes Bekenntnis zum Antifaschismus. Seit 1949 ist der DGB der Dachverband vonheute acht Mitgliedsgewerkschaften. Doch wie hat sich nach den Erfahrungen im Nationalsozialismus dieses antifaschistische Selbstverständnis im DGB entwickelt? Und welche Leitlinien gibt dieses für den heutigen Umgang der deutschen Gewerkschaften mit aktuellen Formen des Antisemitismus, innerhalb der Gesellschaft, aber gerade auch innerhalb der Organisationen selbst? Und lässt sich ein Ideal für die zukünftige Gewerkschaftsarbeit gegen Rechts finden?Es gilt einen Teil des kollektiven Gedächtnisses der deutschen Gewerkschaften zu ergründen. Mit einem zeithistorischen Ansatz beginntdabei die untersuchte Zeitspanneerst mit der Gründung des Deutschen Gewerkschaftsbundes 1949.Die Theorie vom kollektiven Gedächtnis gehtauf Maurice Halbwachs zurück und wurde zudem durch Jan und Aleida Assmann, sowie Alexander und Margarete Mitscherlich weitergeführt.In einer inhaltskritischen Analyse sollen Quellen der gewerkschaftlichen Verbandsarbeit genauer untersucht werden. Der Fokus liegt hierbei vor allem auf Beschlusstexten, Sitzungsprotokollen und Pressemitteilungen. Die antifaschistischen und anti-antisemitischen Beschlusslagen des DGB und die bisherige Erinnerungsarbeit erwecken den Eindruck, dass Formen der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit nicht in den deutschen Gewerkschaften vorkommen. Die Einstellungsforschung zeichnet allerdings ein anderes Bild, daher ist davon auszugehen, dass es eine Diskrepanz zwischen der beschlussfassenden Funktionärsebene und der Ebene der „einfachen“ Mitglieder gibt.

Lea Herzig ist Doktorandin am Zentrum für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin. Dort promoviert sie zum „Umgang des Deutschen Gewerkschaftsbundes mit Antisemitismus, seit 1949“. Zu ihren Forschungsintersssen gehören Erinnerungsgeschichte, Forschung zu Antisemitismus, Arbeiterbewegung und Gewerkschaften.

 

19. Oktober 2021 | Zur Kritik „multidirektionaler Erinnerung“ | Ingo Elbe (Universität Oldenburg) | Facebook-Veranstaltung

Das Gedenken an den Holocaust wird seit einigen Jahren von antirassistischen und postkolonialen Ansätzen radikal in Frage gestellt. Insbesondere Michael Rothbergs auch in Deutschland gefeierte Theorie einer „multidirektionalen Erinnerung“ stellt die ‚Verflechtung‘ von Gewaltgeschichten in den Vordergrund, um einer, wie er meint, gefährlichen ‚Opferkonkurrenz‘ vorzubeugen und von Rassismus betroffene Menschen in den westlichen Erinnerungsdiskurs zu integrieren. Zu diesem Zweck wird es als produktiv erachtet, die Geschichte der Vernichtung der europäischen Juden in kolonialen Termini zu erzählen und die Geschichte von Kolonialverbrechen auf den Holocaust zu beziehen, um damit eine Solidarität der Opfer von Massenverbrechen herzustellen. Der Vortrag kritisiert diese erinnerungspolitische Strategie, indem gezeigt wird, dass dabei der Holocaust und der Antisemitismus ihrer Spezifik beraubt werden und an ihre Stelle ein „universell drapierter moralisierender Diskurs über unterschiedslose Opferschaft“ tritt (Dan Diner). Die volkspädagogischen Dogmen und die in der politischen Praxis vertretene Agenda dieses Diskurses weisen zudem eine israelfeindliche und den Antisemitismus der ‚Subalternen‘ oder ‚Anderen‘ verharmlosende Dimension auf.

Dr. Ingo Elbe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Privatdozent am Institut für Philosophie der Universität Oldenburg. Zuletzt erschienen: Gestalten der Gegenaufklärung. Untersuchungen zu Konservatismus, politischem Existentialismus und Postmoderne. 2. überarb. Auflage, Würzburg 2021.

 

27. Oktober 2021 | Antisemitismus als Gegenstand und Begriff des Rechts | Carla Dondera (FU Berlin) | Facebook-Veranstaltung

Ankündigungstext folgt.

Carla Dondera studiert Politikwissenschaft und Rechtswissenschaft an der Freien Universität Berlin und arbeitet am Arbeitsbereich Politische Theorie und Philosophie des Otto-Suhr-Instituts. Studien-und Forschungsschwerpunkte: Theorien des Antisemitismus, israelbezogener Antisemitismus, Rechtsphilosophie und Kritische Theorie. Außeruniversitäres Engagement in antisemitismuskritischer Bildungsarbeit (aktuell u.a. als Sprecherin des stipendiatischen Arbeitskreises „Kritik des Faschismus, Antisemitismus und Rassismus“ der Friedrich-Ebert-Stiftung).

November

05. November 2021 | Antisemitismus und Verschwörungsideologien im Netz: Neue methodische Herausforderungen | Claudia Globisch (IAB Nürnberg) | Facebook-Veranstaltung

Ankündigungstext folgt.

 

17. November 2021 | Varieties of Antisemitism | Jeffrey Herf (University of Maryland) | Online | Facebook-Veranstaltung

Ankündigungstext folgt.

 

25. November 2021 | Der Hassprediger. Judenbilder und deutsche Phantasien bei Ernst Moritz Arndt | Anne-Maika Krüger (Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin) | Facebook-Veranstaltung

Ankündigungstext folgt.

 

tba | Der Genuss am Judenhass. Über den Zusammenhang von Antisemitismus und Narzissmus | Thorsten Fuchshuber (Université libre de Bruxelles)

Ankündigungstext und das genaue Datum folgen.

Förderer und Kooperationspartner:innen der Vortragsreihe

Koop Partner