Kulturfestival "Oy vavoy!" (02. Juli 2022)

"Die Idee"
Plakat Oy vavoy! Kulturfestival

Das Kulturfestival soll zum einen eine Suchbewegung nach neuen Formen der Prävention und Bekämpfung des Antisemitismus sein. Im Mittelpunkt stehen dabei Strategien, Taktiken und Formen der „Popkultur“. These ist hierbei, dass anhand des Gegenstandes der Popkultur auch der gesellschaftliche Zustand abgelesen werden und gleichsam als kritischer Spiegel fungieren kann. In Bezug auf die Erprobung neuer, innovativer Formen der Antisemitismusprävention bedeutet das, den reichhaltigen Fundus der Popkultur auf dessen Potenzial für solch eine „Arbeit“ hin abzuklopfen. So fungiert das Festival als Möglichkeitsraum, in dem versucht wird aus dem reichen Fundus der (randständigen) Popkultur neue Formen der Antisemitismusprävention zu generieren.

Dieser experimentelle Charakter ist dabei nicht auf die Erprobung und Vermittlung von neuen Praxen der Antisemitismusprävention und -bekämpfung beschränkt. Gerade durch die Kooperation der verschiedenen Kooperationspartner:innen vor Ort soll somit zum anderen auch ein Prozess angestoßen werden, der im besten Falle dazu führt, dass antisemitismuskritische Inhalte in den Arbeitsalltag der kooperierenden Akteure implementiert werden, wodurch der Wirkungsradius einer derart grundierten Kulturarbeit immens erhöht wird. Zudem bietet das gemeinsame Agieren, auf Grundlage eines Denkens „outside the box“, Möglichkeiten für alle Beteiligten hinsichtlich Sichtbarkeit, Reichweite und Vernetzung.

Das Festival ist darauf angelegt sukzessive zu wachsen, wobei auch gerade verschiedene Veranstaltungsformen denkbar sind. Der „Gegenstand“ des Festivals wechselt jährlich. Im ersten Jahr liegt der Fokus auf Punk und Judentum.


"Die Ziele"
  • antisemitismuskritische Arbeit in Kultureinrichtungen vor Ort zu etablieren
  • ein Netzwerk vor Ort aufzubauen
  • die jüdische Widerstandsgeschichte bekannt zu machen (jüdische Protagonist:innen), und dadurch die Heterogenität von Jüd:innen abzubilden
  • ein historisch-kritisches Bewusstsein für Subversion in der Geschichte zu schaffen
  • durch das Vermitteln von Strategien wie etwa Verfremdung oder Überidentifikation den Teilnehmenden empowernde Strategien an die Hand zu gegeben
  • die Suchbewegung als Experimentieren zu verstehen, in dem Reflexion und Selbstkritik ständiger Bestandteil dieses Prozesses sind

"Das Programm"
Banner Workshop

»Kein Holocaust – kein Punk«, hat der amerikanische Musikjournalist Steven Lee Beeber einmal das Verhältnis von Punk und jüdischer Identität provokant zusammengefasst. In der Tat hatten viele der New Yorker Punks der Siebziger einen jüdischen Familien-Background, der wiederum Einzug gefunden hat in ihre Musik; Textzeilen wie »Eat kosher salami« von den Ramones oder Songs wie »Dachau Disney Disco« von Suicide zeugen davon. Ausgehend von solchen Songbeispielen soll im Workshop herausgearbeitet werden, inwieweit dieser frühe Punk die jüdische Geschichte des 20. Jahrhunderts reflektiert und die Shoah, Ausgrenzung und Verfolgung in seine Struktur integriert hat und so zu einem Medium der Erinnerung werden konnte, dass sich gleichzeitig einer Musealisierung des Erinnerns verweigert. 

Jonas Engelmann ist studierter Literaturwissenschaftler, ungelernter Lektor und freier Journalist. Er hat über Gesellschaftsbilder im Comic promoviert, schreibt über Filme, Musik, Literatur, Feminismus, jüdische Identität und Luftmenschen für »Jungle World«, »nd. Der Tag«, »konkret«, »Zonic«, »Fabrikzeitung« und andere, lektoriert Bücher für den Ventil Verlag und gibt die »testcard« mit heraus. Er ist außerdem Mitarbeiter der Rosa-Luxemburg-Stiftung Rheinland-Pfalz.

Anmeldungen an: iiauni-trierde. Eine Teilnahme ist auch ohne Voranmeldung möglich.

 

Banner Podiumsdiskussion Oy vavoy

Am frühen Abend findet auf dem „Oy Vavoy!-Kulturfestival“ eine Podiumsdiskussion zu „Punk, Judentum, Subversion und Empowerment“ statt. Mit Elianna Renner (Künstlerin), Peter Waldmann (Stellvertretender Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Mainz / Privatdozent Uni Halle), Tobias Johann (Fanzine-Macher und Soziologe aus der Punkmetropole Neunkirchen/Saar) und Bijan Razavi (Bildungsreferent bei der Bildungsstätte Anne Frank und Mitarbeiter im Kompetenznetzwerk Antisemitismus) ist das Podium hochkarätig besetzt. In der Diskussion soll neben dem Verhältnis von Punk und Judentum, auch die Relevanz von Punk als identitätsstiftendes wie auch identitätsdestruierendes Medium besprochen werden. Zudem wird ein Blick auf „Jewishness im Punk“ in der Gegenwart geworfen und Erfahrungswerte ausgetauscht. Außerdem wird gefragt, inwiefern Punk als Medium sowohl einer kritischen Erinnerung an die Shoah als auch als Reservoir von Strategien und Methoden dienen kann, die für eine innovative Antisemitismusprävention genutzt werden können. Hier ist v.a. an die herrschaftskritischen Impulse von Punk zu denken.

Peter Waldmann (Stellvertretender Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Mainz / Privatdozent Uni Halle)

Tobias Johann ist Fanzine-Macher und Soziologe aus der Punkmetropole Neunkirchen/Saar. Seit mehreren Jahren ist er Mitherausgeber von „Ostsaarzorn - Das Fachjournal für Punk“, das anlässlich des Oy Vavoy Kulturfestivals eine Sonderausgabe zum Thema „Jewishness im Punk“ produziert hat. In seiner wissenschaftlichen Tätigkeit befasst er sich u.a. mit den Themenfeldern Antisemitismusprävention und politischer Sozialisation. Er lebt und wirkt in Leipzig.

Bijan Razavi wohnt in Kassel und ist Bildungsreferent bei der Bildungsstätte Anne Frank und Mitarbeiter im Kompetenznetzwerk Antisemitismus. Seit 2013 ist er in der politischen Bildung zu den Themen Antisemitismus, Geschichte des Nahostkonflikts, Rassismus und Rechtsextremismus tätig.

Elianna Renner´s artistic work deals with biographies and history. She engages with the ideas of commemoration, remembrance, and forgetting. The focus is often on women, whose fate has been neglected by historiography. Using audio, text, sketches, photography, film, and performative elements, Renner tries to capture biographical traces of forgotten people and their stories.

Banner Konzert Oy vavoy!

Es spielen die Punkrock-Bands: Upfluss, Deäd Kätz und La Flemme.

Rahmenprogramm Banner Oy vavoy

Im Vorfeld produzierten die Macher vom Ostsaarzorn-Fanzine eine Sondernummer „Jewishness im Punk“ (https://www.facebook.com/Ostsaarzorn/). Hier gab es Möglichkeiten des Mitmachens. Vor Ort wird die Sonderausgabe präsentiert.

Die Plakatausstellung „Aktuelle Erscheinungsformen des Antisemitismus“, die die IIA gemeinsam mit Studierenden der Universität Trier und dem „Verein für ein Buntes Trier – gemeinsam gegen Rechts e.V.“ entwickelt hat, wird ebenfalls zu sehen sein.

An Mitmachstationen bietet das Festival einen Stencil-Workshop an. Hier können selbst Stencils produziert werden.

Daneben gibt es noch eine „Oy Vavoy!-Erzählwerkstatt“. Hier können interessierte Besucher:innen von eigenen Erlebnissen, Erfahrungen und Geschichten ihrer Szenesozialisation berichten.


Selbstvorstellungen der zivilgesellschaftlichen Akteure

Auf dem Kulturfestival werden befreundete zivilgesellschaftliche Akteure vor Ort mit Ständen präsent sein. Etwa m*power aus Koblenz, zusammen1 aus Frankfurt, Kein Bock auf Nazis, der „Verein für ein Buntes Trier – gemeinsam gegen Rechts e.V.“ und die AG Frieden. Einige von ihnen stellen sich im Folgenden kurz vor:

  • Der Verein „Für ein buntes Trier – gemeinsam gegen Rechts“ engagiert sich in Trier gegen Rechtsextremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Ziel ist es, zusammen mit allen Akteuren, die sich in diesem Bereich in Trier engagieren, die Arbeit gegen Rechtsextremismus zu bündeln und breite Bevölkerungsschichten in die Arbeit mit einzubeziehen. Der Verein will Gegenöffentlichkeit herstellen, wenn rechtsextreme Parteien und Organisationen ihre menschenverachtende Ideologie durch Kundgebungen und Aufmärsche verbreiten. Wichtig ist aber auch die kontinuierliche Auseinandersetzung mit menschenverachtenden Einstellungen und deren Ursachen in der Mitte der Gesellschaft. Dazu schafft Buntes Trier Bildungsangebote und entwickelt kreative Protestformen. Der Verein betreibt Recherche über die lokalen rechtsextremen Erscheinungsformen und Strukturen und erstellt hierfür Informationsmaterialien. 
  • Kein Bock auf Nazis (KBAN) ist eine bunte und undogmatische Initiative mit einer klaren Mission: Mut machen gegen Rechts! Wir supporten, vernetzen und informieren seit 2006 Jugendliche und junge Erwachsene zum Thema extreme Rechte, Rassismus und Neonaziszene. Unterstützt werden wir unter anderem von Bands wie Die Toten Hosen, Die Ärzte, Casper, Broilers, Madsen, Donots, Fettes Brot, ZSK, Beatsteaks, Deichkind, Sportfreunde Stiller, Anti-Flag oder Jennifer Rostock. In den vergangenen Jahren haben wir Hunderttausende kostenlose DVDs, Musiksampler und mehr als eine Million Schüler:innenzeitungen bundesweit verteilt. Laufend versorgen wir Initiativen, Gruppen und Einzelpersonen, die sich gegen rechts engagieren mit Infomaterial, Plakaten und Aufklebern. Über unsere Social Media Accounts helfen wir bei der Mobilisierung von Protestaktionen. Unsere Arbeit finanzieren wir ausschließlich durch Spenden. Wir wollen auch in Zukunft unabhängig von staatlichen Fördergeldern bleiben.
  • Zusammen1 wurde von MAKKABI Deutschland im Rahmen des Förderprogramms “Demokratie Leben!” des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Zusammenarbeit mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland und der jüdischen Gemeinde Düsseldorf ins Leben gerufen. Unser Ziel ist es, den organisierten Sport nachhaltig stark gegen Antisemitismus zu machen! Vor allem im Fußball, der besonders betroffen von Diskriminierung jeglicher Art ist, wollen wir verhindern, dass Antisemitismus nicht erkannt, widerspruchslos hingenommen oder nicht an die vorhandenen Anlaufstellen gemeldet wird. Unser Auftrag lautet: Unterstützung aller von Antisemitismus und anderen Diskriminierungsformen betroffenen Akteur*innen, die Vermittlung von Handlungsstrategien und die Entwicklung von pädagogischen Maßnahmen. Dies erreichen wir durch eigene (sozial-)wissenschaftliche Studien (VERSTEHEN), das Angebot von Workshop- und Vortragsformaten (VERMITTELN), sowie dem Hinwirken auf die Etablierung nachhaltiger Regelstrukturen zur Antisemitismusbekämpfung im organisierten Sport (VERÄNDERN).

 


"Der Titel"

"Oy vavoy!" ist hebräisch und meint so viel wie "oh wie schrecklich", das ist auch ein Ausdruck, der nach einer schönen Geschichte geäußert wird und dem eine Doppeldeutigkeit inhärent ist.


"Die Veranstalter"
  • Initiative Interdisziplinäre Antisemitismusforschung Trier (federführend)
  • Kulturverein villaWuller e.V.
  • Kulturgraben e.V.
  • IB Fanprojekt Trier
  • Treffpunkt am Weidengraben e.V.
  • Ponyhof Shows

"Die Förderer"
Förderer
BMFSJ Förderung