„Wir brauchen mehr Menschen, die das Gute sehen“

Ministerpräsidentin Malu Dreyer diskutierte auf Einladung von Psychologie-Studierenden über Demokratie und ihre Gefährdung.

„Wenn du dich nicht um mich kümmerst, verlasse ich dich - Deine Demokratie.“ Unter diesen Leitspruch stellten Psychologie-Masterstudierende ein von ihnen organisiertes Podiumsgespräch mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Bei diesem Appell beließen sie es nicht, sondern machten mit der Veranstaltung selbst einen ersten Schritt als „Kümmerer“.

Ministerpräsidentin Dreyer mit den Studierenden des Psychologie-Seminars.
Die Master-Studierenden der Psychologie mit Seminarleiterin Prof. Dr. Eva Walther (rechts) überreichten Ministerpräsidentin Malu Dreyer ihren Leitspruch.

In der Diskussion wollten die Psychologie-Studierenden herausfinden, woran die Demokratie krankt und wie ihre Abwehrkräfte gestärkt werden können. Die Veranstaltung im Audimax war der finale Höhepunkt eines Seminars im gerade beendeten Wintersemester unter Leitung der Sozialpsychologin Prof. Dr. Eva Walther.  

Bei allen Analysen von Bedrohungsszenarien und der Ursachenforschung für die Verwundbarkeit der Demokratie erwies sich Ministerpräsidentin Malu Dreyer in der zweistündigen Veranstaltung vor allem als Mutmacherin. „Es gibt für junge Leute eigentlich keinen Grund, Angst vor der Zukunft zu haben. Es liegt auch in ihrer Hand, die Zukunft zu gestalten. Nehmen Sie sich einfach mal vor, zuerst über positive Dinge zu reden“, richtete sich die Ministerpräsidentin im beinahe vollbesetzen Audimax an die Studierenden. Sie wolle vor dem Hintergrund der anhaltenden Krisen und schlechten Nachrichten nichts verharmlosen, ergänzte Malu Dreyer. „Aber wir brauchen auch mehr Menschen, die das Gute sehen.“ Sie selbst hat sich vorgenommen, in der Fastenzeit schlechte Nachrichten zu „fasten“. „Ich werde sie nicht ignorieren, aber für jede schlechte Nachricht will ich zwei gute erzählen.“

Alle können beitragen

Die Aufgeschlossenheit der Politikerin für das ungewöhnliche Diskussionsformat, die engagierte Vorbereitungsarbeit der Studierenden und die Bereitschaft des Publikums zu einem offenen und fairen Dialog waren die Erfolgsschlüssel dieses Podiumsgesprächs. Als Gemeinschaftsleistung gelang es allen Beteiligten, den überwiegend jungen Menschen im Publikum das Gefühl zu vermitteln, dass jede und jeder von ihnen zur Festigung der Demokratie und Abwehr von Bedrohungen beitragen kann. In diesem Sinn appellierte die Ministerpräsidentin an alle, von ihrem urtümlichen demokratischen Recht Gebrauch zu machen und zu den Wahlen zu gehen. Schon bei den Europawahlen steht die nächste Richtungsentscheidung an. „Um uns herum gibt es schon zu viele Länder, in denen rechte Populisten zu viel zu sagen haben“, so Dreyer. Als mutmachendes Beispiel verwies sie auf Polen, wo vor allem Frauen und junge Menschen für einen politischen Wechsel gesorgt hätten.    

AfD ist Bedrohung

Einig waren sich die moderierenden Psychologie-Studierenden mit der Ministerpräsidentin in der Ansicht, dass die AfD eine ernst zu nehmende Bedrohung der Demokratie darstellt. Die AfD gehe strukturiert vor, habe in den sozialen Medien einen Vorsprung gegenüber den etablierten Parteien und nicht nur in ostdeutschen Bundesländern, sondern auch in Rheinland-Pfalz prognostizierte Wählerzahlen „in schwindelerregender Höhe“, so die Ministerpräsidentin. „Andererseits ist es ein erhebendes Gefühl, dass so viele Menschen gegen Rechts demonstrieren.“

Die Flüchtlingssituation, soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit, Vertrauen in Politik und Institutionen, Ängste und natürlich auch die regierende Ampelregierung – die Liste der Fragen der Moderatorinnen und Moderatoren und aus dem Publikum war ellenlang. Malu Dreyer ging geduldig auf alle ein und plauderte auch mal offen aus dem politischen Nähkästchen. Warum denn Kanzler Olaf Scholz so wenig kommunikativ sei? Mit ihrer knappen Antwort hatte Dreyer die Lacher auf ihrer Seite: „Olaf hat noch nie viel gesprochen.“

Unis müssen Stellung beziehen

Das Schlusswort gebührte Prof. Dr. Eva Walter, die ihre Studierenden in höchsten Tönen lobte. „Die Idee für dieses Podiumsgespräch kam von den Studierenden, und sie haben alles in eigener Regie umgesetzt. Ich habe immer wieder nachgefragt, was ich denn noch tun kann, aber sie haben mich nicht rangelassen“, sagte die Seminarleiterin mit einem Schmunzeln. Wie schon Universitätsvizepräsident Prof. Dr. Mattern bei der Begrüßung vertrat auch sie die Ansicht, dass Universitäten Stellung beziehen und sich engagieren müssen. „Wir brauchen jede Person, um die Demokratie zu verteidigen. Wer das jetzt nicht begreift, wacht in einer Diktatur auf“, so Eva Walter. Ihr Dank galt neben ihren Studierenden und dem Publikum insbesondere der Ministerpräsidentin. „Ihre Teilnahme an diesem Gespräch, Frau Dreyer, war ein superwichtiges Signal für die jungen Menschen.“

 

Ministerpräsidentin Dreyer.
Ministerpräsidentin Malu Dreyer diskutierte engagiert und offen mit dem Moderatorenteam und dem Publikum.