Zensus 2011: Forscher ersparen der Bevölkerung Aufwand und dem Staat Kosten

Wissenschaftler um Prof. Münnich von der Universität Trier haben eine neue Stichproben-Methodik entwickelt

Foto: © Statistisches Bundesamt

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Zenus 2011? An den meisten Bundesbürgern zieht die aktuelle Volkszählung beinahe unbemerkt vorbei. Anders als bei früheren Zählungen, an denen alle Haushalte beteiligt wurden, müssen für den Zensus 2011 nur zehn Prozent der Bevölkerung befragt werden. Das erspart den Bürgern Zeit und Mühe, und die öffentlichen Kassen werden deutlich weniger belastet. Ermöglicht wurde diese bürger- und kostenfreundliche Zensus-Variante durch eine neue Stichproben- und Schätzmethodik, die eine Forschergruppe der Universität Trier und von GESIS Mannheim entwickelt hat.

Mehr als drei Jahre lang hat das Team um Professor Münnich geforscht, um mit dem Zensus 2011 einen Paradigmenwechsel umsetzen zu können. Obwohl nur noch jeder Zehnte befragt wird, stehen am Ende doch verlässliche Daten über die gesamte Bevölkerung der Bundesrepublik zur Verfügung. Und nach Schätzungen des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung und des Statistischen Bundesamtes belaufen sich die durch die neue Methodik ermöglichten Einsparungen vermutlich auf mehrere hundert Millionen Euro.

Neu am Zensus 2011 ist: Es werden überwiegend Daten aus den Registern von Verwaltungen und der Bundesagentur für Arbeit herangezogen. Dieser Datensatz wird durch Befragungen von Haushalten erweitert. Die Aufgabe der Wissenschaftler bestand darin, durch ein Stichprobenmodell einerseits mögliche Registerfehler, Karteileichen und Fehlbestände in den amtlichen Registern abzuschätzen sowie andererseits weitere Erkenntnisse etwa zur Ausbildung oder zum Erwerbsleben zu liefern.

Dass die von Prof. Münnich und seinem Team vorgeschlagene Methodik quasi unverändert für den Zensus übernommen wurde, stellt der Qualität der Forschung das beste Zeugnis aus. Münnich selbst bezeichnet das Projekt als „einen enormen Auftrag und die Krönung unserer wissenschaftlichen Arbeit“. Ein Musterbeispiel für Effektivität ist es zudem. Gemessen an den Zensus-Gesamtkosten von 710 Millionen Euro macht der Anteil für die Forschung in Trier und Mannheim mit unter 900.000 Euro nur einen geringen Bruchteil aus – führt andererseits aber zu einer enormen Kostenersparnis. Dank ihres Know-hows, aber auch dank hochprofessioneller Rechnerkapazitäten an der Universität Trier, die aufwändigste Rechensimulationen erlauben, ist die Wissenschaftlergruppe auf ihrem Forschungsgebiet über Deutschland hinaus führend.  

Während nun an anderer Stelle die gesammelten Daten ausgewertet werden, könnten sich Prof. Münnich und seine Mitstreiter nach getaner Arbeit und der Veröffentlichung ihrer Forschungsergebnisse zurücklehnen. Doch für sie gilt: Nach dem Zensus ist vor dem Zensus. Denn auch 2021 werden sie wieder maßgeblich mitwirken.

Hintergrund:
Die wissenschaftlichen Ergebnisse liegen nun in einem Band des Statistischen Bundesamtes vor: „Ralf Münnich, Siegfried Gabler, Matthias Ganninger, Jan Pablo Burgard und Jan-Philipp Kolb: Stichprobenoptimierung und Schätzung im Zensus 2011“. Das Buch kann unter www.zensus2011.de eingesehen und heruntergeladen  werden.