Internationaler Kongress: Karl Marx 1818 - 2018. Konstellationen, Transformationen, Perspektiven

Dem Historiker Professor Dr. Christian Jansen und dem Soziologen Professor Dr. Martin Endreß ist es auch über die Ringvorlesung hinaus gelungen, die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Karl Marx in einem dreitägigen Kongress zu bündeln. Vom 23. bis 25. Mai 2018 stehen sechs Sektionen und eine Podiumsdiskussion auf dem Programm. Der internationale Kongress wird gefördert von der Karl Marx 2018 – Ausstellungsgesellschaft mbH (KAMAG), dem Verein der Freunde und Förderer des Jubiläumsprogramms Karl Marx und der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Weitere Informationen zum Kongress

Internationaler Kongress: Karl Marx 1818 ‐ 2018. Konstellationen, Transformationen und Perspektiven

Termin: 23.-25. Mai 2018

Orte:

  • Eröffnung: Promotionsaula (ehem. Priesterseminar)
  • Zweiter Kongresstag: Universität Trier
  • Abendvorträge: Promotionsaula (ehem. Priesterseminar), AudiMax (Uni)
  • Abschlusstag: TUFA, Großer Saal

Unter Schirmherrschaft der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK)

Gefördert mit freundlicher, finanzieller Unterstützung durch:

  • Karl Marx 2018 – Ausstellungsgesellschaft mbH (KAMAG)
  • Verein der Freunde und Förderer des Jubiläumsprogramms Karl Marx
  • Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung
  • Friedrich-Ebert-Stiftung (FES)

Kongresssprachen: Deutsch und Englisch

Der Kongress unternimmt eine Bestandsaufnahme, wie weit die Rezeption und Weiterentwicklung von Marx’ Denken „nach dem Marxismus“, nach dem Scheitern der sich auf Marx berufenden politischen Regime, gediehen ist. Die wesentlichen Instrumente einer postmarxistischen Beschäftigung mit Marx als Person, als bis heute ausgesprochen einflussreicher Denker und aktiver Politiker sind: Historisierung, Kontextualisierung, Entmystifizierung und eine nicht dogmatische Rezeption des gesamten, heterogenen und keineswegs widerspruchsfreien Oeuvres. Eines Oeuvre, das zudem erst in jüngster Zeit historisch-kritisch ediert worden ist (MEGA²). Zugleich hat Marx’ Denken – vor allem in popularisierten Versatzstücken und Einzelaspekten, aber durchaus auch in anspruchsvollen, „wissenschaftlichen“ und systematischen Aneignungen (Lesezirkel, Arbeitskreise) – angesichts der gegenwärtigen Krisen des Kapitalismus wieder große Aktualität gewonnen und Hoffnungen geweckt, aus dem Oeuvre von Marx Handlungsanleitungen und Lösungen für aktuelle politische Problem ableiten zu können.

Die Herangehensweise der neun thematischen Sektionen, einer Eröffnungs- und einer Abschlusssitzung für eine größere Öffentlichkeit sowie der zwei Einzelvorträge des geplanten Kongresses ist in erster Linie geschichtswissenschaftlich und sozialwissenschaftlich. Dabei sind für den Kongress sowohl historische wie systematische und gesellschaftspolitische Fragestellungen von Interesse. Der Kongress richtet sich auch an ein breiteres, interessiertes Publikum und soll der Diskussion viel Raum bieten. Durch begleitende studentische Blogs und andere Formen der Öffentlichkeitsarbeit sollen die Ergebnisse auch unmittelbar in die Öffentlichkeit getragen werden. Darüber hinaus sollen die Beiträge der Tagung im klassischen Format von zwei Tagungsbänden dokumentiert und so einer weiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Die Einführungsveranstaltung wird grundlegende Fragen und Paradigmen einer undogmatischen Beschäftigung mit Marx und seinem Denken im 21. Jahrhundert aufwerfen und zur Diskussion stellen. Die beiden Sektionen 1 und 3 zielen sodann auf eine exemplarische Historisierung der Marxschen Theorie und fragen zugleich, wie weit diese Historisierung seit dem Ende des „marxistischen“ Ostblocks gediehen ist. In bewusster Abgrenzung von der im 20. Jahrhundert dominanten Deutung steht auf der Trierer Tagung auch die Hypothese auf dem Prüfstand, dass Marx nur als westlicher (d.h. in der preußischen Rheinprovinz und von westeuropäischen Diskursen geprägter) Denker zu verstehen sei. Gefragt werden soll: Welche biografischen Prägungen und intellektuellen Einflüsse charakterisieren das Denken von Karl Marx? Welche politischen Netzwerke haben es beeinflusst und sind durch es entstanden? Welche Leitmotive ergeben sich aufgrund dieser Rahmenbedingungen für einen konstruktiven Anschluss an Marx‘ Analysen im beginnenden 21. Jahrhundert?

Als Verbindung zwischen dem geschichtlichen Marx, der in den beiden historisch ausgerichteten Sektionen als Denker und Politiker des 19. Jahrhunderts begriffen wird, und der weltweiten Ausstrahlung sowie den aktuellen Fragen an Marx, die am zweiten und dritten Kongresstag im Mittelpunkt stehen sollen, rekonstruiert Sektion 5 die spannende Geschichte der Edition seiner Werke und zugleich den Prozess der Kanonisierung der von Marx äußerst zahlreichen hinterlassenen Manuskripte. Denn diese Editionen waren keine allein wissenschaftlichen Vorhaben zu einem der wichtigsten Denker des 19. Jahrhunderts, sondern immer auch politische Projekte unterschiedlicher Akteure (SPD, KPdSU, SED – um nur die wichtigsten zu nennen). In diesem Kontext behandelt die Sektion auch die Entstehung des Marxismus, um exemplarisch den Pluralismus der Marx-Rezeption – insbesondere im Gegensatz zu den russischen (leninistischen/ stalinistischen/ ehemals ostdeutschen (DDR)) und später chinesischen Orthodoxien – abzubilden.

In weiteren Sektionen widmet sich der Kongress vor allem systematischen Fragen. Dazu zählt insbesondere auch diejenige nach der Aktualität der in Marx‘ Werk entfalteten Analysen, Diagnosen und Prognosen für die Geschichte der Wohlfahrt. In zwei Sektionen wird nach Marx‘ Beiträgen und Impulsen für die „Modern History of Welfare“ gefragt, wie sie sich in den letzten 150 Jahren variantenreich institutionalisiert und transformiert hat (Sektionen 2 und 4). Im historischen Rückblick erweist sich die Entstehung der vielfältigen Varianten des Wohlfahrtsstaates als Ergebnis der Auseinandersetzung mit marxistischen Theorien und der sich darauf berufenden kommunistischen und sozialistischen Staatsformen. Verbunden mit dem Versuch der Abwehr und mit der Abgrenzung von kommunistischen und sozialistischen politischen Strömungen im Inneren und im Wettbewerb mit bereits etablierten kommunistischen und sozialistischen Varianten von Wohlfahrtlichkeit im Äußeren entwickelten sich wohlfahrtsstaatliche Institutionen, sozialpädagogische und sozialarbeiterische Dienstleistungen sowie theoretisch-konzeptionelle Entwürfe. Hier interessieren vor allem drei Epochen: die Zeit der Entstehung wohlfahrtsstaatlicher Institutionen ab dem späten 19. Jahrhundert bis zum Beginn des 2. Weltkrieg, die Blockkonfrontation nach dem 2. Weltkrieg bis 1990 mit ihrem Dualismus wohlfahrtlicher Welten und die Epoche der Transformation von Wohlfahrtlichkeit in den post-sowjetischen und -sozialistischen Staaten und der (Rhetorik der) Krise von Wohlfahrtlichkeit in den westlichen Wohlfahrtsstaaten.

Die globale Dimension der Marx-Rezeption nimmt Sektion 6 in den Blick und untersucht die Relevanz seines Werkes für gesellschaftliche Problemanalysen des und im „globalen Süden“. In diesem Rahmen soll das Erbe von Marx im Kontext kolonialer und post-kolonialer Situationen der Vergangenheit und Gegenwart erörtert und seine Bedeutung für soziale und politische Bewegungen sowie die intellektuellen Konstellationen in Lateinamerika, Süd-Asien und Afrika reflektiert werden.

In weiteren Sektionen des Kongresses sollen (jüngere) Versuche, Marx‘ Ansätze zur Lösung von Problemen in Gegenwartsgesellschaften zum Gegenstand werden. Diese werden in drei Blöcken aufgegriffen, die sich den ökonomischen, politischen und kulturellen Dimensionen des Werkes wie dieser Probleme zuwenden. Geht es mit Blick auf die ökonomischen Aspekte von Marx‘ Werk um Probleme, die sich im Zuge der Krisenanfälligkeit eines finanzmarktgetriebenen Kapitalismus einstellen (u.a. Erschöpfen der Wachstumsdynamik, Mobilität des Kapitals, Auslagerung von Verelendungsprozessen an nicht-westliche Gesellschaften), so mit Blick auf (sozial-)politische Probleme im Kern um die Frage nach forcierten sozialen Ungleichheiten aufgrund von Implikationen und Effekten einer fortschreitenden Privatisierung gesellschaftlicher Vorsorgemaßnahmen, Angst vor Armut, Gerechtigkeitsfragen und die Möglichkeiten staatlichen Handelns sowie schließlich in sozio-kultureller Hinsicht um die wechselseitige Durchdringung von ökonomischen und kulturellen Faktoren oder um Fragen der Möglichkeit einer normativen Theoriebildung (Sektionen 7 und 9).

 

Das Kongressprogramm

Mittwoch, 23. Mai 2018

12:30 Uhr Geführter Rundgang durch die Ausstellung im Landesmuseum
„KARL MARX 1818 – 1883. LEBEN. WERK. ZEIT.“
Beatrix Bouvier (ca. 90 min.)

15.30-21.30 Uhr Offizielle Kongresseröffnung
Stadt Trier, Promotionsaula
Moderation Martin Endreß, Christian Jansen, Universität Trier

15.30 Uhr Grußworte

  • Wissenschaftsminister des Landes Rheinland-Pfalz Konrad Wolf
  • Oberbürgermeister der Stadt Trier Wolfgang Leibe
  • Präsident der Universität Trier Michael Jäckel
  • Geschäftsführer der Karl-Marx-GmbH Rainer Auts

16.15 Uhr Karl Marx 1818-2018 – Fragestellungen und Paradigmen der Marxforschung im 21. Jahrhundert
Moderation: Martin Endreß

  • Karl Marx zwischen 19. und 20. Jahrhundert - Jonathan Sperber (University of Missouri, USA)
  • Wirtschaft oder Gesellschaft? Größe und Grenzen der Marx‘schen Kapitalismusanalyse - Axel Honneth (Goethe Universität Frankfurt/M.)
  • Zur (ungebrochenen?) Aktualität eines Klassikers - Heinz Bude (Universität Kassel)

18 Uhr Imbiss

19 Uhr Öffentlicher Abendvortrag "When would Capitalism end? Marx’s changing view of history"
Gareth Stedman Jones (London, UK)
Moderation: Jürgen Kocka
Vorstellung: Christian Jansen

20.30-21.30 Uhr Stehempfang

Donnerstag, 24. Mai 2018

Kontexte, Rezeptionen und Wirkungen

9.15-11 Uhr 1. Sektion: Marx‘ politisches Selbstverständnis
Moderation: Christian Jansen

  • Vom Junghegelianer zum Sozialisten und Kommunisten - Warren Breckman (University of Pennsylvania, USA)
  • Das „Kommunistische Manifest“ und Revolution von 1848/49 - Jürgen Herres (MEGA, Berlin)
  • Marx‘ Vorstellungen von Politik - Wolfgang Schieder (Universität zu Köln)

9.15-11 Uhr 2. Sektion: Marx and the Modern History of Welfare I: Competition and Critique
Moderation: Stefan Köngeter, Philip Sandermann, Universität Trier

  • The emergence of the Western welfare states against the backdrop of Marxist critique of welfare (states), and socialist and communistic counter projects - Göran Therborn (University of Cambridge, UK)
  • Feminist Critique of welfare (care) policies, East and West, during the second half of the 20th century - Sonya Michel (Wilson Center, Washington DC, USA)
  • Re-assembling Welfare, State and Nation: the new contradictions of the welfare state - John Clarke (The Open University, UK)

11.00-11.30 Uhr Kaffeepause

11.30-13.15 Uhr 3. Sektion: Marx und die westlichen Traditionen des 19. Jahrhunderts
Moderation: Christian Jansen

  • „Fortiter in re, suaviter in modo“: Marx als Politiker in der Ersten Internationale - Detlef Mares (TU Darmstadt)
  • The Impact of the Non-European World on Marx and Engels - James M. Brophy (University of Delaware, USA)

11.30-13.15 Uhr 4. Sektion: Marx and the Modern History of Welfare II: Marxist heritage in the recent history of welfare
Moderation: Stefan Köngeter, Philip Sandermann, Universität Trier

  • Reflections on Marxism and Welfare: East and West - Paul Stubbs (The Institute of Economics, Zagreb, Croatia)
  • Care Work and Welfare Policies – Explaining the Devaluation of Care from a Feminist-Marxist Perspective - Beatrice Müller (Universität Vechta)
  • A Marxist Analysis of Development Towns in Israel: Proletarian periphery or surplus population? - Jon Anson (Ben Gurion University of the Negrev, Be’er Sheva, Israel)

13.15-14.30 Uhr Mittagspause

14.30-16.15 Uhr 5. Sektion: Freiheit – Staat – Recht – Revolution
Moderation: Christian Jansen

  • Marx’ Vorstellungen über die Diktatur des Proletariats und die Revolution - Gerd Koenen (Frankfurt/M.)
  • Marx und der Staat in der freien Assoziation der Produzenten - Hannes Giessler Furlan (Köln)
  • Recht und individuelle Freiheit bei Marx - Andreas Arndt (Berlin)

14.30-16.15 Uhr 6. Sektion: Zur Marx-Rezeption im globalen Süden
Moderation: Lutz Raphael, Benjamin Zachariah, Universität Trier

  • Marxism in Africa today - Christoph Marx (Universität Duisburg-Essen)
  • Marx and Social movements in Latin America - Jorge Grespan (Universidade de São Paulo, Brasil)
  • Marx’ legacy in South Asia - Kavita Philip ( University of California Irvine)

16.15-16.45 Uhr Kaffeepause

16.15-18.30 Uhr 7. Sektion: Nach Marx – Die Herausgabe der hinterlassenen Manuskripte 
Moderation: Christian Jansen

  • Von Engels bis Kautsky - Wilfried Nippel (HU Berlin)
  • Marx in authentischer Form – die Manuskripte zur „Deutschen Ideologie“ in der MEGA - Gerald Hubmann (MEGA, Berlin)
  • Die Genese des Marx’schen Ideologiekonzepts - Ulrich Pagel (MEGA, Berlin)

16.45-18.30 Uhr 8. Sektion: Marx, Politische Ökonomie und gegenwärtige Sozialverhältnisse
Moderation: Martin Endreß

  • Aktualität und Systematik der Marx‘schen Krisentheorien: Finanzkrisen, Reproduktionskrisen, ökologische Krisen - Christoph Henning (Universität Erfurt)
  • Zum Arbeitsbegriff von Marx: Historische und systematische Kritik aus feministischer Perspektive - Gisela Notz (Berlin)
  • Zur Aktualität von Marx‘ Verständnis der Menschenrechte - Andrea Maihofer (Universität Basel, Switzerland)

19.00 Uhr Öffentlicher Abendvortrag "Dialektik der Demokratie. Zur widersprüchlichen Dynamik sozialer Berechtigung"
AudiMax - Stephan Lessenich (LMU München)
Moderation: Martin Endreß
 

Freitag, 25. Mai 2018

TUFA, Großer Saal, Stadt Trier

9.00-11.00 Uhr 9. Sektion: Strukturen sozialer Ungleichheit, Politische Ökonomie und gegenwärtiger Kapitalismus
Moderation: Martin Endreß

  • Kritik der politischen Ökonomie bei Karl Marx. Marktwirtschaft, kapitalistische Produktionsweise und Politik - Thomas Petersen (Universität Heidelberg)
  • Von Marx bis Bourdieu: Klassengesellschaft als Struktur oder als Akteursfeld? - Michael Vester (Universität Hannover)
  • Globaler Kapitalismus und Klassenbildung: mit Marx und über ihn hinaus - Karin Fischer (Linz, Austria)

11.00-11.30 Uhr Kaffeepause

11.30-13.30 Uhr Abschlusssitzung des Kongresses: Podiumsdiskussion
Moderation Martin Endreß, Christian Jansen, Universität Trier

Auf dem Podium: Heinz Bude (Universität Kassel) Malte Faber (Universität Heidelberg) Stephan Lessenich (LMU München) Lutz Raphael (Universität Trier)

13.30 Uhr Mittagsimbiss (Textorium)

  • Möglichkeit zur Führung durch die Ausstellung „Geld“ in der TUFA (ca. 40 min.)
  • Möglichkeit zum Rundgang in der Ausstellung im Stadtmuseum (ca. 75 min.): „KARL MARX 1818 – 1883. LEBEN. WERK. ZEIT.“

anschließend Abreise

Planung: Prof. Dr. Martin Endreß / Prof. Dr. Christian Jansen